Sommerach

Der letzte Schliff

Schon in wenigen Wochen werden Tina Sturm und Anja Gümpelein zu Weinprinzessinnen gekrönt. In der Info-Vinothek in Sommerach lernten sie am Wochenende, dass dazu nicht nur gutes Aussehen gehört.
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Fotos: Alfred Molitor/ Sabine Herteux
Fotos: Alfred Molitor/ Sabine Herteux
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Es ist schon fast wie bei einer Modenschau. Alle haben sie sich in Schale geworfen, haben ihre Lieblingsstücke mitgebracht, ziehen sich an und gleich wieder um. Viele sind im Dirndl, andere legerer in Bluse und Blazer. Doch so unterschiedlich die Outfits der jungen Frauen sind, haben sie doch zumindest eines gemeinsam: Sie alle wollen gekrönt werden, wollen Weinprinzessin werden - oder sind es bereits. Bei dem zweitägigen Workshop für Weinrepräsentantinnen der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau am Wochenende ging es vor allem bunt zu. Von zwanglos bis hochoffiziell - Stil- und Imageberaterin Annett Sax musterte sämtliche Dresscodes der 37 Teilnehmerinnen.

Mittendrin: Tina Sturm (19) aus Nenzenheim und Anja Gümpelein (17) aus Hüttenheim. Für beide beginnt in wenigen Wochen das große Abenteuer als Weinprinzessin. Tina wird am 16. März gekrönt, Anja am 20. April.
Beide haben davon schon als kleines Mädchen geträumt: "Ich freue mich darauf, meine Ortschaft zu repräsentieren. Das ist einfach schön", schwärmt Tina. Und auch Anja kann es kaum noch erwarten: "Man ist überall unterwegs und lernt so viele Leute kennen."

Fettnäpfchen ade!

Beide sind auf einem Winzerhof aufgewachsen, wissen Bescheid über den fränkischen Weinbau, kennen sich aus mit den Abläufen - und dem Wein. Dennoch, dass eine Weinprinzessin heute mehr können muss, als alle Rebsorten aufzählen zu können, ahnen beide. Ihre noch amtierenden Vorgängerinnen haben ihnen deshalb den Workshop empfohlen,wo sie vor allem erfuhren: Wie kleide ich mich richtig? Wie trete ich in kein Fettnäpfchen? Wie vermittle ich als Weinprinzessin nicht nur Kompetenz, sondern auch Genuss und Lebensfreude? Und vor allem: Wie halte ich eine Rede? Genau davor graut es auch den Freundinnen Anja und Tina: "Vor Leuten zu reden, die man gar nicht kennt, davor habe ich schon Angst", sagt Tina.

Antworten gab es vor allem von ihr: Nicole Then, ehemalige fränkische und deutsche Weinkönigin. Sie ließ die jungen Frauen eine kurze Rede halten, eine nach der anderen, bewertete ihre Rhetorik, Körpersprache, Mimik und Gestik. "Wenn ihr aufgeregt seid, sucht euch einen Anker im Publikum. Jemand, der euch mag, der euch zunickt, der euch bestätigt", rät ihnen die 32-Jährige.

Weinprinzessin zu sein ist ihr zufolge heute anders als noch vor ein paar Jahren. "Vor allem wegen der medialen Wahrnehmung. Früher war man nur im direkten Gespräch gefordert, heute sind die Herausforderungen größer", findet Then. Neben den allgemeinen Anforderungen des Amtes sprach sie deshalb auch den richtigen Umgang mit Journalisten an. Dennoch - ob damals oder heute - eine Weinprinzessin sollte ihr zufolge vor allem eins sein: Kommunikativ. "Das ist das A und O! Sie sind Botschafterin und Bindeglied zwischen Weinerzeuger, Gästen und Touristen", sagt Then. Und neben dem Spaß am Umgang mit Menschen ist besonders die Freunde am Wein und an der Region für sie entscheidend: "Sie müssen erkennen, dass das Amt eine Besonderheit und eine Ehre ist."

Mehr als schmückendes Beiwerk

Aber auch harte Arbeit. Denn eine Weinansprache oder eine Weinprobenmoderation muss jede von ihnen drauf haben. Wie der Wein, seine Aromen und Senosrik richtig angesagt werden sollte und mit welchem Vokabular erklärte ihnen deshalb die fränkische Weindozentin Martha Gehring."Die Damen sind heute nicht mehr nur schmückendes Beiwerk, die Zeiten sind vorbei. Sie sind mehr gefordert, müssen viel reden", sagt sie.
Dass das Privatleben zwischen all den Terminen, die das Amt mit sich bringt, manchmal auf der Strecke bleiben muss, ist auch Tina und Anja bewusst. So ganz wollen sie darauf als Weinprinzessin aber auch nicht verzichten: "Das ist alles Organisationssache", schmunzeln die beiden und schmeißen sich in ihr nächstes Outfit.

Rund um den Wein:
Daten Stephan Schmitt vom Fränkischen Weinbauverband erklärte den jungen Frauen die Aufgaben, Ziele und Termine des Verbands, dem 421 Mitglieder und 4543,28 Hektar Fläche angehören. 1250 Hektar davon sind Steillage. "Sie sind prägend für das Landschaftsbild und wichtig für den Weintourismus", so Schmitt. Pro Hektar und Jahr sind teilweise 640 bis 1200 Arbeitsstunden nötig.

Fakten Über die Geschichte des Frankenweins hielt Hermann Kolesch von der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau einen Vortrag




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