KITZINGEN

Die Fastnachtakademie als Puzzle

Wenn alles glatt läuft, nimmt die Deutsche Fastnachtakademie in Kitzingen 2019 ihre Arbeit auf. Der Gebäudekomplex soll direkt an das Deutsche Fastnachtmuseum in der Luitpoldstraße anschließen.
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Das Kitzinger Fastnachtmuseum und die beiden Nachbarhäuser, in denen die Akademie des Museums geplant ist. Foto: Foto: Harald Meyer

Wenn alles glatt läuft, nimmt die Deutsche Fastnachtakademie in Kitzingen 2019 ihre Arbeit auf. Schulungen, Beratung und Forschung auf nationaler und europäischer Ebene sind in dem Gebäudekomplex vorgesehen, der sich direkt an das Deutsche Fastnachtmuseum in der Luitpoldstraße anschließt.

Baurecht liegt nach dem Ja des Kitzinger Stadtrates vor, „eine Hürde ist genommen“, wie Bernhard Schlereth beim Gespräch im Büro von Architekt Karl-Heinz Schmidt sagt. Vorgesehen ist, im Spätsommer mit den Abbrucharbeiten zu beginnen. Derzeit jedoch ist der Präsident des Fränkischen Fastnachtverbandes (FVF) dabei, für möglichst breite Unterstützung zu werben, Fördergelder für die überregionale Bildungseinrichtung zusammenzutragen.

Erhöhter Zuschuss

4,2 Millionen Euro soll die Akademie kosten. Zu den bisher veranschlagten 3,8 Millionen kommen die Aufwendungen für Ausbauten im Dachgeschoss (etwa 250 Quadratmeter), insbesondere für einen Multifunktionssaal. Noch allerdings hängt die Umsetzung der Pläne davon ab, dass zu den Eigenmitteln des Fastnachtverbandes (1,2 Millionen Euro) entsprechende Fördermittel kommen. Neun solcher Töpfe hat Schlereth in seinem Konzept aufgelistet, arbeitet unermüdlich an der Umsetzung.

„Es ist wie ein Puzzle“, sagt der 64-Jährige. „Der eine darf nur Baukosten fördern, der nächste nur Ausstattung, andere beides. Die Kunst besteht darin, Bau und Bauabschnitte so aufzuteilen, dass sie zu den jeweiligen Förder-Bedingungen passen.“ Bisweilen sei es so: „Der eine sagt, er fördert, wenn dieser oder jener das auch tut – und umgekehrt.“

Folglich ist vor allem der Anfang schwierig, doch die Hartnäckigkeit des Bauherrn hat sich beim Museum ja schon einmal ausgezahlt. Und Schlereth wäre nicht Schlereth, wenn ihm nichts Neues einfiele. So lud er kürzlich zusammen mit Regionalmanagerin Maja Schmidt (Kitzingen) Verantwortliche „Lokaler Aktions Gruppen (LAG)“ aus ganz Franken ein, die mit dem europäischen Leader-Förderprogramm arbeiten. Ziel: Ein gemeinsames Projekt möglichst vieler Partner. Denn überregional bedeutsame Projekte, die mehrere Leader-Regionen zusammen tragen, können einen erhöhten Zuschuss der förderfähigen Kosten von bis zu 70 Prozent bekommen. „Dafür muss natürlich zunächst erklärt werden, welchen Nutzen jemand am Untermain oder in Mittel- und Oberfranken von der Einrichtung haben soll,“ so Schlereth.

Der liegt auf der Hand: Der Fastnachtverband Franken (FVF) hat 317 Mitliedervereine, deren Aktive künftig in Kitzingen Seminare besuchen können, zum Beispiel zur Weiterbildung, zu Brauchtums-Fragen, Vereinsarbeit und Vereinsrecht, Ausbildung von Ehrenamtlichen und vielem mehr. Die Akademie soll zudem Beratungsstelle im Bereich Fastnacht, Ehrenamt, Brauchtumpflege sein.

Das Projektmanagement der Akademie soll die Vernetzung der Ehrenamtlichen in den Fastnachtvereinen voranbringen, Schulungsmodule auflegen und dezentrale Veranstaltungen in den Bezirken organisieren. Die Reaktionen der zehn LAG-Vertreter seien jedenfalls ermutigend gewesen, jetzt sollen deren Anregungen aufgenommen und dann die Umsetzung vorangetrieben werden.

Warum Kitzingen Standort für die Akademie werden soll – neben Schlereths Heimatort Veitshöchheim waren auch andere Gemeinden interessiert – begünstigen zwei wesentliche Aspekte: Zum einen gibt es eine Reihe von Synergien mit dem Fastnacht-Museum: der barrierefreie Zugang in der Luitpoldstraße ist nur eine davon. Zum anderen gibt es ein starkes finanzielles Argument: die Städtebauförderung, die Kitzingen seit 2009 erhält.

Seitdem arbeitet die Stadt daran, die Folgen des Abzugs der Amerikaner (Konversion) abzumildern, neue Entwicklungen anzustoßen. Nicht umsonst war kürzlich im Stadtrat von einem Leuchtturm-Projekt die Rede.

Eines, das letztlich kurioserweise auf einen anderen Turm zurückgeht: Auf die härteren Brandschutz-Vorschriften und das daraus resultierende Aus für den Falterturm. Wer damals schwarz sah für das Museum, darf sich jetzt insgeheim schon mal kneifen: Das neue Museum hat starken Zulauf. Und das Puzzle zur Akademie nimmt gerade Gestalt an.

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