DETTELBACH

Der Abschied der letzten Franziskaner

Fürstbischof Julius Echter brachte vor 400 Jahren die Franziskaner nach Dettelbach. Nachwuchsmangel sorgt für ihren Abschied. Der aber hinterlässt kein Vakuum.
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Wenn die Franziskaner Ende Januar Dettelbach den Rücken kehren, lassen sie ihr Kloster und die Wallfahrtskirche zurück. Um beides kümmert sich künftig die Diözese Würzburg. Foto: Foto: Guido Chuleck

Die Franziskaner verlassen Dettelbach. Die Nachricht schlug vor rund einem Jahr Wellen. Die sind inzwischen abgeflaut, weil zwar das Kloster schließt, aber die Pilgerfahrt zur Wallfahrtskirche „Maria im Sand“ erhalten bleibt. Trotzdem ist der Abschied der Ordensleute – Ende Januar – nach 400 Jahren ein Einschnitt.

Der trifft direkt die letzten sechs Bewohner der Klosteranlage, fünf Patres und einen Bruder. Die werden auf andere Häuser der Franziskaner verteilt. Zwei gehen auf den Kreuzberg, der Rest lebt künftig in Klöstern in München, Füssen, Vierzehnheiligen und Großheubach.

Kirche und Stadt sagen ade

Die sechs Ordensleute werden am 22. Januar offiziell verabschiedet. Einmal von der Gemeinde, die zum Empfang mit einiger politischer Prominenz und dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt bittet. Den kirchlichen Part übernimmt Bischof Friedhelm Hofmann, der am Nachmittag zum Gottesdienst in die Wallfahrtskirche kommt.

Der Anfang vom Ende der 400-jährigen Klosterpräsenz kam im Februar 2016 in die Öffentlichkeit. Die Leitung der Franziskanerprovinz informierte über die Schließung und die Gründe: Der Orden könne die Stelle des leitenden Pfarrers nicht mehr besetzen. Alleine die Seelsorge für die Wallfahrt sei keine zukunftsfähige Lösung, hieß es damals. Der einfache Hintergrund: Nachwuchsmangel und das hohe Alter vieler Brüder zwang und zwingt die Franziskaner zur Aufgabe einiger Klöster.

Diözese übernimmt das Kloster

Allerdings hinterlässt der Orden in Dettelbach kein Vakuum. Das Kloster mit rund 2100 Wohn- und Nutzfläche übernimmt die Diözese Würzburg. In der Vierflügelanlage bleibt nach den bisherigen Plänen das Klosterinventar zurück und vor allem die historische Bibliothek. Das Pfarramt, das bislang etwa ein Viertel des Gebäudes belegt, wird weiter als Mieter bleiben.

Die Wallfahrt zur Kirche „Maria im Sand“ bleibt ebenfalls erhalten. Die Pilgerfahrt, die Jahr für Jahr bis zu 10 000 Gläubige in den Prachtbau führte, ist der Diözese ebenso lieb und wert wie das Kloster und dessen Kirche. Der Monumentalbau gehört der Maria-Wallfahrtkapellenstiftung und bleibt in deren Besitz.

Am Anfang war der Fürstbischof

Aufsichtsbehörde der Stiftung ist die Diözese. Und die hat die Zukunft der Wallfahrt bereits personell geklärt. Pfarrer Uwe Hartmann, der zum 1. März seinen Dienst aufnimmt, wird zugleich Rektor der Wallfahrtskirche sein und – unterstützt von einem Pfarrvikar – die seelsorgerischen Aufgaben der Wallfahrt übernehmen.

Den Pilgerort und das Kloster verdankt Dettelbach einem Würzburger Fürstbischof, der vor 400 Jahren den Franziskanern die Wallfahrtskirche übergab – Julius Echter von Mespelbrunn. Der brachte im gleichen Jahr – 1616 – auch den Bau des benachbarten Klosters auf den Weg. Dessen Abschluss im Jahr 1619 erlebte er nicht mehr. Julius Echter starb im September 1617.

Das Modell im Prachtportal

Allerdings lebt der Stifter der Kirche und des Ordenshauses in einem prachtvollen Eingangsbogen weiter.: Das kürzlich sanierte Eingangsportal zum Kloster zeigt – in Sandstein gehauen – den Kirchenfürsten (links), wie er ein Modell des Klosters an den damaligen Provinzial der Straßburger Franziskanerprovinz übergibt.

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