SCHWARZENAU

Der Landwirt und das Gülle-Management

Am "Suddefass" hält moderne Technik Einzug - Wie Schweinehalter mit der richtigen Fütterung die Güllequalität beeinflussen
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Landwirt düngt sein Feld
Ein Landwirt bringt per Schleppschlauch Gülle auf einem Feld aus. Er leitet den organischen Dünger direkt in den Boden. Die neue Düngeverordnung sorgt nicht nur dafür, dass auf dem Acker neue Ausbringungstechnik angewandt wird, sondern auch für einen gestiegenen bürokratischen Aufwand, den die Landwirte stemmen müssen. Foto: Foto: PHILIPP SCHULZE, DPA
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Den meisten Menschen stinkt sie einfach nur. Fachleute sind sich jedoch einig: „Gülle ist ein wertvoller Dünger!“ Wenn man richtig damit umgeht. Und wenn der Landwirt seine Tiere vorher optimal gefüttert hat. Denn gerade bei Schweinen gilt: Was man vorne reinsteckt, kommt hinten wieder raus. Um Wege zu einem nachhaltigen Gülle-Management ging es kürzlich in der bayerischen Schweinefachtagung im Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau.

Der in der Gülle enthaltene Stickstoff, der im Boden zu Nitrat wird, kann zum Problem werden, wenn zu viel davon ins Grundwasser gelangt. Deshalb hat die EU ein Gesetz erlassen, wonach nur so viel Stickstoff ausgebracht werden darf, dass im Durchschnitt der landwirtschaftlich genutzten Flächen des Betriebes 170 kg/ha und Jahr aus Wirtschaftsdüngern nicht überschritten werden. Für die Bauern bedeutet die neue Düngeverordnung viel Rechen- und Dokumentationsaufwand. Das Ziel allerdings ist sinnvoll: bedarfsorientiertes Düngen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Nitrat ausgewaschen wird und ins Grundwasser gelangt und dass Bodenlebewesen sterben.

„Unsere Gegend, das unterfränkische Trockengebiet, ist zum Großteil ein Gebiet mit hoher Nitratbelastung des Grundwassers, ein so genanntes 'rotes Gebiet'“, erklärt Dr. Peter Lindner, Leiter des Lehr-, Versuchs- und Fachzentrums Schwarzenau. „Da ist es unter anderem notwendig, die Gülle untersuchen zu lassen und danach zielgenau auszubringen.“ Stickstoff ist ein Bestandteil pflanzlichen und tierischen Eiweißes und als solcher ein wesentliches Element organischen Lebens. Jede Pflanze nimmt durch Salze, vor allem durch Nitrate und Ammoniak, Stickstoff aus dem Boden auf und verwertet ihn, um Eiweiß aufzubauen. Stickstoff ist in der Gülle teilweise an Ammoniak gebunden. Dieses farblose, stechend riechende Gas gelangt beim Düngen der Felder zum Teil in die Atmosphäre. Wenn das passiert, stinkt es allen Menschen im Umkreis gewaltig.

Die neue Düngeverordnung verengt das Zeitfenster für die Gülle-Ausbringung. Letztere ist nur noch in der Zeit erlaubt, in der die Pflanzen die Nährstoffe auch verwerten können. Vor allem im Herbst wird das Düngen dadurch enorm eingeschränkt.

„Landwirte brauchen also einen Riesenbehälter, in dem sie die Gülle monatelang lagern können“, sagt Stefan Berenz, Leiter des Fachzentrums Schweinezucht und -haltung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Würzburg. „Außerdem muss die Gülle in Zukunft direkt auf – oder noch besser in – den Boden gebracht werden. Die Zeiten der spritzenden Prallteller hinterm Jauchefass sind also vorbei.“ All diese Vorgaben erfordern den Einsatz moderner Ausbringtechnik, die die Gülle direkt in die Erde fließen lässt. „Die Technik ist super, aber halt auch teuer.“

Am besten wäre, die Tiere produzieren nicht mehr Stickstoff als die Landwirtschaft braucht. „Tatsächlich kann man durch die exakte Fütterung den Stickstoffanteil in der Gülle um 20 Prozent reduzieren“, stellt Peter Lindner fest. Wenn man den Schweinen weniger Sojaschrot und andere Eiweißfuttermittel gibt, sinkt der Stickstoffgehalt im organischen Dünger. Allerdings sei die Ernährung von Schweinen diffiziler als die menschliche Ernährung und fordere ein enormes Fachwissen, sagt Lindner. „Wir propagieren seit Jahren eine individuell berechnete Fütterung. Jetzt kommt über die Düngeverordnung der nötige Druck.“

Und noch eine Technisierung steht bevor. Da die chemische Zusammensetzung von Gülle Schwankungen unterliegt, wäre es sinnvoll, die Inhaltsstoffe direkt am Ausbringer, also beim Düngen auf dem Feld, zu messen. Tatsächlich gibt es bereits entsprechende Analyse-Geräte. „Gülle-Management“ mag vielleicht hochtrabend klingen, aber in Zukunft wird kein Landwirt mehr daran vorbeikommen.

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