Kitzingen

Der angekündigte Anschlag

Weil er einen Anschlag in Kitzingen ankündigte und sechs Polizisten mit dem Tod bedrohte, stand ein 26-Jähriger vor dem Kitzinger Strafrichter.
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Ende Juli 2016 steht nicht nur Franken unter Schock. Die Terroranschläge in einer Regionalbahn in Würzburg und in der Ansbacher Altstadt sind wenige Tage alt. In Kitzingen kommt es in der Kanzler-Stürtzel-Straße zu Aufregung. Ein 26-Jähriger wurde vom Rad gestoßen, zwei unbeteiligte Passaten informieren unabhängig den Notdienst.

Keine Hilfe aber einen Fahrdienst

Der Krankenwagen ist auch umgehend vor Ort. Hilfe lehnt der 26-Jährige ab, dafür will er aber kostenlos nach Hause gefahren werden. Als das die Sanitäter ablehnen, beginnt der Stress: Die Helfer müssen sich erst Beleidigungen anhören. Die Stimmung wird immer aggressiver. Dann eine Drohung: Dass es „heute noch einen Anschlag in Kitzingen“ geben werde. Und dass es für ihn kein Problem sei, an Waffen zu kommen.

Die inzwischen verständigte Polizei ist ebenfalls schnell vor Ort, die Lage eskaliert jetzt völlig. Der 26-Jährige stößt Todesdrohungen gegen die Polizisten aus. Es fallen Begriffe wie „auslöschen“. Und: Die Anschlagsdrohung wurde auch gegenüber den Polizisten wiederholt.

Gleich mehrere Polizeistreifen gerufen

Die kennen den Mann nur zu gut, in der Vergangenheit löste er immer wieder Einsätze aus. Weil es dabei selten friedlich zuging, wird umgehend Verstärkung gerufen. Am Ende stehen sechs Beamte dem angetrunkenen Mann gegenüber: Er bringt es an jenem frühen Montagnachmittag auf 1,69 Promille.

Der Versuch, den Wüterich in die Ausnüchterungszelle zu bringen, ist alles andere als einfach. Der Mann wehrt sich, randaliert selbst im Auto noch. Immer wieder versuchte Kopfstöße und Tritte. Selbst Handschellen halten ihn nur schwer in Zaum. Dazwischen ständig Drohungen: „Ich bringe euch um!“ Die Todesdrohungen richteten sich dabei auch immer wieder an die Familien der Beamten. Die sind zwar einiges gewohnt, doch dieser Vormittag wirkt nach. Als Zeuge vor Gericht betont ein Beamter, dass die Drohungen „ernstzunehmen waren“. Er habe deshalb auch „ein paar Nächte schlecht geschlafen“.

Schlechte Gefühle kamen wieder hoch

Sein Kollege empfand das ähnlich. Der war auch bei dem Axt-Attentat kurz zuvor in Würzburg im Einsatz gewesen – jetzt kamen all die unguten Gefühle wieder hoch. Bei der Ankündigung, dass „heute noch was in Kitzingen passieren wird“, sträubten sich alle Nackenhaare: Der mehrfach angedrohte Anschlag habe ihn „sehr erschrocken“, so der Zeuge. „Unberechenbar“ sei der Randalierer gewesen. Oder anders gesagt: In diesem Moment schien ihm alles zuzutrauen. Und, so die Gesamteinschätzung des Polizisten: „Er wusste genau, was er macht – trotz Alkohol!“

Auch die beiden Sanitäter bestätigen das: Der Mann habe zwar „leicht gewankt“, sturzbetrunken sei er aber keinesfalls gewesen. Das nimmt der 26-Jährige allerdings für sich in Anspruch: Er sei betrunken gewesen und könne sich an wenig bis nichts mehr erinnern.

Die Zeugen können das um so besser. Die Sanitäter bestätigen die Anschlagsdrohung. Der Angeklagte habe „deutlich hörbar geschrien“, dass es „einen Anschlag in Kitzingen geben wird“ und er „Zugang zu Waffen“ habe.

Wie ernst ist das zu nehmen? Was macht man mit einem Mann, der Todesdrohungen gegen Polizisten ausstößt? Für die Staatsanwaltschaft ist Schicht im Schacht: „Die Verteidigung der Rechtsordnung“ gebiete es, dass der Mann ein Jahr ins Gefängnis komme. Ohne Wenn und Aber und ohne Bewährung. Was da passiert sei, könne man „nicht tolerieren“.

  • Standpunkt des Autoren: Bewährungsstrafe setzt ein falsches Signal

Verteidigung will Fall nicht hoch hängen

Die Verteidigung will die Sache nicht so hoch gehängt haben: Die Drohungen seien als „bewusstes Schockelement“ eingesetzt worden. Letztlich aber habe sein Mandant nur „auffallen wollen“. Das eigentliche Problem sei der Alkohol gewesen – samt Arbeitslosigkeit. Das habe sich inzwischen geändert, der Angeklagte sei bei einer Zeitarbeitfirma untergekommen und habe – in den vergangenen drei Monaten – sein Leben geändert, so der Verteidiger.

Das Gericht verhängt wegen Beleidigung, Bedrohung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte eine neunmonatige Freiheitsstrafe, die zu drei Jahren Bewährung ausgesetzt wird. Der Angeklagte sei damals „völlig ausgerastet“. Man habe es in erster Linie mit einer „Störung des öffentlichen Friedens“ zu tun. Eine weitergehende Verurteilung „wäre schwierig geworden“, so der Strafrichter. Außerdem muss der 26-Jährige eine Geldbuße über 1500 Euro zahlen. Über den Betrag darf sich das Erich-Kästner-Kinderdorf freuen.

Erklärung der Staatsanwaltschaft steht aus

Ob das Urteil rechtskräftig wird, ist noch offen. Während der Angeklagte und sein Verteidiger die Strafe umgehend annahmen, gab die Staatsanwaltschaft noch keine Erklärung ab. Sie will noch einmal in Ruhe über den angekündigten Anschlag und die rechtlichen Folgen nachdenken.



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