SEINSHEIM

Der Klang der Alpen im Seinsheimer Weinberg

Vier Männer aus dem Landkreis teilen die Leidenschaft für ein in Franken eher ungewöhnliches Instrument. Das Quartett entstand aus Jux - und braucht zum Üben viel Platz.
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Der Becher ist folkloristisch bemalt. Foto: Gerhard Krämer
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Posaunenklänge sind es nicht, nach Klarinette, Oboe oder Fagott hört es sich auch nicht an. Weit tragen die Töne, die ihren Ursprung irgendwo in den Weinbergen hoch über Seinsheim haben, hinunter. Es klingt nach Bergen, nach Urlaub. Hat jemand sein Autoradio an? Des Rätsels Lösung ist einfach, aber ungewöhnlich für unsere Gefilde: Es sind Alphornbläser. Der Kfz-Meister Wolfgang Körner (49), der Betriebswirt Johannes Scheckenbach (55), der Klavierbauer Clemens Stütz (58) und der Immobiliengutachter Siegfried Sußner (55) pflegen dieses musikalische Hobby und nennen sich der Lage entsprechend „Hohenbühler Alphornbläser“.

Gruppe entstand aus einer Laune heraus

Es war Johannes Scheckenbach, der als erster ein Alphorn hatte. „Aus Jux und Tollerei“, erzählt er und lacht. Es war vor vielen Jahren nach der Probe bei der Winzerkapelle Iphofen beim gemütlichen Schoppen, als der Dirigent Heinrich Fischer in einer Zeitschrift die Annonce entdeckte, dass drei Alphörner zu verkaufen waren. Er überzeugte Rudi Guckenberger und Johannes Scheckenbach, ließ sie ihre Bereitschafterklärung zum Kauf sogleich auf einen Bierdeckel unterschreiben und rief noch in der Nacht im Allgäu an.

Wenige Tage später hatte Fischer die Instrumente abgeholt. Diese Gruppe existiert mittlerweile nicht mehr. Scheckenbachs Alphorn ruhte lange im Keller.

Ein Geschenk zum Geburtstag

Clemens Stütz bekam sein Instrument von seiner Frau zu seinem 50. Geburtstag geschenkt. 2014 kauften sich dann Siegfried Sußner und Wolfgang Körner ihre Alphörner, nachdem sie 2012 alle gemeinsam auf einem Alphorn-Workshop bei Berthold Schick waren, einem bekannten Dozenten für Blechbläserkurse. Ja, Blechbläser. Denn das Alphorn gehört zu den Blechblasinstrumenten, obwohl es traditionell überwiegend aus Holz gefertigt ist. Alle vier Männer sind nämlich auch Blechbläser und haben bei der Winzerkapelle Iphofen oder bei den Seinsheimer Musikanten gespielt.

Nachdem nun alle ihre Liebe zum Alphorn, einem der Schweizer Nationalsymbole, entdeckt hatten, folgte der erste öffentliche Auftritt beim Iphöfer Weihnachtsmarkt im Jahr 2015 und anschließend beim Seinsheimer Adventskonzert. Ja, sie haben auch schon einmal zu Hause im Wohnzimmer geprobt. Doch da die Alphörner zwischen drei und vier Meter lang sind, benötigen die vier Musiker viel Platz. Den finden sie entweder in der Seinsheimer Dreschhalle, im Iphöfer Feuerwehrhaus oder in der Werkstatt von Wolfgang Körner in Seinsheim – oder, im Sommer, am Galgenbrünnlein unterhalb der Weinberge bei Seinsheim.

Schweres Hobby: Bis zu sechs Kilo wiegt ein Instrument

Die fünf bis sechs Kilogramm schweren Instrumente sind natürlich nicht aus einem Stück gefertigt, sondern bestehen aus drei Teilen, die zusammengeschraubt werden, und einem Mundstück. Instrumentenbauer nehmen für die Fertigung der Alphörner Bergfichtenholz. Früher hatte man für die Biegung am unteren Ende krumm gewachsene Fichten verwendet. Der Stamm wird geschält, halbiert und ausgehöhlt. Anschließend folgt eine Umwicklung mit Peddigrohr.

 

Alphörner haben ihren ganz ureigenen Klang, sind sie doch an die Naturtonreihe gebunden. Und wenn die Männer am Galgenbrünnlein proben, erregen sie große Aufmerksamkeit. Denn zu der Zeit sind auch noch viele Einheimische, Radfahrer oder Touristen auf dem Weg zur Weinparadiesscheune. So haben die vier Alphornbläser immer staunende Zuhörer. „Wir sind noch nie davongejagt worden“, sagt Stütz und lacht.

Ihr Repertoire ist aber auch hörenswert. Überwiegend sind es Stücke von Berthold Schick, die die Hohenbühler Alphornbläser spielen. Walzer, Polka oder Hirtenruf gehören ebenso dazu wie „Amazing Grace“. Bedeutende Komponisten haben das Alphorn übrigens auch entdeckt. Leopold Mozart zum Beispiel hat die „Sinfonia pastorella“ für Alphorn und Streicher komponiert, in der das Instrument einen Tonumfang von nur vier Tönen hat.

Viele Konzerte

Neben Adventskonzerten – ab September werden wieder weihnachtliche Weisen geprobt – spielen die Hohenbühler Alphornbläser auch Geburtstagsständchen oder treten auch einmal ganz überraschend auf, wie zum Beispiel beim Kirschenmarkt in Markt Einersheim.

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