KITZINGEN

Den Charakter der Mühle erhalten

Der Mühlenhof steht kurz vor der Vollendung: Wo sonst die Galgenmühle stand, sind 32 neue Eigentumswohnungen entstanden.
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32 neue Wohnungen sind auf dem Gelände der ehemaligen Gollermühle in der Kitzinger Siedlung entstanden. Dieter Haag und seinem Team war es wichtig, dabei den Charakter des Mühlengebäudes zu erhalten – unter anderem mit vielen Öffnungen zum Innenhof. Foto: Foto: Daniela Röllinger
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Der Bezug der Siedler zur Galgenmühle ist eng. Hier haben sie früher ihr Mehl geholt und ihre Eier, im Umfeld der Mühle haben sie als Kinder gespielt. All das hört Dieter Haag immer wieder in den Kauf- und Mietgesprächen für die 32 Wohnungen, die momentan dort entstehen, wo sich einst die Mühlenräder drehten.

Die Geschichte der Galgenmühle reicht lang zurück. Schon im 14. Jahrhundert soll es am Sickerbach eine Mühle gegeben haben, der Name der Galgenmühle ist über die Jahrhunderte immer wieder in alten Verzeichnissen zu lesen. Doch irgendwann wurde die Mühle nicht mehr betrieben, schließlich lebte nur noch Günther Goller in der riesigen, für eine Person viel zu großen Anlage, in der über die Jahrhunderte immer wieder bauliche Veränderungen vorgenommen worden waren. Mehrfach gab es Überlegungen, was mit dem nicht denkmalgeschützten Gutshof in direkter Nachbarschaft zur Sporthalle im Sickergrund geschehen sollte. Unter anderem war der Bau von 16 Einfamilienhäusern durch ein mittelfränkisches Bankinstitut im Gespräch, doch umgesetzt wurde das Vorhaben nicht. Zum Zug kam schließlich das Projekt Mühlenhof mit 32 Eigentumswohnungen. Im August 2017 begann der Rückbau der alten Gebäude.

Bis dahin hatte sich das Gesicht der Siedlung in direkter Nähe des Sickergrundstadions bereits verändert. Die Bewohner des Frida-von-Soden-Hauses war aus der Stadt umgezogen in einen Neubau am Mühlenpark. Gleich daneben entstand gerade ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Dazu kam nun eben der Mühlenhof.

Dessen Gestaltung ist der Gestaltung der alten Mühle nachempfunden. „Wir wollten den Charakter erhalten“, erklärt Dieter Haag. So wurden zum Beispiel zahlreiche Öffnungen zum Innenhof eingeplant, der Bach in die Gestaltung eingebunden. 32 Wohnungen sind auf fünf zwei- beziehungsweise dreistöckige, im Viereck angeordnete Gebäude aufgeteilt. Eines davon ist gestaltet wie ein einzelnes Haus. Dort wird Günther Goller, der frühere Besitzer der „Gollermühle“, wie die Galgenmühle auch genannt wurde, einziehen und damit in sein altes, neues Zuhause zurückkehren. Auch einige andere Bürger aus der Siedlung werden künftig im Mühlenhof wohnen, so Haag.

Die Wohnungen sind barrierefrei, aber nicht rollstuhlgerecht und bereits alle verkauft, der Großteil auch schon vermietet. Ein Beleg dafür, dass die Nachfrage nach Wohnungen in Kitzingen groß ist, wie Dieter Haag sagt. Er plant bereits ein neues Projet im Muldenweg, „Mühlbach“, soll es heißen und für weitere 20 neue Wohnungen sorgen. Momentan, so Haag, laufen erste Gespräche mit der Stadt. Im Frühsommer nächsten Jahres hofft Haag den Bau beginnen zu können.

Aber erstmal ist ja noch der Mühlenhof an der Reihe. Die Handwerker arbeiten noch, im Oktober soll die Anlage nach zweijähriger Bauzeit im Oktober bezugsfertig sein. 20 Prozent der Käufer werden selbst einziehen, 80 Prozent werden ihre Wohnung vermieten, so Haag. Die Altersgruppen sind gemischt von jung bis alt.

Im Innenhof wird ein Spielplatz entstehen, doch Dieter Haag weiß jetzt schon, dass die Kinder künftig nicht nur dort spielen werden, sondern auch am Sickerbach, der direkt neben dem Anwesen beziehungsweise mit einem Totarm sogar unter einem Gebäudeteil verläuft, das auf Stelzen sitzt. Das Bauunternehmen hat einen Teil des Baches renaturiert und eine Fischtreppe eingebaut – eine Auflage, weil sich die Anlage im Außenbereich befindet und die neue Dachfläche größer ist als die der früheren Mühle. Haag freut sich über den so entstanden neuen Bereich. Umgeben von hohen Bäumen und Büschen am Wasser zu spielen, das hat einen Hauch von Abenteuer, direkt am Rand von Kitzingens größtem Stadtteil.

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