KITZINGEN

Der Boden ist bereitet

Mit dem Projekt "Kreisacker" auf dem ehemaligen Gartenschaugelände in Kitzingen-Etwashausen will das Landratsamt unter anderem Erwachsenenbildung betreiben.
Artikel drucken Artikel einbetten
Haben sich mit ihren Kollegen Mechthild Engert und Verena Volkamer reingekniet, damit der „Kreisacker“ fristgerecht und mit vielen Attraktionen eröffnet werden kann: Markus Schmitt und Maja Schmidt. Foto: Foto: Ralf Dieter
+1 Bild

Kitzingen An diesem Sonntag ist es so weit. Der „Kreisacker“ auf dem ehemaligen Gartenschaugelände in Etwashausen wird seiner Bestimmung übergeben. Die Organisatoren hoffen auf viele Besucher. Auf Menschen, die sich auf die Themen Nachhaltigkeit und regionale Vielfalt einlassen.

Wozu braucht es in einer landwirtschaftlich geprägten Region wie dem Landkreis Kitzingen einen „Kreisacker“?

Maja Schmidt: Wir wollen in der Bevölkerung eine Sensibilität wecken für die enorme Vielfalt an Produkten, die es hier in der Region gibt. Außerdem ist das ein erstes Projekt auf dem Weg zur Umweltstation, über deren Standort kommende Woche im Kreistag entschieden wird.

Alles, was im Landkreis Kitzingen wächst, wird auch auf dem „Kreisacker“ angebaut?

Markus Schmitt: So gut wie alles. Dauergrünland haben wir nicht berücksichtigt und die echten Dimensionen haben wir ein wenig verschoben. Fast die Hälfte der ackerbaulich genutzten Fläche im Landkreis wird für Getreideanbau genutzt. Auf dem Kreisacker steht Winterweizen auf rund 350 Quadratmetern.

Wie groß ist der „Kreisacker“?

Markus Schmitt: Rund 1000 Quadratmeter.

Was finden die Besucher dort noch?

Markus Schmitt: Mais, Zuckerrüben, Sonnenblumen und als großen Anteil den Gartenbau.

Was wird dort gepflanzt?

Mechthild Engert: Alle möglichen Kräuter, Salat, Zwiebeln, Tomaten, Stangenbohnen, Paprika, Lauch, Kohlrüben und vieles mehr. Alles, was das Land hergibt.

Wer soll von dem „Kreisacker“ profitieren? Ist er als Anschauungsmaterial für Schulklassen gedacht?

Mechthild Engert: Schulklassen sind natürlich willkommen. Kinder und Jugendliche hatten wir auch über die Obst- und Gartenbauvereine eingebunden, die Pflanzen vorgezogen haben und bei einem gemeinsamen Pflanztag am 25. Mai auf den Kreisacker bringen werden. Uns aber geht es vor allem um die Erwachsenenbildung.

Markus Schmitt: Die Erwachsenen sind es schließlich, die die meisten Entscheidungen treffen.

Und da sehen Sie ein Defizit?

Mechthild Engert: Auf jeden Fall. Wir wollen den Menschen Entscheidungshilfen an die Hand geben. Als Verbraucher und als Konsumenten.

Maja Schmidt: Unser Konzept beruht auf drei Schwerpunkten: Da ist zum Einem die Frage, was jeder ganz konkret gegen den Klimawandel tun kann.

Markus Schmitt: Zum Beispiel keine Erdbeeren an Weihnachten kaufen.

Verena Volkamer: Man kann auch fränkisches Obst kaufen, einmachen und dann im Winter essen. Dieses Wissen ist aber bei Vielen verloren gegangen, deshalb bieten wir zum Beispiel im Herbst einen Workshop „Einmachen“ an, nachdem die zwei Kurse im letzten Winter sofort ausgebucht waren. Mit solchen einfachen Angeboten wollen wir Anstöße zum Nachdenken und Nachmachen geben.

Der zweite Schwerpunkt?

Maja Schmidt: Wir wollen zeigen, wie nachhaltige Landwirtschaft funktionieren kann, arbeiten deshalb auf der einen Seite zum Beispiel mit Erich Gahr und den Menschen von der Solidarischen Landwirtschaft in Kitzingen zusammen, auf der anderen Seite aber auch mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und dem Bauernverband.

Wie viele Menschen sind an Ihrem Konzept beteiligt gewesen?

Markus Schmitt: 50 bis 60 bestimmt. Wenn man die Vertreter der einzelnen Verbände mitrechnet.

Mechthild Engert: Der „Kreisacker“ ist auch eine große Vernetzungsarbeit. Es gibt hier schon jede Menge Menschen und Institutionen, die die Themen Regionalität und Nachhaltigkeit bespielen. Wir wollen diese Partner in ihrer Arbeit bestärken.

Der dritte Schwerpunkt?

Maja Schmidt: Bildung für nachhaltige Entwicklung und Persönlichkeitsentwicklung. Das geistliche Zentrum am Schwanberg ist da ein Partner, ebenso wie die Vhs.

Verena Volkamer: Am 27. Juli sind wir beim Nachhaltigkeitsfestival „We-for-future“ in Marktbreit dabei, das viele interessante Vorträge und Aktionen rund um das Thema Nachhaltigkeit bietet. Wir steuern neben Infos zum Projekt Kreisacker und zur geplanten Umweltstation beispielsweise den Vortrag von Nadine Schubert „Plastikfrei leben“ bei.

Jetzt steht aber erst einmal die Eröffnung am Sonntag an. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Mechthild Engert: Dass das Gartenschaugelände eine weitere sinnvolle Nutzung erfährt. Wir eröffnen dort so etwas wie einen neuen Gesprächsraum. Für mich ist der Kreisacker vor allem ein Angebot zum Austausch von Informationen und ein Ort zur Wissensvermehrung.

Zu den Personen: Maja Schmidt ist Regionalmanagerin, Markus Schmitt Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes, Mechthild Engert ist Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege und Verena Volkamer Mitarbeiterin in der Koordinierungsstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung im Landkreis Kitzingen.

Kreisacker-Eröffnung

Termin: Eröffnung Kreisacker am Sonntag, 19. Mai, von 14 bis 17 Uhr.

Programm: „Ackergespräche – Infos zum Projekt“; Wildkräutertouren entlang des Mains; Vorstellung der heimischen Getreidesorten; Gitarrenmusik; Probierrunde mit Ölen aus der Heimat (BBV); Solidarische Landwirtschaft Kitzingen stellt sich vor; Erdbeerverkostung und gesundes Gemüse aus der Region soowie der „Pfannkuchenweg“ (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten); Ein Blick über den Tellerrand – Vorstellung fair gehandelter Produkte (Eine-Welt-Laden-Kitzingen).

Kitzinger Picknickkörbe: Der Stadtmarketingverein hat zusammen mit Kitzinger Gastronomen Picknickkörbe gepackt. Preis: 20 Euro für zwei Personen. Vorbestellung unter Tel. 09321/208888 oder tourismus@stadt-kitzingen.de

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren