OBERNBREIT

Das Miteinander scheiterte 1866

Zu einem Vortrag über einen „fürchterlichen Spektakel“ hatte der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Hans Schlumberger nach Obernbreit eingeladen.
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Pfarrer Hans Schlumberger. Foto: Foto: Friedrich Heidecker

Zu einem Vortrag über einen „fürchterlichen Spektakel“ hatte der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Hans Schlumberger in die ehemalige Synagoge Obernbreit eingeladen. Der evangelische Pfarrer aus Weißenbronn (Lkr. Ansbach) ist Mitautor der Synagogen-Gedenkbände „Mehr als Steine. . .“.

Das Ereignis, antisemitische Übergriffe in Laudenbach (heute ein Stadtteil von Karlstadt), fand 1866 statt, schilderte der Referent vor rund 50 Zuhörern in einem zweistündigen Vortrag. Die Behörden hatten eine Abteilung des Bayerischen Heeres in den Ort gelegt, um Ausschreitungen zu unterbinden.

Dort gab es seit Mai alarmierende Vorfälle: des Nachts machten junge Leute Spektakel vor jüdischen Häusern, schlugen Fenster ein, beschädigten Dächer und Wände und brannten die Ernte auf dem Feld eines Juden ab. Als auch Drohungen gegen sie nicht unterbunden wurden, wanden sich die jüdischen Bürger an die Behörden. Die kurzzeitige Präsenz des Militärs auf Kosten der Gemeinde im Raum Karlstadt machte dem Spuk schnell ein Ende.

Wie der Referent weiter sagte, wurde die rechtlich-bürgerliche Gleichstellung der Juden in der Mitte des 19. Jahrhunderts als „Krankheitsherde“ genannt, die Nichtjuden Nachteile in den dörflichen Gemeinden brachten. So konnte beispielsweise der Gemeindewald jetzt von bis zu einem Drittel mehr Bürgern genutzt werden, ohne dass der Kuchen größer geworden war.

Als beispielsweise der Gemeinderat von Wiesenfeld (Karlstadt) mit dem Hinweis auf Laudenbach den trickreichen Beschluss fasste, dass den Juden hier nichts passieren werde, wenn sie auf ihre Rechte am Wald verzichteten, machte der Amtmann den Räten klar, dass gleiche Pflichten auch gleiche Rechte für alle Bürger bedeuten. Und sie kuschten.

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