Kitzingen
Jubiläum

Das Kitzinger Rathaus steckt voller Geschichte(n)

Das Kitzinger Rathaus wird 450 Jahre alt. Fritz Lenhart kennt es in- und auswendig.
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Das Kitzinger Rathaus um 1910. An diesem Wochenende feiert die Stadt 450 Jahre Rathaus.  Foto: Stadtarchiv
Das Kitzinger Rathaus um 1910. An diesem Wochenende feiert die Stadt 450 Jahre Rathaus. Foto: Stadtarchiv
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Er kennt das Rathaus wie kaum ein anderer. Verwunderlich ist das nicht. Fritz Lenhart ist beinahe jeden Tag dort zu finden. Und das seit 25 Jahren. Fritz Lenhart ist der Hausmeister. Und die Freude an seiner Arbeit ist ihm bei jedem Schritt durch Kitzingens Juwel anzusehen.

450 Jahre Rathaus feiert die Stadt an diesem Wochenende. Am Freitagabend mit einem Festakt, am Sonntag mit einem Tag der offenen Tür. Die Besucher können dann beispielsweise einen Blick in den frisch gebohnerten und gewachsten historischen Trausaal werfen oder die Wendeltreppe im Altbau begehen. Letzteres hätte sich vor einigen Tagen noch als schwierig und unangenehm erwiesen. "Hier hat´s wild ausgesehen", sagt Lenhart und muss selbst schmunzeln.

Zusammen mit seinem Stellvertreter Wolfgang Richard hat er die Wendeltreppe mitsamt den Wänden vom Schmutz der letzten 30 Jahre befreit. "Unsere Putzfrauen haben sich hier nicht reingetraut", sagt der 58-Jährige. Also haben die beiden Männer selbst zu Besen und Schaufel gegriffen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die steinerne Wendeltreppe gehört sicher zu den Höhepunkten der Besichtigungstour.

1988 hat Lenhart seinen Job als "Rathausmeister" begonnen. Von 7 bis 17 Uhr dauert seine Regelarbeitszeit. "Aber ich bin viel öfter hier", sagt er. An den Wochenenden werden gerade der Trausaal und die historische Rathaushalle gerne für Veranstaltungen gebucht. Die Auf- und Abbauarbeiten übernimmt der gelernte Elektriker. "Ich bin mehr im Rathaus als daheim", sagt er.

In den ersten Jahren als Hausmeister hat Lenhart sogar die Silvesternächte im Rathaus verbracht. 1984 hat eine Silvesterrakete den Dachstuhl in Flammen gesetzt. Noch heute erinnern ein paar verkohlte Holzbalken im Dachboden an den Großbrand. "Das Feuer habe ich damals vom Felsenkeller aus gesehen", erinnert sich Lenhart. Vier Jahre später stand er selbst im neu errichteten Dachstuhl - quasi als lebendiger Feuermelder. Von 23.45 bis 0.45 Uhr hatte er in der Silvesternacht Dienst. Und das im Dunkeln. "Licht konnte ich nicht an machen, sonst hätten die Leute hoch gewollt." Mittlerweile kann Lenhart die Silvesternächte daheim verbringen. Moderne Rauchmelder sind an den Holzbalken installiert.

Die waren allerdings nutzlos, als ganz andere Eindringlinge den Dachstuhl heimsuchten. Als die Tür, an der die Stadtfahne befestigt ist, einmal länger offen stand, nutzten das hunderte Tauben gleich aus und nisteten sich unter dem Rathausdach ein. "Den Boden haben wir kaum mehr sauber gekriegt", erinnert sich Lenhart.

Einen Stock tiefer, im Alten Rathaus, sind an drei Stellen ganz andere Melder an den Balken angebracht. Mit bloßem Auge sind die Messinstrumente kaum zu sehen. "Hier sind immer wieder mal kleine Teile heruntergefallen", berichtet Lenhart. Der Hausmeister teilte das gleich den Kollegen vom Bauamt mit. Die haben vor 13 Jahren mit einem Statiker die so genannten Rissemonitore angebracht, um gewarnt zu sein, falls tatsächlich Gefahr in Verzug wäre. "Alles in bester Ordnung", versichert Klaus Rützel vom Hochbauamt. "Das Rathaus ist schließlich richtig stabil gebaut worden."

1563 war das neue, steinerne Rathaus, mitsamt Steuerturm und Kellerbrunnen fertig gebaut. Vorher stand ein hölzernes Kaufhaus am Markt. Im Lauf der Jahrhunderte hat das Gebäude den Dreißigjährigen Krieg und zwei Weltkriege überstanden. Auch ungewöhnliche Mieter hat das Gebäude erlebt. In den 60er Jahren war die Stadtpolizei in einem Nebengebäude untergebracht, die historische Rathaushalle wurde von der Feuerwehr in den 60er Jahren als Gerätehaus benutzt.

1987 ist die umgebaute Halle samt Keller eingeweiht worden. Seither dient sie der Stadt als repräsentativer Ort für allerlei Veranstaltungen. Fritz Lenhart und sein Stellvertreter Wolfgang Richard richten die Halle dann entsprechend her und räumen die Stühle und das Rednerpult am nächsten Tag wieder weg. So wird es auch an diesem Wochenende sein, wenn das Kitzinger Rathaus seinen 450. Geburtstag feiert.












Info
Tag des offenen Rathauses
Sonntag, 10. November, von 12 bis 17 Uhr.
Attraktionen: Das Goldene Buch zum Anfassen und Durchblättern; Präsentation der Paul-Eber-Bibel; Fotoaktion: Oberbürgermeister für einen Tag. Außerdem stellen sich die einzelnen Abteilungen vor.
Führungen: Erklärung der Rathausfassade. Treffpunkt vor dem Eingang der Rathaushalle. Auf jeder Ebene stehen außerdem Stadtführer zur Verfügung.
Blick von oben: Mit der Feuerwehrdrehleiter in 25 Meter Höhe fahren.
Datenschutz: Mitarbeiter des Einwohnermeldeamtes erklären, welche persönlichen Informationen auf dem Chip des Passes gespeichert sind.

Historische Daten Rathaus
1563 Fertigstellung des neuen steinernen Rathauses samt Steuerturm und Kellerbrunnen
1645 Reparatur am Rathaus wegen Schäden des Dreißigjährigen Krieges.
1870 Schürraum, Küche und Requisitenkammer werden zu einem Raum, dem heutigen Standesamt, zusammengelegt.
1895 Gründung des Städtischen Museums mit zwei Räumen im Rathausgebäude.
1922-1923 Zur Rathauserweiterung erwirbtdie Stadt die Nachbargebäude "Ulshöferhaus" und "Adlerhaus”.
1945 Beim Luftangriff auf Kitzingen am 23. Februar wird das Rathaus verschont. Im Keller war die Luftschutz-Befehlsstelle untergebracht.
1964 Umzug der Feuerwehr von der Rathaushalle in die Landwehrstraße.
1984 Großbrand im Dachstuhl am 31. Dezember durch einen Feuerwerkskörper.
1987 Einweihung der umgebauten Rathaushalle samt Keller.
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