KITZINGEN

"Das ist nicht fair"

Die Verantwortlichen des Bürgerzentrums in Kitzingen kämpfen um die Zukunft ihrer Einrichtung. In einer Bürgerwerkstatt sollen Lösungen erarbeitet werden.
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Sie sorgen sich um das Bürgerzentrum und rufen die Bevölkerung zur Teilnahme an einer Bürgerwerkstatt auf: Reinhard Kniess, Gertrud Vielweber und Renate Fabian. Foto: Foto: Ralf Dieter

Kitzingen Die Zeit läuft davon. Am 30. Juni muss das Bürgerzentrum geräumt sein. So will es die Stadt. Die Vereinsvorsitzenden sind enttäuscht und suchen nach Lösungen. Aufgeben gilt nicht. Eine Bürgerwerkstatt soll jetzt Ideen liefern. Am kommenden Wochenende haben sich neben den Vertretern der 16 Vereine, die das Bürgerzentrum in der Schrannenstraße nutzen, bereits zehn Stadträte angemeldet. Jetzt sind noch interessierte Bürger gefragt.

Wofür braucht es ein Bürgerzentrum in Kitzingen?

Renate Fabian: Da muss ich ein bisschen ausholen.

Bitte.

Renate Fabian: Wir hatten 1992 alle rund 150 Vereine in der Stadt angeschrieben und waren entsetzt, wie die Stadt mit ihnen umgegangen ist. Die Sportvereine waren das A und O, bekamen jede Menge Zuschüsse. Andere Gruppierungen hatten nicht einmal eine Bleibe.

Gertrud Vielweber: Die Soziokultur in Kitzingen hat man total vernachlässigt.

Das ist lange her.

Renate Fabian: Und vieles hat sich verändert. Aber es gibt immer noch genügend Vereine und Menschen, die einen Anlaufpunkt in der Stadt brauchen.

Wer nutzt denn das Bürgerzentrum?

Gertrud Vielweber: 16 Vereine, von der Volkstanzgruppe über die Reservisten und Eisenbahnfreunde bis hin zum Bibelkreis. Unsere Bürgerstube ist drei Mal die Woche geöffnet. Es kommen Menschen, die einen Anlaufpunkt brauchen, die sich unterhalten wollen, die sich über einen Tee oder Kaffee freuen.

Reinhard Kniess: All das wird ehrenamtlich geleistet.

Jetzt ist das Haus verkauft und Sie müssen raus.

Renate Fabian: Das stimmt so nicht ganz. Verkauft ist das Haus nicht. Es gibt nur eine Absichtserklärung, dass hier ein Hotel entstehen soll. Ein Betreiber ist bis heute nicht gefunden. Und wir haben der Stadt vertraut, dass der Beschluss von 1992 immer noch Gültigkeit hat.

Der besagt?

Renate Fabian: Dass Stadt und Bürgerzentrum Partner sind. Wir betreuen die Vereine und pflegen das Gebäude. Die Stadt übernimmt im Gegenzug die Betriebskosten. Jetzt sollen wir raus. Das ist nicht fair.

Die Stadt hat sich nach alternativen Standorten umgesehen.

Reinhard Kniess: Das ist richtig. Aber sie ist nicht fündig geworden.

Gertrud Vielweber: Manche Gebäude waren zu klein, andere zu teuer.

Renate Fabian: Die Stadt hat die Suche mittlerweile eingestellt. Wir sollen uns selber auf die Suche machen.

Reinhard Kniess: Eine Unverschämtheit.

Was erwarten Sie von der Stadt?

Renate Fabian: Dass sie uns und unsere Wünsche ernst nimmt. Hier leistet ein Verein wertvolle ehrenamtliche Arbeit, die der Stadt gerade mal 12000 Euro an Betriebskosten pro Jahr kostet. In der Siedlung ist ein Stadtteilzentrum für 2,4 Millionen Euro gebaut worden, dort fallen Personalkosten an, die weit über unserem Budget liegen. Damit das nicht falsch rüberkommt. Dort wird sicher gute Arbeit geleistet. Aber wir brauchen hier in der Stadt doch auch einen Anlaufpunkt für Vereine und Menschen, die Kontakt suchen. Das hat nicht zuletzt unsere Umfrage vor einem Jahr gezeigt.

Damals haben Sie innerhalb kürzester Zeit mehr als 1000 Unterschriften für den Erhalt des Bürgerzentrums gesammelt.

Renate Fabian: Das Erstaunlichste war: Den Kitzingern ging es vor allem um die Zukunft des Hauses. Sie wollen an dieser Stelle kein Hotel, sondern sprechen sich für eine weitere Nutzung als Bürgerzentrum aus.

Sie würden auch am liebsten in dem Gebäude bleiben?

Gertrud Vielweber: Na klar, der Standort ist ideal und wir sind überzeugt, dass ein soziokulturelles Zentrum in Kitzingen gebraucht wird.

Renate Fabian: Kommt das Hotel, wird eines der letzten schönen Gebäude in Kitzingen zweckentfremdet. Das finde ich sehr schade. Dabei könnte man dieses Gebäude vielfältig nutzen.

Zum Beispiel?

Renate Fabian: Die oberen Räume könnten von weiteren Vereinen genutzt werden, der Bedarf ist sicher da. Und der Keller wäre doch ein guter Standort für eine Vinothek.

Reinhard Kniess: In den Vereinen rumort es. Viele wollen um das Haus mitkämpfen.

Wozu braucht es dann eine Bürgerwerkstatt?

Gertrud Vielweber: Um gemeinsam herauszufinden, wie ein bürgerschaftliches Miteinander in Kitzingen aussehen könnte. Und wo es stattfinden kann.

Renate Fabian: Wir gehen ganz offen und ohne Vorgaben in diesen Workshop. Es gibt Vorträge, Diskussionen von Experten und Arbeitsgruppen, in denen verschiedene Aspekte beleuchtet werden. Am Ende wäre es schön, wenn wir ein zukunftsfähiges Konzept für ein bürgerschaftliches Engagement in Kitzingen hätten.

Bürgerwerkstatt:

Wann: Freitag, 17. Mai, 18 Uhr bis Sonntag, 19. Mai, 14 Uhr.

Wo: Bürgerzentrum in der Schrannenstraße 35 in Kitzingen.

Anmeldung bis spätestens 14. Mai per Mail an Reinhard.Kniess@t-online.de oder direkt im Bürgerzentrum.

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