DETTELBACH

Der Alltag liefert die Geschichten

Die Zeit der Dämmerung zwischen Tag und Nacht ist bei Fotografen beliebt. Blaue Stunde heißt sie bei Fotografen, weil sich der Himmel nach Sonnenuntergang in seinem tiefsten Blauton zeigt. Diese magische Stunde nützt auch Ursula Urban häufig, um bei einem Glas Tee an Geschichten oder Gedichten zu feilen. Die Dettelbacherin hat jetzt ihr zweites Büchlein herausgegeben: nach einem Gedichtband kurze Erzählungen mit dem Titel: „Weil wir so sind“.
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Alltagsgeschichten: Ursula Urban aus Dettelbach hat in ihrem Erzählband „Weil wir so sind“ auf 122 Seiten Geschichten und Beobachtungen über ihre Mitmenschen festgehalten. Foto: Foto: DAGMAR UNGERER-BRAMS

Die Zeit der Dämmerung zwischen Tag und Nacht ist bei Fotografen beliebt. Blaue Stunde heißt sie bei Fotografen, weil sich der Himmel nach Sonnenuntergang in seinem tiefsten Blauton zeigt. Diese magische Stunde nützt auch Ursula Urban häufig, um bei einem Glas Tee an Geschichten oder Gedichten zu feilen. Die Dettelbacherin hat jetzt ihr zweites Büchlein herausgegeben: nach einem Gedichtband kurze Erzählungen mit dem Titel: „Weil wir so sind“.

Oft stehen Alltagsbeobachtungen am Anfang einer Geschichte, die sich während des Schreibens selbst entwickelt. Oft weiß Ursula Urban zu Beginn selbst nicht, wie das Niedergeschriebene enden wird. Sobald ein erster Entwurf steht, feilt sie etappenweise immer wieder an ihren Worten. Ihre Hauptpersonen sind sympathische Menschen, die einer etwas melancholischen Grundstimmung immer eine positive Wendung bringen. Es sind die kleinen Essenzen des Lebens, die plötzlich vor dem wachen Auge der Autorin erscheinen und die sie einfühlsam zur Geschichte packte, die eigentlich nur durch das wahre Leben übertroffen werden könnten.

Beispiel: Heimlich freundet sich ein Sohn mit einer Familie an, deren Freundschaft und Herzlichkeit erst eine Erkrankung auch seiner Mutter nahe bringt. Oder: Bei einer Ausstellungseröffnung wird der Laudator nach seiner Rede zu einer persönlichen Einschätzung gedrängt, die ihm schwer fällt. In Anklang an einen Ausspruch seiner Großmutter antwortet er lapidar: „Wir sind so, weil wir so sind.“ Diese Worte wurden zum Titel des Erzählbandes, der viele Lebenssituationen schildert.

Ursula Urban, Jahrgang 1949, ist gelernte Bürokauffrau und arbeitete als Notariatsangestellte und Sekretärin. Die Hobbyliteratin ist eine gute Beobachterin und Zuhörerin. Zwischenmenschliche Begegnungen in allen Facetten fließen in ihre Erzählungen ein. Künstlerisch aktiv wurde sie zunächst in der Malerei, auch beim Dettelbacher Künstlerkreis, den sie 1973 mitbegründete und dessen Jahresausstellungen sie bereichert hat. Aquarelle und Pastellbilder waren ihr Metier, bis sie vor vier oder fünf Jahren mehr und mehr zum Schreiben überging. Inzwischen hat sie ihre kreative Ader fast ausschließlich auf das Schreiben verlegt.

„Die Malerei wurde mir zu zeitaufwändig“, sagt die Vielbeschäftigte. Kein Wunder: Sie engagiert sich auch als Hospizbegleiterin oder in der Nachbarschaftshilfe in Dettelbach; koordiniert Dienste und hilft, wenn ältere Leute einkaufen müssen oder Begleitung für einen Arztbesuch brauchen. Mit ihren Gedichten und Erzählungen ist sie auch des öfteren zu Lesungen unterwegs. So wurde es für Ursula Urban nur ein kleiner Schritt von der bildenden zur schreibenden Kunst. Dem Gedichtbändchen mit Bildern mit dem Titel „Unterwegs“ aus dem Jahr 2013 hat sie nach zwei Jahren nun den Erzählband „Weil wir so sind“ folgen lassen.

Erzählband „Weil wir so sind“: Verlag Leben in der Sprache, Presseck 2015; ISBN-978-3-940911-56-8, 112 Seiten, 12 Euro, erhältlich in der Buchhandlung Schöningh am Marktplatz in Kitzingen, im Kultur- und Kommunikationszentrum (kuk) in Dettelbach oder bei der Autorin.

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