BULLENHEIM

Die emotionalsten Momente mit der Krone

Am Freitag wird in Würzburg die 61. Fränkische Weinkönigin gewählt. Zuvor hat Kristin Langmann im Vogel Convetion Center noch einmal die große Bühne für sich.
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Gern bei „die Leut“: Kristin mit Opa Adolf im Weingut Hillabrand: Der Charmeur sang ein Lied für sie. Foto: Norbert Hohler

Am Freitag wird in Würzburg die 61. Fränkische Weinkönigin gewählt. Zuvor hat Kristin Langmann im Vogel Convetion Center noch einmal die große Bühne für sich. „Ich hoffe, meine Schlusspräsentation kommt gut an“, spürt die 23-Jährige vor der Übergabe der Krone noch einmal so etwas wie eine gesunde Anspannung.

Dabei hat sie im Laufe der Zeit zu jener Lockerheit zurückgefunden, von der sie sagt: „Das bin ich.“ Neulich sei ihr so ein Spruch rausgerutscht bei Wein-Schöner-Land in Iphofen. „Ich sollte eine Urkunde überreichen, schaue kurz drauf und sage: Da ham ja lauter wichtige Leute unterschrieben. Nur nicht ich.“ Einen Augenblick sei sie über sich selbst erschrocken, dann habe das Publikum gejohlt, getobt – Urkunden überreichen muss nicht immer quälend langweilig sein.

Ein Jahr als Weinkönigin hat seine Phasen, findet die Bullenheimerin beim Redeaktionsbesuch in Kitzingen. „Anfangs ist alles neu, du musst dich reinfinden. Auch deine eigenen Vorstellungen vom Amt erzeugen Druck.

Der sei bis zur Wahl der Deutschen Weinkönigin in Neustadt angestiegen, aber nach ihrem frühen Aus mit all den unschönen Begleittönen – Kristin soll verschaukelt worden sein – rasch von ihr abgefallen.

„Ich wusste wenig über Südkorea. Das Land hat es mir angetan, ist ein Geheimtipp.“
Kristin Langmann über ihre erste Flugreise nach Asien

Im Herbst, da fühlte sie sich als Fränkische Weinkönigin angekommen. „Man weiß, was man kann, und dass man es kann.“ Von da an habe sie angefangen, ihr Amt richtig zu genießen. „Du kennst alle, man hat sich schon öfters gesehen, es wird irgendwie herzlicher.“

Derzeit freut sie sich auf jeden Termin. „Ich bin absolut entspannt, nehme mich oft selbst aufs Korn, lache viel.“ Man spürt im Gespräch, dass sie bei sich ist, nichts aufgesetzt ist – die losen Sprüche kommen intuitiv. „Am Anfang hätte das ja gar nicht gepasst. Da hätte doch jeder gesagt: Was ist denn das für Eine?“

Kristin hat in dem Jahr viel für sich mitgenommen – unvergessen ihre erste Flugreise, ihr erster Besuch in Asien: „Ich wusste wenig über Südkorea. Das Land hat es mir angetan, ist ein Geheimtipp“. Fragt man nach, sprudelt es nur so aus ihr raus: Die Menschen, das gute Essen, die Kultur, die Art zu Leben, die Landschaft, „das Gesamtpaket passt. Da will ich unbedingt wieder hin.“

Ins Herz geschlossen hat die Bullenheimerin auch die Menschen in der Gegend von Anglet, Biarritz und Bayonne ganz im Südwesten Frankreichs. „Dort wird gearbeitet, um zu leben, nicht umgekehrt. Man achtet auf gute Kleidung, gute Lebensmittel, ist gesellig. Das Leben spielt sich draußen ab, guter Wein und guter Käse sind immer dabei.“

Sie habe dieses Lebensgefühl förmlich aufgesogen, zum Beispiel war sie fasziniert von gekonnt aufgebrezelten älteren Damen oder von reiferen Herren, die mit feinem Parfum und Schiebermütze den jungen Dingern am Strand nachgeschaut hätten. Die Reise an den Nordatlantischen Ozean hat Kristin so beflügelt, dass sie Französisch lernen will.

So lustig Verständigung mit Händen und Füßen sein mag, zum tieferen Eintauchen gehöre Französisch reden und verstehen einfach dazu. „Ich muss vom Studium her ohnehin noch eine Sprache dazunehmen. Welche, ist jetzt klar, und wohin ich zum Ausprobieren fahre, ebenfalls.“

Ein Augenblick allerdings, der sei durch nichts zu toppen, macht der 23-Jährigen sogar beim Erzählen eine dicke Gänsehaut. „Als ich nach der Wahl am 20. März, nach all dem Trubel in Erlenbach, am Abend in Bullenheim angekommen bin, da hat es mich gerissen: Die Bustür geht auf, ich steige aus, die Musik beginnt zu spielen, ein Feuerwerk wird gezündet, die Leute fallen mir um den Hals, viele weinen vor Glück.“

Küsschen links, Küsschen rechts, zu einer Uhrzeit, wo sonst in dem 320-Seelen-Ort die Gehsteige längst hochgeklappt sind, die Post geht ab. Alle sind, genauer – waren da: die Bullenheimer, Leute aus Nachbarorten, aus dem Weinparadies, aus meinem Wohnort Uffenheim. „Das werde ich im Leben nie vergessen.“

Und dann fällt jener Satz, der schon damals erahnen ließ, dass Kristin Weinkönigin locker drauf hat. Ein Satz, der mehr über sie aussagt als tausend wohlfeile Antworten auf irgendwelche Weinfragen. „Der Tag war lang, ihr habt sicher alle Hunger: Das Buffet ist eröffnet. Reden halten können wir später.“

Wurst, Pralinen, Honig

413 Termine hat die Fränkische Weinkönigin absolviert, ein echter Marathon. Über 32 000 Kilometer ist sie mit dem Auto gefahren, hinzu kommen fünf Auslandsreisen per Flugzeug und 72 Zugfahrten, außerdem 72 Übernachtungen. Neben üblichen Geschenken wie Blumensträuße (105) oder Weinen (140) freute sich Kristin Langmann auch über fünf Gläser Honig, mehrere „Freßkörbe“ mit „Worscht“(Wurst)-Gläsern, Pralinen, ein Holzbrett, sechs Faschingsorden, diverse Öle, Schnäpse, Liköre, etwas Schmuck und sogar über 40 Kästen Mineralwasser.

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