MARKTBREIT

Das Wort des Eichamts hat Gewicht

Während Händler, Gärtner und Landwirte früher Schlange standen, herrscht jetzt bei örtlichen Eichtagen nicht mehr viel Andrang.
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Sebastian Reinhart schaut genau hin: Zeigt die Waage das richtige Gewicht? Foto: Fotos: Daniela Röllinger
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Sebastian Reinhart legt mehrere kleine und große Gewichte auf die Schale, dann geht sein Blick zur Anzeige. „Das passt“, sagt er, hält seine Messergebnisse in einem Formular fest, bringt eine Plombe an der Waage an, so dass niemand sie absichtlich verstellen kann, und klebt das Eichsiegel auf. Damit ist es amtlich: Wird hier ein Fisch von 2,3 Kilogramm Gewicht gewogen, zeigt die Waage auch genau diese Zahl an.

Mehrere Eichtage führt das Eichamt Würzburg in diesem Frühjahr im Landkreis Kitzingen durch – zunächst in Albertshofen, dann in Prichsenstadt. Dritte und letzte Station ist Marktbreit und hier prüft Sebastian Reinhart unter anderem die Waage von Claudia Kanzok. Ihre Tochter hat das Gerät in den Bauhof gebracht. Fische werden darauf gewogen und natürlich muss, wie bei allen anderen Waagen, die für den Handel genutzt werden, das Gewicht stimmen.

Die Waagen, die an den Eichtagen zu Sebastian Reinhart oder einem seiner Kollegen gebracht werden, sind völlig unterschiedlich, mal klein, mal groß, mal digital, mal mechanisch, ja fast schon historisch. Sie werden beispielsweise in Gemüsebaubetrieben verwendet oder in der Landwirtschaft.

„Früher fanden die Eichtage im Rathaus statt“, erinnern sich die Mitarbeiter des Marktbreiter Bauhofs. „Da standen die Leute noch Schlange.“ Heute kommen meist nur noch wenige Menschen zu den örtlichen Eichtagen des Eichamts Würzburg. Weil es weniger Geschäfte, Landwirte und Händler gibt, aber auch, weil viele Waagen nicht mehr transportabel sind. Den Tante-Emma-Laden mit der Obstwaage zum Beispiel gibt es kaum noch, heute wird die Ware im Supermarkt direkt an der Kasse gewogen – die Waagen sind dort mit eingebaut. „Die kann man natürlich nicht ins Eichamt bringen“, erklärt Sebastian Reinhart. Vielmehr kommt das Eichamt zu diesen Kunden. Und das sind eine ganze Menge. Die Eichbehörden prüfen Messgeräte des Handels, informiert das Bayerische Landesamt für Maß und Gewicht, von dem das Eichamt Würzburg ein Teil ist. „Sobald ein Preis auf der Grundlage von Gewicht ermittelt wird, muss das Gerät geeicht sein“, so Reinhart. Das trifft also auf Waagen zu, wie beispielsweise beim Metzger und Bäcker. Geeicht werden müssen aber auch Zapfsäulen an den Tankstellen, Tankwagen für Mineralöl, Fahrpreisanzeiger in Taxis, außerdem Messgeräte des Arbeits- und Umweltschutzes, wie Abgasmessgeräte oder Audiometer, mit denen die Lärmbelastung kontrolliert wird. Selbst Radarmessgeräte und Atemalkoholmessgeräte der Polizei werden regelmäßigen Kontrollen unterzogen. Und so genannte Versorgungsmessgeräte, wie Strom-, Gas- und Wasserzähler. Insgesamt unterliegen über 120 verschiedene Messgerätearten der Eichpflicht. Wie oft sie geeicht werden müssen, ist in der Mess- und Eichverordnung festgelegt.

Die Mindestlast für die Waage der Kanzoks, die gerade vor Sebastian Reinhart auf dem Tisch steht, liegt bei 200 Gramm, maximal darf das Gewicht 30 Kilo betragen. Er legt verschieden große und schwere Metallzylinder auf die Waagschale, prüft stufenweise, ob die Zahl, die im Display angezeigt wird, dem Gewicht entspricht. Die nächste Waage ist deutlich größer, der Seniorchef eines Gemüsebaubetriebes hat sie in den Bauhof gebracht. Feldsalat, Sellerie und Gurken werden darauf Tag für Tag gewogen. Reinhart fährt sie an die Tür seines Autos, hebt für die Prüfung große, schwere Gewichte auf die Fläche. Die Gewichte sind aus entmagnetisiertem Stahl, Messing oder Gusseisen. Die Waage zeigt das korrekte Gewicht, Reinhart hat keine Beanstandungen. Gäbe es Abweichungen, müsste das Gerät neu justiert werden, bevor es weiter genutzt werden darf. So aber gibt es den Eichstempel und den Vermerk, wann die Waage das nächste Mal geeicht werden muss.

In zwei Jahren wird man sich wiedersehen, dieser Zeitraum gilt für digitale Waagen. Bei manchen mechanischen Waagen haben die Besitzer etwas mehr Zeit – sie werden nur alle vier Jahre überprüft.

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