SCHWARZACH/ASTHEIM

Der Jäger des Glockenklangs

Der dröhnende Klang von Kirchenglocken ist sein Hobby. Ben Schröder (12) aus Schwarzach ist Kurzzeit-Gast in vielen alten Kirchtürmen. Mit Videokamera und Mikrofon.
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Keine einfache Aufgabe: Wenn der zwölfjährige Glockenfreund Ben Schröder in Kirchtürmen Videos und Tonaufnahmen der Glocken machen will, wie hier in der Astheimer St. Johannes Evangelist-Kirche, muss er recht gelenkig sein. In vielen Glockenstuben geht's nämlich eng zu. Foto: Foto: Harald Meyer
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Das Dröhnen ist heftig. Trotz Hörschutz. Drei schwere Glocken – eine gerade mal einen Meter entfernt – im Turm der Astheimer St. Johannis Evangelista-Kirche sind ein Klangerlebnis der gewaltigen Art. Hinter dem ist Ben Schröder her. Der Schüler aus Schwarzach, der in der engen und staubigen Glockenstube „rumturnt“, ist gerade mal zwölf Jahre alt und seit zwei Jahren Kurzzeit-Gast in vielen alten Kirchtürmen. Mit Videokamera und Mikrofon.

3000 Glocken für You Tube

Ben ist Glockenfreund. Einer von bis zu 40 „Hochwertigen“ in Deutschland, wie er selbstbewusst sagt. Und in Unterfranken? „Eigentlich nur ich“. Der Jäger des Glockenklangs hat sich viel vorgenommen. Als Nahziel alle Glocken im Landkreis Kitzingen, in fernerer Zukunft sollen alle 3000 Glocken im Bistum Würzburg in seiner Sammlung – im Internet-Videokanal Youtube – vereinigt erklingen können.

Foto, Video und Ton ab

Kein einfacher Job. Ben ist schließlich akribisch. Wie in Astheim: Fotos drinnen und draußen. Im Turm: Der Schüler prüft die Lichtverhältnisse, positioniert das Mikro, sucht den besten Punkt für die Videokamera. Den Beobachter von der Zeitung schickt er zum Schaltschrank: „Glocken drei, zwei, eins im Abstand von zehn Sekunden anmachen, fünf Minuten warten und dann drei, zwei, eins in zehn Sekunden Abstand ausmachen.“ Wird erledigt. Die Glocken dröhnen, Ben nimmt auf.

Kein Job für Warmduscher

Der „Job“ des Glockenfreunds ist nichts für Warmduscher. Zu den Glockenstuben führen wie in Astheim meist enge und sehr steile Treppen, häufig auch wacklige Leitern. Die Türme sind häufig sehr hoch, der Aufstieg kräftezehrend. Und wenn das Geläut einmal erreicht ist, wird's staubig und eng. Wer da gute Bilder machen will, muss gelenkig sein. Dreck auf der Kleidung gehört zur Glockenjagd wie das durchdringende Dröhnen.

Auf der wackligen Holzleiter

Ben hat schon rund 50 Kirchtürme hinter sich, vom hohen Würzburger Dom bis zur Kapelle in Düllstadt mit ihrer „wackligen Holzleiter“. Letztere hat er besonders im Gedächtnis wegen des „schreienden“ Klangs vom Turm. Der Zwölfjährige dreht schließlich nicht nur ein Video der Glocken, sondern notiert jede Besonderheit akribisch: die Beschriftung, die Jahreszahl und den Hauptton auf den sie gestimmt ist.

Läuten im Handbetrieb

Apropos Ton. In Astheim spielen Ben und sein Assistent von der Zeitung den Zwölf-Uhr-Schlag fürs spätere Video durch. Per Hand. Vier Mal klopft der Redakteur mit dem normalerweise per E-Motor betätigten Schlaghammer auf die eine Glocke, zwölf Mal – plus eins als Zugabe – pocht Ben auf die andere.

17 Minuten Astheimer Glocken

Der Schüler hat jetzt alles im Kasten. Runter über die schmale Stiege und raus. Zuhause beginnt die Arbeit fürs Video. Ben schneidet den Film, integriert die Fotos und legt Musik drunter. Auch eigene Kompositionen, die der musikalisch begabte Schüler auf der Schwarzacher Kirchenorgel einspielt. Dann geht das Produkt raus. In den Videokanal Youtube. 17 Minuten Astheimer Glocken sind dort zu sehen und zu hören (youtube.com/glockenzeit).

Glockenspiel im Eigenbau

Übrigens: Glockenfreund Ben will sein Hobby später mal zum Beruf machen – als Glockensachverständiger. Weil er da als Berater tätig wäre, hat er sich schon mal mit der Praxis vertraut gemacht. Der Zwölfjährige hat ein eigenes, kleines Glockenspiel. Das besitzt fünf Glocken, ist ein Eigenbau, bei dem sein Vater mitgewirkt hat.

Das Glockenspiel funktioniert so, wie es früher in den Kirchen der Normalfall war: per Hand. Ein Ausbau ist geplant – mit weiteren Glocken und natürlich einem Elektroantrieb. Und vermutlich gibt's dann ein weiteres Youtube-Video: Die Glocken von Ben Schröder aus Schwarzach.

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