KITZINGEN

Das leere Manager-Büro

Die Entwicklung der Kitzinger Siedlung leidet unter dem fehlenden Quartiersmanager.
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Im Stadtteilzentrum können derzeit kaum neue Ideen eingebracht und umgesetzt werden. Es fehlt ein Quartiersmanager als Ansprechpartner. Foto: Fotos: Diana Fuchs
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Eigentlich hätte der Neue gerade einziehen sollen. Zum 1. August sollte die Kitzinger Siedlung ihren fünften Quartiersmanager begrüßen können. Doch der Auserwählte hat kurzfristig abgesagt. Und jetzt? Wie geht es mit der Belebung und Entwicklung des größten Kitzinger Stadtteils weiter?

Vor fast zehn Jahren war der Startschuss gefallen. Die Vorbereitungen für die Aufnahme in das Bund-Länder-Städtebau-Förderungsprogramm „Soziale Stadt“ begannen. Gemeinsam mit den Bürgern wurde ein Leitfaden fürs Voranbringen der Siedlung entwickelt: das Integrierte Handlungskonzept „Meine Siedlung – Unser Kitzingen“ (IHK), dessen Ziel es ist, die Wohn- und Lebensqualität links und rechts der B8 zu verbessern.

Ein Jahr später war es so weit: Die Siedlung mit ihren rund 5000 Einwohnern wurde in das Förderprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen. Alle Fäden sollten bei einem so genannten „Quartiersmanager“ zusammenlaufen; dieser sollte gemeinsam mit den Bürgern neue Ideen entwickeln, Aktionen initiieren und als Bindeglied fungieren.

Kurzfristige Absage

Mittlerweile hat das Quartiersmanagement zum vierten Mal seinen Kopf verloren: Sandra Aufenanger wird ab 1. August nur noch im Bauamt beziehungsweise in der Stadtplanung eingesetzt, ihr vom Stadtrat auserkorener Nachfolger hat denkbar kurzfristig abgesagt. Wenige Tage nach dem abschließenden Okay des Stadtrats hat der Kandidat, dessen Tätigkeit zum 1. August beginnen sollte, abgewunken. Das Quartiersbüro in der Siedlung ist also verwaist, viele Ehrenamtliche fühlen sich im Stich gelassen.

Insbesondere gilt das für das Team, das sich freiwillig und unentgeltlich um das Notwohngebiet in der Egerländer Straße kümmert. Der neue Quartiersmanager hätte dort ab August als Mitbetreuer fungieren sollen. Nun können sich die Ehrenamtlichen ausrechnen, dass es so schnell nichts werden wird mit professioneller Hilfe: Die Stelle ist neu ausgeschrieben worden, im Spätsommer finden die Personalgespräche statt. Bis der oder die „Neue“ dann tatsächlich in Kitzingen anfangen kann, wird es sicherlich Jahresende werden.

Besonders bitter ist die Situation, weil erst vor kurzem einer engagierten Mitarbeiterin gekündigt wurde, die eine Anlaufstelle für die Bewohner des Notwohngebiets war. Hedwig Schanz war allerdings nicht bei der Stadt, sondern beim St. Vinzenz-Verein unter dem Dach des Caritasverbandes angestellt. Weil ihre Tätigkeit ein Modellprojekt war, hat der Freistaat 90 Prozent der Personalkosten übernommen. Den Rest streckte der Vinzenz-Verein vor, sollte aber eine Erstattung vom Diözesan-Caritasverband Würzburg bekommen. Mit diesem Finanzierungsmodell war es möglich, die Projektleiterin einzustellen. Warum das Arbeitsverhältnis nach nur einem Jahr endete?

„Das ist höchst unglücklich gelaufen“, sagt Thomas Abendroth, stellvertretender Vorsitzender des St. Vinzenz-Vereins. Bisher habe sein Verein über 4000 Euro in das Projekt investiert; der Verein wollte die Trägerschaft wieder abgeben. „Schon von Beginn an sollte ja eigentlich der Caritaskreisverband als Träger fungieren; nur konnte er anfangs nicht, weil die Flüchtlingswelle gerade alle Kräfte gebraucht hat.“ Heuer hätte die Kreiscaritas dann übernommen – allerdings stellte der Diözesan-Caritasverband den erforderlichen Antrag beim Freistaat auf Fortführung des Projekts nicht. „Uns ist leider nichts anderes übrig geblieben, als den Vertrag von Frau Schanz zu beenden. Dabei hat sie sehr gute Arbeit geleistet.“ Leider hätten auch Stadt und Kreis Kitzingen keine Bereitschaft gezeigt, sich bei der weiteren Stellenfinanzierung einzubringen.

