Wiesentheid
Lesung

Das Treffen mit der Autorin prägt

Ihre Klassenlektüre haben die meisten Wiesentheider Fünftklässler in kürzester Zeit verschlungen. Jetzt hatten sie die Gelegenheit, die Autorin des Werkes persönlich kennen zu lernen.
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Vor und nach ihren Lesungen war die Autorin Antonia Michaelis umringt von Schülern, die sich ihre Bücher signieren lassen wollten. Dabei war immer noch Zeit für ein kurzes Gespräch und ein paar neugierige Fragen.  Foto: Berthold
Vor und nach ihren Lesungen war die Autorin Antonia Michaelis umringt von Schülern, die sich ihre Bücher signieren lassen wollten. Dabei war immer noch Zeit für ein kurzes Gespräch und ein paar neugierige Fragen. Foto: Berthold
"Wir haben eine Autorin gebucht und haben eine Schauspielerin dazubekommen", begeisterte sich Lehrer und Organisator Harald Godron über die Lesungen, die die Kinder- und Jugendbuchautorin Antonia Michaelis im Steigerwald-Landschulheim hielt.

Am Dienstagabend begeisterte sie ihre meist erwachsenen Zuhörer, die zu "Literatur bei Wein und Kerzenschein" in die Aula des Gymnasiums gekommen waren. Abwechselnd mit Liedeinspielungen las Michaelis Passagen aus ihrem Buch "Solang die Nachtigall singt". "Sie hat uns Zuhörer unheimlich in ihren Bann gezogen", schildert Godron seine Eindrücke.

Dem Deutschlehrer ist die Leseförderung der Schüler schon immer ein besonderes Anliegen.

"Der unmittelbare Kontakt mit den Autoren prägt sich ein!" Im letzten Jahr war ein Buch der jungen Autorin die Leselektüre in der fünften Klasse. 270 Seiten galt es innerhalb von sechs Wochen durchzuarbeiten.
"Doch viele meiner Schüler, egal ob Jungen oder Mädchen, waren damit schon nach den 14-tägigen Pfingstferien fertig", erinnert sich Godron. Und auch die Schüler, wie Christin Addicks, fanden die Geschichte sehr fesselnd: "Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten." Und ihre Klassenkameradin Nina Lipinski ergänzt: "Ich konnte einfach nicht aufhören zu lesen!" Nachher wurde die Lektüre anonym bewertet und erhielt von der Klasse 14,3 von 15 möglichen Punkten.

Auch als Antonia Michaels am Mittwoch live vor den Schülern der sechsten, siebten und achten Klassen aus ihrem Buch "Drachen der Finsternis" las, war die Spannung direkt greifbar. "Das Cover und der Titel schauen aus wie ein Abklatsch von Eragon, aber was drin steht, ist ganz was anderes", bereitete die Schriftstellerin die Jugendlichen vor. Das Geschehen spielt in Nepal, wo Michaelis in einem sozialen Jahr nach ihrem Abitur in einem Kinderheim arbeitete, kurz bevor der Bürgerkrieg dort ausbrach. "Wenn man nicht weiß, was richtig ist, schreibt man ein Buch darüber!", erklärt sie über die Entstehung des Buches.

Der unsichtbare Königssohn

Die Geschichte handelt vom unsichtbaren Königssohn Yumar, der in Rebellenlager der Maoisten gerät und dem deutschen Christopher, dessen Bruder als Geißel in die Hände der Aufständischen fiel. Mit großen Augen folgen die Schüler der Schilderung vom Drachen, der die Farben frisst und dessen Schatten die Menschen in bronzene Statuen verwandelt, wenn er auf sie fällt. Gebannt hörten sie die Textstelle, an der die junge Rebellin Niya mit dem funkelnden Blick die beiden rettet und vor den Schergen des Königs in Sicherheit bringt. Mit viel schauspielerischem Talent agierte Michaelis und untermalte ihren gelesenen Text mit vollem Körpereinsatz. Natürlich verriet die Autorin nicht, wie am Ende das Geheimnis der Herkunft des unsichtbaren Königssohns gelüftet wird.

Der Laptop am Küchentisch

Die Lesung hatte einige der Jugendlichen schwer beeindruckt. Ein Schüler wollte in der anschließenden Fragerunde gleich wissen, was man als Schriftsteller denn so verdiene. Und auf die Frage, warum sie Schriftstellerin wurde, antwortete Antonia Michaelis: "Stricken kann ich nicht, unter der Schulbank hab ich schon immer geschrieben und nach zehn Jahren vergeblichem Einsendens meiner Manuskripte war es dann passiert - mein erstes Buch erschien." "Wie schreiben Sie?", fragte eine andere Schülerin: "Mit dem Laptop am Küchentisch", war die prompte Antwort. Und dass manche Bücher in einer bis drei Wochen entstehen, erstaunte die meisten doch sehr. Dann werde das Manuskript von einigen Testlesern noch einmal durchgearbeitet, ob es denn auch verständlich geschrieben sei, bevor es in Druck geht. Bis das Buch letztendlich auf dem Markt erscheint dauere es ein bis zwei Jahre.
Nach der Lesung umringten Antonia Michaelis ihre Fans und ließen sich ein Autogramm in ihre Klassenlektüre malen. Diese Lektüre wird wohl nicht das letzte Buch von der vielseitigen Autorin sein, das sie in manch schlafloser Nacht verschlingen werden.

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