Kitzingen
Kirchweih

Die alten Zeiten leben wieder auf

Beim Burschenball der Etwashäuser Kirchweih leben Erinnerungen an alte Zeiten wieder auf: Das Tanzbein wird jetzt wieder im gleichen Saal geschwungen wie früher.
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Markus und Anke Volbers treffen die letzten Vorbereitungen für den Burschenball, der wie in längst vergangenen Jahren wieder einmal im Gasthaus Weißes Lamm stattfindet. Fotos:  Uhl (3)
Markus und Anke Volbers treffen die letzten Vorbereitungen für den Burschenball, der wie in längst vergangenen Jahren wieder einmal im Gasthaus Weißes Lamm stattfindet. Fotos: Uhl (3)
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Es ist der Höhepunkt am Ende der Ebshäuser Kirchweih: "Der Burschenball ist eigentlich ein kleines Dankeschön an die schöne Kerm", sagt Ursula Döllinger. Die 62-Jährige erinnert sich noch gut daran, wie sie das erste Mal zum Burschenball ging. "1967 war ich Gärtnerkönigin. Da durfte ich dann das erste Mal zum Ausgraberball", erzählt sie. Damals wurde der "Ball" noch Ausgraberball genannt, auch wenn damals wie heute Ball nicht unbedingt das richtige Wort ist. Denn anders als gedacht, tragen die Ebshäuser keine Ballkleider und Anzüge, sondern traditionelle Tracht und die Burschen ihre Ausgraberkleidung. Doch früher gab es neben dem Burschenball noch einen Gärtnerball. "Das war ein richtig festlicher Ball, an dem wir schöne Abendkleider und Anzüge angezogen haben", erzählt Döllinger.
Die 62-Jährige denkt gerne an die alten Zeiten zurück. "Es war eine schöne Zeit. Ich erinnere mich noch daran, wie mal jemand einen Handstand auf einem der Tische gemacht hat", sagt sie mit einem Lächeln. Anders als heute gab es zu ihrer Zeit im Gasthaus Weißes Lamm immer mehrere Kirchweihveranstaltungen. "Freitag, Samstag, Sonntag, Montag und Dienstag waren wir an der Kerm tanzen, denn jeden Abend war etwas in diesem Saal hier", erzählt sie. Gemeinsam wurden alte Tänze wie der Rheinländer getanzt. Doch das ist nicht alles: Es gab sogar eine Polonaise und eine Beerdigung der Kirchweih. "Wir hatten einen Pfarrer und eine Leiche", sagt Döllinger.
Natürlich war es kein echter Pfarrer und die Leiche war in Wirklichkeit auch noch am Leben. Sie galt als Symbol für die Kirchweih und die Burschen haben sie begraben und um sie getrauert. "Irgendwann hat es die Kirche verboten, deswegen wird das heute nicht mehr gemacht", bedauert die 62-Jährige.

2004 wiederbelebt


Und dann kam es zu einem Bruch. Immer weniger Leute haben an dem Burschenball teilgenommen. "Es gab früher Live-Musik. Irgendwann haben wir Geld drauf gelegt und der Burschenball wurde abgesagt", erzählt Markus Volbers. Der 39-Jährige ist Kirchweihpräsident und hat den Burschenball gemeinsam mit seiner Frau wieder ins Leben gerufen. "Im Jahr 2004 haben wir 100-Jähriges Jubiläum gefeiert, da war eine Live-Band hier. Danach haben wir uns das Geld für die Live-Musik gespart und Musikanlagen aufgebaut", sagt er. Seitdem findet der Burschenball alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Schubkarrenrennen statt.
Besonders stolz ist er, dass der diesjährige Ball im Gasthaus Weißes Lamm stattfinden kann. Ab dem 1.Januar kommt die freie evangelische Gemeinde Bauhaus in den Saal. "Jetzt finden noch Umbauarbeiten statt. Wir sind dankbar, dass es uns erlaubt wurde, hier zu feiern", sagt Markus Volbers.
Ungefähr 100 Leute sind am Samstag gekommen, um bei gutem Essen gemütlich beisammen zu sitzen und zu tanzen. "Heuer sind welche da, die etliche Jahre nicht hier waren und den Saal von früher kennen. Sie sind neugierig, wie es hier heute aussieht", erzählt Anke Volbers, die Schriftführerin der Ebshäuser Kirchweih. Neben der Planung des Burschenballs laufen alle Vorarbeiten wie die Bestellung der Kapellen oder die Organisation der Kirchweihzeitung über sie. Für den Burschenball selbst hat sich Anke Volbers um die Musikanlage, Lichter, Sitzgelegenheiten und das Essen gekümmert. "Die Räumlichkeiten waren gut in Schuss", sagt sie. Denn sonst steht der Saal leer, seit dort keine Taekwondo-Stunden mehr stattfinden.
Und so haben die Ebshäuser nach einer kurzen Begrüßung des Kirchweihpräsidents gemütlich zusammen gegessen und anschließend getanzt und gelacht - ganz wie in den alten Zeiten.
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