MARKTBREIT

Der Kindergarten auf dem Bauernhof

Kinder in roten, blauen und grünen Latzhosen wuseln über den Hof der Familie Wallochny in Marktbreit. Der Kindergarten St. Elisabeth ist zu Gast – eine Woche lang.
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Sandra Wallochny hat aufmerksame junge Zuschauer, wenn sie auf dem Bauernhof in Marktbreit die Knetmaschine für den Teig bedient. Foto: Foto: Robert Haass

Kinder in roten, blauen und grünen Latzhosen wuseln über den Hof der Familie Wallochny in Marktbreit. Der Kindergarten St. Elisabeth ist zu Gast – und das eine ganze Woche lang. Jeden Früh marschieren die Knirpse die knapp zwei Kilometer aus der Stadtmitte hinauf auf den Ohrenberg, um am Vormittag die Welt der Landwirtschaft zu erkunden. Erlebnisbauernhof ist das Stichwort.

Die Geschichte der Wallochnys und ihrer Landwirtschaft könnte als Beispiel für viele stehen: 1952 kam Felix Wallochny nach dem Krieg als Vertriebener nach Marktbreit. Dort lernte er Maria Eckhart kennen und lieben, heiratete sie und damit in eine kleine Landwirtschaft ein. 1967 siedelten die beiden auf den Fuchsberg in Marktbreit aus. Nach und nach wuchs die Landwirtschaft und als Sohn Manfred 1983 den Hof übernahm, gab es immer die Überlegung: Wie geht es weiter mit dem Betrieb. Die 30 Milchkühe und die Erweiterung der Ackerflächen von 30 auf 80 Hektar reichten eigentlich nie zum Leben aus. Ehefrau Claudia ging „auf Arbeit“ und auch Manfred verdiente dazu.

Als Sohn Florian ebenfalls Landwirtschaft studierte und damit die dritte Generation irgendwann den Hof weiter führen wird, mussten die Überlegungen sehr konkret werden: Ein großer Milchviehstall war geplant. Doch das Projekt scheiterte – unter anderem auch am Verfall des Milchpreises. 2010 gaben die Wallochnys die Milchwirtschaft auf.

Die Männer sind neben der Landwirtschaft im Lohnunternehmen im Bereich Transport unterwegs. Doch was machen die Bäuerinnen? Schon seit fünf Jahren bietet Sandra Wallochny einen eigenen Weihnachtsmarkt mit regionalen Angeboten und einem Kinderprogramm. Seit zwei Jahren kommt der Kindergarten St. Elisabeth regelmäßig zu Besuch. Im Frühjahr werden Kartoffeln gelegt und im Herbst geerntet. Das kommt gut an, macht viel Spaß und ist lehrreich. Denn für viele Kinder ist das der erste richtige Kontakt zur Landwirtschaft. Und dass Pommes nicht auf Bäumen wachsen, sondern als Knolle in der Erde, und dass man mit der Kartoffel noch viel mehr machen kann, das ist ein wichtiger Aspekt des Besuchs auf dem Hof.

Jetzt gehen Wallochnys und der Kindergarten einen Schritt weiter und veranstalten eine ganze Lernwoche auf dem Hof. Natürlich die Kartoffel, aber auch Backen, Bulldog fahren, Hasen streicheln und noch ganz viel mehr kann in der Woche erfahren werden. Wenn?s mal regnet gehts in die Backstube, wird Mehl, Schmalz und Wasser zu einem Teig geknetet – das Ergebnis aus dem Backofen ist ein prima Mittagessen.

Für den Kindergarten und vor allem die Kinder ist das eine tolle Abwechslung, sagt Leiterin Melanie Reuther. St. Elisabeth will das auf jeden Fall in sein Jahresprogramm aufnehmen. Und für Sandra Wallochny ist das eine gute Erweiterung ihres Angebots. Sie hofft natürlich auf weitere Kindergärten, die sich für das Angebot „Erlebnis Bauernhof“ interessieren. Zusätzlich wird sie eine Ferienbetreuung für Kinder anbieten, die ersten sind schon während der Pfingstferien da gewesen.

Die Arbeit von Sandra Wallochny ist die konsequente Weiterentwicklung des seit Jahren bewährten Programms der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Eine ganze Reihe an Bauernhöfen beteiligen sich auch im Landkreis Kitzingen daran, 3. und 4. Schulklassen ein gefördertes Lernprogramm anzubieten. Einen ganzen Tag lang wird dabei versucht, mit unterschiedlichen Schwerpunkten der einzelnen Höfe den Kindern landwirtschaftliches Handeln näher zu bringen. Die Themenpalette reicht dabei von der Nutztierhaltung, etwa der Kälberaufzucht, über die Milchviehhaltung bis zum Ackerbau.

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