KITZINGEN

Die Geschichte hinter dem Bild ist wichtig

Die World-Press-Photo-Ausstellung steht auf dem Lehrplan der Schulen. Klassen des Kitzinger AKG haben jetzt Informationen aus erster Hand bekommen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Was macht ein Pressebild aus? Anais Conijn brachte den Zehntklässlern des Kitzinger Armin-Knab-Gymnasiums die World-Press-Ausstellung näher. Foto: Foto: Regina Sterk

Die World-Press-Photo-Ausstellung, die seit Montag in der Kitzinger Rathaushalle wieder zu sehen ist, steht auch auf dem Lehrplan der Schulen. Die zehnten Klassen des Kitzinger Armin-Knab-Gymnasiums (AKG) werden die Ausstellung in den nächsten Wochen besuchen. Was liegt da näher, als zwei der Macher aus dem holländischen World-Press-Team für eine Vorbereitungsstunde in die Schule einzuladen?

Anais Conijn und Lars Boering sind nach der Eröffnung am Sonntag noch einen Tag in Kitzingen geblieben und haben sich am Montag Zeit für die Schüler genommen. Ihr Ziel war es, die Jugendlichen neugierig auf die Ausstellung zu machen, aber auch aufzuzeigen, wie die Fotos entstanden sind und warum manche von ihnen etwas Besonderes sind.

Anais Conijn teilte Abzüge an die Schüler aus und ließ die Motive erst einmal wirken. „Was seht ihr auf den Bildern? Was passiert da?“, fragte sie in englischer Sprache und: „Sind das Bilder aus Nachrichten oder nicht?“ Diese Unterscheidung schien zunächst schwierig. Die Aufnahme eines überfüllten Flüchtlingsbootes aus der Vogelperspektive wird dann aber klar als Nachrichtenbild erkannt.

Als Conjin fragt, auf welchem der Bilder denn Gewalt zu sehen sei, gehen einige Finger nach oben. Gewalt und Nachrichten, zu oft hängen diese beiden zusammen. Die Projektmanagerin der Ausstellung zeigt auch, in welche Gefahren sich Pressefotografen begeben, um die eindrücklichen und beklemmenden Bilder der Geschehnisse vor Ort zu liefern. Sie zeigt ein Foto vom Maidan in Kiew, kurz nach den Schüssen der Scharfschützen im Februar 2014: „Ihr seht an der Perspektive, der Fotograf liegt wie die anderen Menschen am Boden. Er erlebt die gleiche Gefahr wie Menschen, die er fotografiert hat.“

So erzählt jedes Foto seine eigene Geschichte. Als eine Schülerin nachfragt, ob die Jury des World-Press-Wettbewerbs die Bilder nur nach der Momentaufnahme oder auch nach der Geschichte dahinter bewertet, legt Lars Boering den Schwerpunkt eindeutig auf Letzteres. Er zeigt das Siegerbild von 2014, zwei homosexuelle Männer in einem Moskauer Appartement. Ohne die Geschichte dahinter wäre das nur ein Bild zweier Männer.

Erst wenn der Betrachter erfährt, dass die beiden ihre Liebe nur unter Gefahren und heimlich ausleben dürfen, weil in Russland gleichgeschlechtliche Beziehungen verboten sind, erst dann kann er sich in das Bild einfühlen und sieht mehr darin.

Eine Fotografie ist immer nur eine Momentaufnahme, das wird am Montag klar. Und dass der Fotograf eine große Verantwortung trägt: Er beeinflusst die Meinung des Betrachters, je nachdem, wie er sein Bild gestaltet. Dass ein bisschen „Fotoshoppen“ für die Teilnehmer des World-Press-Wettbewerbes absolut verboten ist, machten die beiden Ausstellungsmacher am Montag auch klar. Ihr Ziel haben sie jedenfalls erreicht: Die Schüler neugierig und sensibel zu machen, für das, was in der Kitzinger Rathaushalle auf sie wartet.

World-Press-Photo: Rathaushalle Kitzingen, geöffnet bis 10. April täglich, 10 bis 18 Uhr. In der Stadt ist in Schaufenstern die Zusatz-Ausstellung „Menschen, Augenblicke, Emotionen“ zu sehen.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.