GEISELWIND

Das "Zieberla" ist die Attraktion

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Auch für den Bürgermeister und die Schulleiterin ein besonderer Moment: Ernst Nickel und Susanne Stark mit den frisch geschlüpften Küken. Foto: Daniela Röllinger
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Wann steht eine Kuh trocken? Nach wie vielen Tagen schlüpft ein Küken? Wie viel Fläche von Bayern wird für die Landwirtschaft genutzt? Triticale ist eine Kreuzung als welchen Getreidearten? Viele Erwachsene müssen auf diese Fragen passen. Die Geiselwinder Grundschüler nicht. Weil bei ihnen die interaktive Ausstellung „Sommer.Erlebnis.Bauernhof“ gastiert.

Die Begeisterung ist groß, als Claus Schmiedel die Aula der Drei-Franken-Schule betritt. „Ah“ und „Oh“ ertönt es von allen Seiten. Mit großen Augen und langen Hälsen verfolgen die Schüler, wie der Mitarbeiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen die Kiste abstellt. Mehrere Dutzend Hühnereier liegen darin, dazwischen spitzen zwei Küken aus schon aufgepickten Eierschalen hervor.

Der Kükenschlupf ist die Attraktion der einwöchigen Ausstellung „Sommer.Erlebnis.Bauernhof“, die am Montag im Beisein von Bürgermeister Ernst Nickel und Schulleiterin Susanne Stark eröffnet wurde. Und den beiden kam auch gleich eine besondere Rolle zu: Sie durften die beiden winzigen, aber schon getrockneten Küken vorsichtig aus dem Kasten nehmen und in den bereitstehenden Stall setzen, in dem sie bis Freitag leben werden. Ein Erlebnis, das auch für den Bürgermeister ein besonderes war. Es ist bestimmt schon über vier Jahrzehnte her, dass er ein „Zieberla“ in der Hand hatte, verriet er. Eine Woche lang befassen sich die Kinder intensiv mit dem Thema Bauernhof. Viele Kinder haben schon einen Hof besucht und sich vor Ort informiert, jetzt hat das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen im Rahmen des Schulprojekts „Erlebnis Bauernhof“ die interaktive Ausstellung zur Verfügung gestellt. An der Melkstation können die Kinder Melkversuche machen, an der Modellkuh Elsa lernen, wie ihr Verdauungsapparat aussieht. An der Getreidebar werden nicht nur die unterschiedlichen Sorten erklärt, sondern die Kinder können sich ihre eigenen Haferflocken mahlen. Zudem gibt es Stationen zum Schwein, Schaf und zu Bienen sowie Biodiversität. Und natürlich zu den Hühnern und Küken.

Claus Schmiedel erklärte den Kindern bei der Ausstellungseröffnung, worauf sie bei den Küken achten müssen. Zunächst einmal heißt es natürlich, möglichst leise zu sein und auf keinen Fall gegen die Scheibe im Schlupf und im Stall zu klopfen. „Die Küken brauchen Ruhe“, betonte er. Wenn sie einen Tag alt sind, dürfen sie in den Stall umziehen – eine Aufgabe, die jeden Tag eine andere Klasse übernimmt, natürlich im Beisein und unter Anleitung eines Lehrers. Dort bekommt der flauschige Nachwuchs Essen und Trinken. „Die wachsen ganz schnell“, weiß der Fachmann. „Ende der Woche werden sie schon doppelt so groß sein wie heute.“

Bis dahin werden die Klassen in Kleingruppen die Ausstellung erkunden, Schafwolle ertasten, Honig erschmecken, Aufgaben lösen und ganz viel über die Landwirtschaft lernen. „Die Landwirtschaft produziert unser Essen, aber viele Kinder wissen nicht mehr, wie das funktioniert“, so Gabriele Schenk vom AELF.

Wie werden aus Getreide Brötchen, wie wird Milch aus grünem Gras, wie viele Eier legt ein Huhn? Die Antworten gibt es in der Ausstellung, aber auch direkt auf den Höfen. Im Rahmen der Aktionswochen „Sommer.Erlebnis.Bauernhof“ , die bis 26. Juli dauern, öffnen viele unterfränkische Landwirte ihre Betriebe für die Schüler und bieten vielfältige Lernprogramme an. Alle Schüler der 2. bis 4. Klasse der Grundschulen, alle Jahrgangsstufen der Förderschul- und Deutschklassen werden vom Ministerium gefördert und können kostenlos am Programm teilnehmen. Alleine im vergangenen Schuljahr besuchten 50.000 Schulkinder in Bayern einen Bauernhof, so viele wie noch nie in dem 2012 gestarteten Programm. Insgesamt haben bis zum Sommer vergangenen Jahres 220.000 Kinder in 11.000 Klassen sowie 622 Betriebe – elf davon im Landkreis Kitzingen – am Programm teilgenommen. Wie Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber kürzlich mitteilte, wird das Erfolgsprogramm nun auch auf höhere Schulklassen ausgeweitet – zunächst in Form eines Pilotprojekts an zehn Schulen.

Info: Schulen, die sich für einen Besuch auf dem Bauernhof oder die interaktive Ausstellung interessieren, können sich bei Gabriele Schenk vom AELF Kitzingen melden, Tel. 09321/3009-1212, gabriele.schenk@aelf-kt.bayern.de, weitere Infos gibt es im Internet unter www.erlebnis-bauernhof.bayern.de

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