Einen Tag nachdem bekannt wurde, dass 2. Bürgermeister Werner May die UsW-Stadtratsfraktion verlassen hat, beginnt in den restlichen Fraktionen und Gruppierungen ein gewisses Taktieren. Keiner der befragten Fraktionsvorsitzenden will dem Ereignis zwar eine besondere Dramatik beimessen. Doch für gänzlich unbedeutend, vor allem die Position des Oberbürgermeisters Siegfried Müller betreffend, hält den Austritt auch niemand.

Karl-Heinz Schmidt, der Fraktionsvorsitzende der UsW, findet Werner Mays Schritt bedauerlich, aber nicht nachvollziehbar. "Ich sehe keinen konkreten Anlass", sagt er. Mays Verhalten schade dem Oberbürgermeister. Es gebe Konflikte und unterschiedliche Meinungen in der UsW-Fraktion, das sei bekannt. Ein Anstoß für Gespräche oder dafür, dass sich etwas ändern könne, führe Mays Verhalten nicht herbei. Die Fraktion stehe relativ geschlossen da, meint Schmidt, auch nach Mays Austritt. Es gebe keinen Fraktionszwang. "Wenn einer solch einen Schritt gehen will, soll man ihn den Schritt gehen lassen", sagt Schmidt und deutet damit an, dass er sich nicht verrückt macht. Die Fraktion wird nicht zerbrechen, ist sich der Vorsitzende sicher, auch wenn es von ehemals acht Leuten jetzt nur noch sieben UsW-Stadträte gebe.

Wie soll es jetzt weitergehen?
Schmidt: "Es müssen viele Gespräche geführt werden. Von den zwei Meinungsgruppen innerhalb der UsW müsste jede etwas zurückstecken." Schmidt ist das Nebeneinander der zwei UsW-Lager im Stadtrat wohl bewusst. Um daran etwas zu ändern, sei der bessere Austausch von Informationen und viel mehr Kommunikation nötig, sagt er.

"Bewertung steht uns nicht zu"

Andreas Moser, CSU-Fraktionsvorsitzender, sagt: "Es steht uns als CSU-Fraktion nicht zu, die Situation anderer Gruppierungen oder Fraktionen zu bewerten. Ich kann jedoch sagen, dass wir Herrn May sehr schätzen und bei der Wahl zum Bürgermeister unterstützt haben. Wir werden uns, genauso wie Herr May, auch künftig in der Sache zum Wohle der Stadt und seiner Bürger einbringen, insofern ändert sich nicht so viel." Eindeutig hält Moser May eine Tür in der CSU offen: "Wir können ihm jederzeit einen Platz in unseren Reihen anbieten."
"Die SPD-Stadtratsfraktion war vom Austritt des Kollegen May überrascht. Wir sind froh, dass er uns als Stadtratskollege und Bürgermeister erhalten bleibt", schreibt Dr. Brigitte Endres-Paul, SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, ganz kurz auf Anfrage per E-Mail.

Gewisse Differenzen innerhalb der UsW habe er schon gespürt, sagt Franz Böhm, führender Kopf der Gruppierung Pro KT, die einst aus der CSU-Fraktion hervorgegangen ist. Franz Böhm und Hans Schardt haben sie vor etwa vier Jahren gegründet. Über die Sache May sagt Böhm: "Was ihn genau dazu bewogen hat, weiß ich nicht. Ich bin aber schon erstaunt, wozu das geführt hat. Als Mensch steh ich jedoch voll hinter ihm und seiner Entscheidung." Auf die Beratungen und Entscheidungen im Stadtrat werde Mays Fraktionsaustritt eher keine Folgen haben, denkt der Pro KT-Chef. Kitzingen habe keine schlechte Entwicklung genommen und es habe - nach langen Diskussionen manchmal - doch Mehrheiten im Stadtrat für wichtige Entscheidungen gegeben. Franz Böhm bejaht die Frage, ob er Werner May einen Sitz in der Pro KT-Fraktion abgeboten habe. "Bei uns ist er jederzeit willkommen."

Für Oberbürgermeister Siegfried Müller sei die Situation nicht gerade stärkend, denkt die ödp-Fraktionsvorsitzende Andrea Schmidt. "Der Rückhalt in der UsW war in letzter Zeit eh nicht so stark", sagt Schmidt. Aber die Querelen in der UsW seien ja bekannt. Mays Weggang aus der Fraktion werde die Arbeit im Stadtrat wohl nicht blockieren, blickt die ödp-Chefin in die Zukunft. Um den Beitritt des 2. Bürgermeisters in ihre Fraktion zu werben, könne sie sich zum jetzigen Zeitpunkt zwar noch nicht vorstellen. Aber, so Schmidt weiter: "Wir sind offen, wenn er mit uns den Kontakt sucht."

Jutta Wallrapp, die Vorsitzende der Fraktion FW-FBW, und Bürgermeister Klaus D. Christof, Spitzenkraft der Kommunalen Initiative Kitzingen, waren am Dienstag nicht zu erreichen.