STADTSCHWARZACH

Die dritte Generation an Schutzsuchenden

Zum zweiten Mal organisierten die Brüder der Abtei Münsterschwarzach, die für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig sind, einen Begegnungsnachmittag. 60 Leute kamen.
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Ein fröhliches Fest der Begegnung feierten Mönche der Abtei Münsterschwarzach, die Gruppe der ehrenamtlichen Deutschlehrerinnen und die Schwarzacher Initiative „Eine Stunde Zeit“ zusammen mit den aktuell rund 40 im Kloster untergebrachten Flüchtlinge. Gleichzeitig gab es zwei weitere Gründe für den Festtag: seit 30 Jahren gibt es den Arbeitskreis Asyl bei der Caritas Kitzingen und seit sechs Jahren gibt es die Schwarzacher „Zeitverschenker“. Rund 60 Bürger waren an dem Platz vor der Begegnungsstätte Arche zusammengekommen. Foto: Foto: GEORG RUHSERT

„Der nächste Preis ist ein Regenschirm“, sagte Irene Weidmann und lachte. Sie zieht am Ende des Begegnungsfest mit den in Schwarzach lebenden Flüchtlingen die Preise des Bingos. Gewinner war Ahmad aus dem Iran. Den Schirm kann er diesen Sommer in Deutschland oft brauchen.

Was kann helfen, Ängste und Vorurteile im Umgang miteinander zu verringern? Möglichst viel Kontakt und Begegnung, sind sich die Initiatoren des Festes sicher. Schon zum zweiten Mal organisierten die Brüder der Abtei Münsterschwarzach, die für die Betreuung der dort lebenden rund 40 Flüchtlinge zuständig sind, die Gruppe der Deutschlehrerinnen und die Schwarzacher Initiative „Zeit füreinander“ daher solch einen Begegnungsnachmittag.

Bügermeister ist da

Rund 60 Schwarzacher folgten der Einladung, darunter Bürgermeister Volker Schmitt. Er sei dankbar für das Engagement der Kirchengemeinde, sagte er. So gibt es an mehreren Wochentagen Deutschunterricht und für die jugendlichen Flüchtlinge auch Unterstützung bei den Hausaufgaben.

Diesmal wurden auch ehemalige in Schwarzach untergebrachte Flüchtlinge eingeladen. So gab es zunächst einmal ein großes Wiedersehen mit den früheren Betreuern. Denn viele Flüchtlinge haben mittlerweile eine eigene Wohnung und Arbeit gefunden. Die jetzigen Bewohner stammen aus dem Irak, Iran, Syrien, Eritrea und Afghanistan und sind quasi schon die dritte Generation an Schutzsuchenden, erzählt Bruder Abraham Sauer. Alles in allem fanden bisher rund 80 Asylsuchende in Schwarzach zeitweise eine Heimat.

Sehr große Unterschiede

Schnell wurde den Besuchern auch klar: „die Flüchtlinge“ gibt es nicht. Denn die Asylsuchenden haben auch untereinander nicht einmal eine gemeinsame Sprache, in der sie sich verständigen können. Die Afrikaner sprechen kein Arabisch und so werden Englisch und bald auch Deutsch zur gemeinsamen Brücke. Bei der Begrüßung erhielt daher jeder Gast zunächst einmal ein Namensschild – auf Deutsch, Arabisch und Tigrinya (Eritrea) geschrieben.

Eine Bereicherung

Auch beim Lebensstil und beim Essen werden die Unterschiede zwischen den Nationalitäten sichtbar. Dass letztere eine deutliche Bereicherung sein können, zeigte das große Mitbring-Büffet aus aller Welt: Vom fränkischen Hausgemachten über libanesischen Salat, syrische Fatayer und Hummus bis zu einem riesigen Berg Falafel und vielen Sorten Gebäcks reichte das Angebot, an dem sich die Gäste genüsslich satt aßen.

Beim Bingo kam jeder schnell in Kontakt, galt es doch die gesuchten Felder mit den passenden Namen Anwesender zu füllen. Etwa der Antworten auf die Frage „Wer hat einen Esel zuhause?“ oder „wer kann mehr als drei Sprachen?“.

Gute Laune

Gut gelaunt und in lockerer Stimmung genossen die Beteiligten sichtlich diesen Sommernachmittag der Begegnung. Darüber freuten sich besonders Rosi Moser und Ute Schmitt. Die Volkacherin Schmitt hatte vor 17 Jahren die erste Gruppe „Eine Stunde Zeit“ ins Leben gerufen. Vor sechs Jahren unterstützte sie Rosi Moser bei der Gründung der Schwarzacher Initiative. Seitdem wurden durch diese viele hundert Stunden ehrenamtlichen Engagements geleistet und Menschen in und um Schwarzach geleistet. Seit rund eineinhalb Jahren auch in der Flüchtlingsbetreuung. Begleitet werden die Schwarzacher „Zeitverschenker“ von Katrin Anger vom Caritasverband Kitzingen. Sie leitet seit 30 Jahren den Asyl-AK der Caritas.

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