LANDKREIS KITZINGEN

Der Geist aus der neuen Flasche

Der neue Bocksbeutel PS steht im Mittelpunkt der Gebietsversammlungen, zu denen die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) und der Fränkische Weinbauverband die Winzer einladen.
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Sieht so die Zukunft des Frankenweins aus? Der neue „Bocksbeutel PS“ mit seinem Schöpfer bei der Vorstellung vor wenigen Wochen an der Landesanstalt in Veitshöchheim. Foto: Foto: Thomas Obermeier

Der neue „Bocksbeutel PS“ steht im Mittelpunkt der Gebietsversammlungen, zu denen die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) und der Fränkische Weinbauverband die Winzer der Region einladen.

Bis vor wenigen Wochen war der neue Bocksbeutel das wohl bestgehütete Geheimnis Frankens, meint Hermann Kolesch. Der LWG-Präsident gilt einer der geistigen Väter der neuen Flaschenform. 2011 fand das erste Treffen mit dem Hamburger Stardesigner Peter Schmidt statt. Der gebürtige Franke bot sich an, dem verstaubten Bocksbeutel-Design neuen Glanz zu verleihen.

In den vier Jahren, die seitdem vergangen sind, haben Kolesch und der Geschäftsführer der Gebietsweinwerbung, Hermann Schmitt, den Bocksbeutel PS – „PS“ steht für die Initialen seines Schöpfers – eingehend auf seine Praxistauglichkeit untersucht. Besonders Verbraucher außerhalb Frankens hätten den alten Bocksbeutel überwiegend als verstaubt und antiquiert beurteilt, sagt der LWG-Präsident. „Passt eher zu älteren Menschen“ sei ein wiederholt getroffenes Urteil gewesen.

Das haben inzwischen auch viele Winzer bemerkt und greifen für die Abfüllung ihrer besten Erzeugnisse lieber zu Burgunder- oder Bordeauxflaschen. Eines der stärksten Markenzeichen Frankens, für dessen Schutz der Weinbauverband sogar lange vor der EU gestritten hat, droht so verdrängt zu werden, fürchtet Kolesch.

Die neue Form hingegen werde als chic und modern empfunden. Dabei sind die Veränderungen, die Designer Peter Schmidt an der traditionellen Form vorgenommen hat, gar nicht so groß. Im Profil unterscheidet sich der Bocksbeutel PS kaum von seinem Vorbild. Lediglich kantiger ist er geworden.

Einer der unschätzbaren Vorteile des neuen Designs ist der Gebrauchsmusterschutz. Alleine der fränkische Weinbauverband hat es in der Hand, wem er die Nutzung gestattet – und das sind gewiss nicht die portugiesischen Winzer, die ebenfalls Bocksbeutel verwenden dürfen. Und selbst den Winzern im badischen Beckstein will Hermann Schmitt den Zugang verwehren.

Die weiteren Schritte bis zur Markteinführung hat Kolesch bereits minutiös geplant. Im März soll der Bocksbeutel PS auf der Prowein in Düsseldorf erstmals dem internationalen Fachpublikum präsentiert werden. Ab Mai können Winzer die neue Flasche bestellen. Offizielle Markteinführung soll im Juli sein.

Bleibt die Frage, wie der Bocksbeutel bei den Winzern ankommt. Das Echo auf das neue Design ist dort vorwiegend positiv. Was weniger gefällt ist der Preis. Um die Kosten für die Entwicklung und das Marketing zu kompensieren, will der Weinbauverband eine Lizenzgebühr erheben. Hinzu kommen die höheren Herstellkosten. Unterm Strich – so die ersten Schätzungen – soll der Bocksbeutel PS zwischen 20 und 30 Cent mehr kosten als sein Vorgänger. Eine Aussicht, die vor allem Großerzeuger wie der Winzergemeinschaft Franken (GWF) schlucken lässt. Zwischen fünf und sechs Millionen Bocksbeutel werden dort pro Jahr gefüllt. Macht Mehrkosten von mindestens einer Million Euro.

Hermann Kolesch können solche Vorbehalte nicht schrecken. Er gibt sich überzeugt, dass der neue Bocksbeutel seinen Siegeszug antritt. Wie schnell er sich durchsetzen wird und wie lange es die alte und die neue Bocksbeutelform parallel zu kaufen gibt, werde der Markt entscheiden.

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