KITZINGEN

Das himmlischste Hobby

Forum Stellarum: Gemeinsam hinauf zu den Sternen blicken
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Zu den „Astro-Infizierten“ gehören Männer und Frauen aus unterschiedlichen Teilen Frankens und mit ganz verschiedenen Berufen (von links stehend): Florian, Winfried, Thomas, Angie, Steffen, Mareike, Karsten, Jürgen, Martina, Johannes, (von links sitzend): Georg, Christoph, Ulf, Uwe und Martina. Für den Kalender, den Ulf Fiebig und Uwe Schultheiß hochhalten - im Bild zu sehen die Galaxie NGC 891 – hat Pater Christoph in der Klostersternwarte Münsterschwarzach alle Bilder selbst fotografiert. Foto: Foto: Diana Fuchs

Die Sonne steht schon tief am Himmel. Es ist ein schöner Sommerabend, warm und wolkenlos. „So lieben wir das“, sagt Ulf Fiebig. Der lange Biergarten-Tisch, an dem er Platz genommen hat, ist heiß begehrt. Immer mehr Menschen kommen und unterhalten sich über geheimnisvolle Dinge: Refraktoren, Reflektoren, Binos, Spektive, Nachführung. Als die Sonne untergegangen ist, schnellen wie auf Kommando alle Blicke nach oben. Richtung Himmel. Was dort passiert, in den unendlichen Weiten des Universums, ist Dreh- und Angelpunkt ihrer monatlichen Treffen, die stets an einem anderen Ort in Franken stattfinden.

Ihr gemeinsames Hobby hat die Menschen zusammengebracht. Vereint im „Forum Stellarum – Astronomie in Franken“ blicken Lehrer, Gärtner, Physiotherapeut, Steinmetz, Kfz-Meister, Kaufmann, Benediktiner-Pater und Elektro-Ingenieur miteinander ins Weltall.

Ulf Fiebig aus Kitzingen hat das „Forum Stellarum“ 2009 mitbegründet. Inzwischen, so sagt er, werde er oft gefragt, warum man sich überhaupt noch ein Teleskop kaufen und in der Kälte der Nacht auf einen Berg stellen soll, um das Weltall zu beobachten; es gebe doch im Internet alles in viel besserer Qualität zu sehen. Seine Antwort: „Weil wir alles live und in echt sehen wollen! Die Photonen, die direkt von dem beobachteten Objekt in meine Augen fallen, waren Millionen bis zu Milliarden Jahre unterwegs zu mir. Das zu wissen, macht es für mich aus!“ Dennoch sei das Internet für die „Astro-Infizierten“ ein wichtiges Medium, denn online können Sternenfreunde vergleichsweise leicht in Kontakt miteinander treten – egal, wo sie wohnen. Vor der Online-Zeit habe wahrscheinlich „jeder von uns gedacht, dass er der einzige Verrückte weit und breit ist“.

Die Auswahl an Teleskopen ist riesig. Wer 750 bis 1000 Euro investieren könne, der bekomme „etwas Vernünftiges für mehrere Jahre“. Fiebig rät allen Interessenten, sich vor dem Kauf genau zu überlegen, was man will: ein modernes GPS-gesteuertes Teleskop mit Go-to-Montierung, das sogar Deep-Sky-Himmelobjekte anhand von Koordinaten fast von alleine findet, oder vielleicht doch lieber ein einfach gebautes Dobson-Teleskop, das ohne viel Technikschnickschnack auskommt?

„Ich liebe mein Dobson“, stellen Mareike Thimm aus Volkach und Angie Schmidt aus der Nähe von Schweinfurt übereinstimmend fest. Nach dem Motto „Mechanik statt Elektronik“ könne sie jederzeit spontan den Nachthimmel beobachten, sagt Angie Schmidt. Ganz anders geht Uwe Schultheiß in der Nacht zur Sache. Er schaut nicht nur, er zeichnet das, was er durchs Teleskop sieht, mit feinen Bleistiftstrichen nach. Später vergleicht er seine Kunstwerke mit den Fotos der Kollegen, die jedes Mal aufs Neue verblüfft sind, wie jemand allein durch Schauen so exakte Proportionen und Farbabstufungen hinbekommt.

Am Kreuzberg, zwischen Volkach, Nordheim und Sommerach treffen sich die Sternenfreunde gern, weil dort wenig Lichtverschmutzung herrscht. „Generell findet man wenige wirklich dunkle Beobachtungsplätze. Dass auch nachts überall alles beleuchtet sein muss, versteh? ich echt nicht“, kommentiert Ulf Fiebig kopfschüttelnd. Wenn die Forumsmitglieder Zeit haben, fahren sie auch gern in die Rhön, wo es besonders gute, dunkle Beobachtungsplätze gibt.

Apropos Dunkelheit: Am 21. August werden zwei Forumsmitglieder eine totale Sonnenfinsternis erleben: Florian Bleymann fliegt eigens in die USA, an die Westküste Oregons, um die „Sofi“ erleben und fotografieren zu können – die Kameraausrüstung wird einen Extra-Koffer brauchen. Pater Christoph Gerhard, Cellerar des Benediktinerklosters Münsterschwarzach und leidenschaftlicher Hobby-Astronom, ist zeitgleich in Nebraska. Seit Wochen fiebern die Franken dem großen Tag entgegen.

In Europa wird die nächste „Sofi“ 2026 in Spanien zu sehen. Ulf Fiebig hat sich den Termin schon mal vorgemerkt. Der Familienvater hat gelernt zu warten. „Unser Hobby braucht Geduld und Zeit.“

Dafür wird man aber auch himmlisch belohnt. Mareike Thimm beschreibt ihre Gefühle beim Sterngucken so: „Es ist einfach großartig und faszinierend, wenn einem klar wird, wie gewaltig das Universum ist und wie klein wir sind.“

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