Daniel Heß vom Verein „Unsere Siedlung – Kultur- und Bürgerverein e. V. in Kitzingen“ bedauert diese Entwicklung sehr. Der Vorsitzende ist sicher: Der Bedarf an Hilfe im Notwohngebiet ist so groß, dass ein (neuer) Quartiersmanager und eine zusätzliche Kraft rund um den Wegweiser genug zu tun hätten. „Es ist beschämend, dass jetzt alles vor sich hin dümpelt beziehungsweise schon fast brach liegt.“ Heß vermutet, die städtischen Verantwortlichen wollten „in der Siedlung niemanden haben, der ihnen auch mal unbequem in die Seite fährt“.

Die Tür steht immer offen

Bauamtsleiter Oliver Graumann weist solche Vermutungen entschieden zurück. Er sagt: „Wir haben gerade eine schwierige Situation für die Siedlung und für anstehende Projekte.“ Siedlungsreferentin Bianca Tröge versuche aufzufangen, was geht, und auch die AG Soziale Stadt habe ihre Unterstützung angeboten. Wie genau man die vakante Zeit überbrücken könne, soll in der nächsten AG-Sitzung am 1. August besprochen werden. Graumann lädt alle, auch Daniel Heß und den Bürgerverein, zum Mitmachen ein:„Die Tür steht immer offen. Ich freue mich über jeden, der sich engagiert, sei es im Rahmen eines Vereins oder privat.“

Seit kurzem teilt sich Graumann die Zuständigkeit fürs Quartiersmanagement mit Hauptamtsleiter Ralph Hartner. Während der Bauamts-Chef für alle städtebaulichen Belange verantwortlich zeichnet, ist Hartner für die sozialen Belange zuständig. Diese unterschiedlichen Schwerpunkte sollen sich auch in der Stellen-Neubesetzung widerspiegeln. Graumann: „Es ist vor allem wichtig, dass die Person menschlich geeignet ist für den Posten des Quartiersmanagers. Künftig soll das Augenmerk vor allem auf dem Sozialen liegen. Mit Sandra Aufenanger haben wir ja im Bauamt eine Mitarbeiterin, die sich gut in der Siedlung auskennt und städtebauliche Aufgaben übernimmt.“

Und was ist mit dem IHK, dem Integrierten Handlungskonzept, der Grundlage für das Förderprogramm „Soziale Stadt“? Eigentlich sollte dessen Abschlussbericht jetzt bereits vorliegen. Graumann erklärt: „Wir wollten dem neuen Quartiersmanager die Gelegenheit geben, noch aktiv am IHK mitzuwirken.“ Durch die Absage des Kandidaten habe sich das nun aber erledigt; auf den nächsten Kandidaten könne man nicht warten. „Wir sind schon recht weit. Jetzt wird der Entwurf fertig gemacht und noch vor der Sommerpause der AG vorgelegt. Die Stadträte bekommen ihn nach der Sommerpause. Bis Jahresende wollen wir durch sein.“ Grundsätzlich findet auch Graumann, dass der häufige Wechsel im Quartiersmanager-Büro einer kontinuierlichen Arbeit keinesfalls dienlich ist. In der Vergangenheit mag mancher Stellenwechsel auch daran gelegen haben, dass der Job befristet war. Eine Befristung gebe es zwar heute auch noch, aber mit der guten Aussicht, dass die Stelle etabliert wird, so der Bauamtsleiter. „Wichtig ist, dass Kontinuität reinkommt. Das Quartiersmanagement hat viel mit Vertrauen zu tun, mit gewachsenen Verbindungen.“ Bis zur nächsten „Wachstumsphase“ wird es auf jeden Fall noch Monate dauern.

Geschlossen: Wie die Stadt mitteilt, ist das Büro des Stadtteilzentrums vom 4. bis 21. August geschlossen.

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