Dettelbach
Kino

Der Hobbit in doppelt so vielen Bildern

Bei dem Fantasy-Epos "Der Hobbit" wird eine neue Technik verwendet. Kinobetreiber Lothar Michel erklärt, warum der Film noch schärfer als nur gestochen scharf ist.
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Lotahr Michel  Fotos: Borst
Lotahr Michel Fotos: Borst
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In Mittelerde wird wieder gekämpft. Gandalf, der Zauberer, der Hobbit Bilbo Beutlin und 13 Zwerge wetzen ihre Äxte und Schwerter und gürten ihre Rüstungen, um gegen hungrige Trolle, blutrünstige Orks und den durchtriebenen Gollum zu bestehen.

Hinter den Kulissen geht es ruhiger zu. Im Projektorraum ist nur der Lüfter des Beamers zu hören, der seine Bilder auf die Leinwand des Kinosaals wirft. In der herrschenden Dunkelheit schaut Betreiber Lothar Michel dem gelb, rot und blau blinkenden High-Tech-Gerät beim Arbeiten zu. Den Film, der vorne im Saal gezeigt wird, hat der Chef des Cineworld gleich in der ersten Vorführung angeschaut. Das habe er sich nicht nehmen lassen. "Was Peter Jackson optisch bietet, ist wirklich beeindruckend", sagt er.


Kontrastreicher und schärfer

Michel hatte guten Grund, der Premiere entgegenzufiebern, denn Peter Jacksons Film kommt mit einer neuen Technik daher, die noch kontrastreichere und schärfere Bilder verspricht. Zwei Kinosäle wurden extra dafür umgerüstet. "Ein IT-Spezialist war einen Tag damit beschäftigt, für uns den Server und den Beamer neu zu konfigurieren", berichtet er.

Seit etwa einem Jahr flimmern in dem Kinocenter alle Streifen digital über den Schirm. "Der gute alte 35-Millimeter-Film hat sich verabschiedet", sagt er. Ein wenig Nostalgie schwingt dabei in seiner Stimme mit. 24 Bilder wurden in der Sekunde vom Projektor auf die Leinwand geworfen. Zum Vergleich: Bei alten Stummfilmen mit Charlie Chaplin waren es nur 16 Bilder pro Sekunde. "Dadurch hat der Film beim Abspielen geruckelt", sagt er. Im Prinzip sei das wie bei einem Daumenkino.

Das Auge wird überlistet

Die höhere Bildrate hat sich nach seinen Worten bewährt und wird auch weiterhin Bestand haben. "Im digitalen Bereich gibt es aber einen gewissen Nachteil", erläutert der Kinobetreiber. Bei extrem schnellen und actionreichen Szenen gebe es einen leichten Wischeffekt. Lothar Michel nimmt zur Verdeutlichung ein brennendes Teelicht in die Hand. "Stellen Sie sich vor, Sie nehmen eine Kerze und ziehen sie ganz schnell vor Ihren Augen hin und her. Dann zieht die Flamme auch einen Schweif hinter sich her", erläutert er. Das menschliche Auge wird durch die schnelle Bewegung überlistet.

Und jetzt kommt der Trick: Der Film "Der Hobbit" verdoppelt die Bildrate und spielt 48 Bilder in einer Sekunde ab. "Das menschliche Auge wird wieder überlistet und der Wischeffekt vermieden", zeigt Michel sich begeistert. Das Prinzip ist ähnlich wie bei einer Aufnahme in Zeitlupe. Dort schießt die Kamera ebenfalls sehr schnell sehr viele Einzelfotos. Beim Abspielen werden die Bilder beispielsweise nicht in einer, sondern in zwei Sekunden wiedergegeben. Dadurch läuft der Film verlangsamt ab.

Dreierlei Filmvorführung

Michel schätzt, dass die neuen superscharfen Aufnahmen bei manchen Kinobesuchern als unangenehm empfunden werden, besonders weil "Der Hobbit" auch in 3D vorgeführt wird. Um allen Sehgewohnheiten seiner Kunden Rechnung zu tragen, führt er das Fantasy-Spektakel in drei Versionen vor: Einmal hochauflösend in 3D. Die Fassungen mit 24 Bildern pro Sekunde werden dreidimensional und ganz althergebracht in 2D gezeigt. Michel persönlich ist vollauf von der neuen Technik fasziniert. "Die Wirklichkeit ist nun einmal scharf und da kann man sie auch scharf ablichten", meint er und scherzt: "Außerdem bekommst du die doppelte Bildanzahl fürs Geld".
Trotz aller Technikbegeisterung, die bei Lothar Michel zu spüren ist, sieht er dennoch manche Entwicklung in seiner Branche skeptisch. "Die Industrie diktiert uns zu einem gewissen Maß, was wir wann zu kaufen haben", sagt er. Hier werde entschieden, wann Technik veraltet ist, wann ein neuer Beamer gekauft und wann die Server, auf denen die Filme gespeichert sind, ausgetauscht werden. "Wir werden permanent nachrüsten müssen, um das Niveau zu halten", schätzt er.

Vom Home-Entertainment abgrenzen

Lothar Michel hält das aber für eine Notwendigkeit, schließlich muss ein Kino den Leuten etwas bieten, das sie zuhause nicht haben. "Wir müssen uns von Home-Entertainment abgrenzen. Sonst würde sich niemand mehr ins Auto setzen, um ins Kino zu fahren", meint er. Ein Mittel sind gestochen scharfe 3 D-Aufnahmen, die Zauberer, Hobbits und Zwerge vor der landschaftlichen Kulisse Neuseelands zum Leben erwecken

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