KITZINGEN/DETTELBACH

Das Landschaftsbild verändert sich

Bis ins Frühjahr 2020 werden zwischen Kitzingen und Dettelbach auf fünf Kilometer Länge Freileitungen entfernt. Die Erdkabel liegen bereits.
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Noch hängen die Leitungen zwischen Albertshofen und Kitzingen. In den nächsten Wochen werden sie abgebaut. Die Gewächshäuser stellen dabei eine besondere Herausforderung dar. Fotos: Ralf Dieter Foto: Ralf Dieter
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Das Stromnetz ist immer in Bewegung. In den nächsten Wochen und Monaten bewegt sich so einiges zwischen Kitzingen und Dettelbach. 35 Freileitungsmasten werden nach und nach abgebaut. Auf einer Länge von fünf Kilometern wird sich die Landschaft ein Stück weit verändern.

Etwa 60 Jahre sind die Masten alt. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum die Main-Donau Netzgesellschaft jetzt tätig wird. „Das ist ein komplexes System“, sagt Bauleiter Roland Hoh. Verschiedene Komponenten müssen bei so einer Entscheidung miteinander abgewogen werden: Wie sieht die künftige Stromversorgung in dem entsprechen Gebiet aus? Welche Pläne haben die Bewohner und Gemeinden vor Ort? Ist eine Sanierung der Freileitungen letztendlich wirtschaftlicher als die Verlegung neuer Kabel im Erdreich?

„Für die Gewächshäuser mussten wir uns was

Besonderes einfallen lassen.“

Roland Hoh, Bauleiter

„Wir haben eine Zehnjahresplanung“, sagt Hohn und muss lächeln. „In der Praxis sind wir aber alle zwei Jahre neu am Planen.“ Kein Wunder: Immer wieder gibt es Neuerungen zu bedenken und einzuarbeiten. Eine Biogas-Anlage entsteht, Windräder werden errichtet oder eine Photovoltaikanlage gebaut. „Den erzeugten Strom müssen wir einspeisen“, erinnert N-Ergie Pressesprecherin Annemarie Endner. Sollten die E-Autos tatsächlich massenhaft nachgefragt werden und entsprechend viele Ladestationen entstehen, würde sich die Planung wieder neu verschieben.

„Das ist immer wieder eine neue Herausforderung“, sagt Roland Hoh und erinnert an die Pläne, im Mainfrankenpark eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 30 Megawatt zu bauen. „Forschung und Entwicklung sind sehr aktiv“, sagt er. „Für uns ist das ganz schön spannend.“

Etwas außerhalb von Albertshofen sind die Mitarbeiter der Firma Spie derzeit am Werkeln, kappen die ersten Stromleitungen. Die Anlieger sind schon vor etlichen Wochen informiert worden. „Hier gibt es viele Gartenbaubetriebe“, erinnert Hoh und deutet in Richtung Kitzingen. Dort glitzert eine besondere Herausforderung für die Techniker im Licht der Sonne. „Für die Gewächshäuser mussten wir uns was Besonderes einfallen lassen.“

Normalerweise werden die Leitungen gekappt und dann in der Flur aufgerollt. Anschließend werden sie als Altmetall entsorgt. „Über den Gewächshäusern können wir die Leitungen natürlich nicht so einfach ablassen“, sagt Steffen Rühr von der ausführenden Firma Spie. Also werden die Leitungen mit Hanf ummantelt und dann ganz sanft heruntergelassen. „So bleibt das Glas intakt.“

Mit drei Mitarbeitern ist Steffen Rühr zugange, zunächst sind die Flächen zwischen Albertshofen und Mainsondheim dran. Dort wartet eine weitere Besonderheit: die Querung der Autobahn. „Die muss für eine Viertelstunde gesperrt werden, wenn die Leitungen gekappt werden“, erklärt Bauleiter Hoh. In zwei Wochen wird es wohl so weit sein. Dann geht es weiter Richtung Main. „Wir werden auch auf dem Golfplatz tätig“, sagt Steffen Rühr und hofft auf möglichst trockenes Wetter. „Sonst sind die Flurschäden irgendwann zu groß.“

Für mögliche Schäden werden die Grundbesitzer entschädigt. „Die bleiben auch nicht aus“, weiß Roland Hoh. Schließlich müssen die Arbeiter mit schwerem Gerät auf den Feldern herumfahren. Der Hubsteiger, mit dem sie bis in 20 Meter Höhe gehievt werden, ist auf einer LKW-Ladefläche montiert. „Das Ganze wiegt schon ein paar Tonnen.“

So gut es eben geht, nehmen die Arbeiter Rücksicht auf die Landwirte. „Wenn die Ernte einer bestimmten Frucht im Gange ist, kommen wir natürlich nicht“, sagt Hoh. Auch deshalb werden sich die Arbeiten bis ins kommende Frühjahr hinein ziehen. Nach dem Rückbau werden die Gärtner ihre Flächen maschinell besser bewirtschaften können, steht ihnen doch kein Mast mehr im Weg. Auf Strom müssen sie deshalb natürlich nicht verzichten. Die Mittelspannungskabel, die auf rund sechs Kilometer Länge entlang der Wirtschaftswege zwischen Dettelbach und Kitzingen im Erdreich versenkt wurden, sind bereits seit dem Frühjahr 2019 in Betrieb.

Rund 120.000 Euro wird alleine der Rückbau kosten, insgesamt geht Roland Hoh von Kosten zwischen einer und eineinhalb Millionen Euro für das Projekt aus. Viel Geld, das aber auch Vorteile bringt. „Es wird dann weniger angekündigte Stromabschaltungen geben“, prophezeit er. Und für die Netz-Monteure wird das Arbeiten einfacher werden. Andererseits sind eventuelle Störungen bei einer Freileitung leichter zu sehen als bei den Erdkabeln. Es ist halt alles sehr komplex im deutschen Stromnetz – und ständig im Wandel.

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