Dettelbach

Das Defizit bleibt bestehen

Jahresabschluss 2017, Anhebung der Pflegesätze ab 1. Mai um durchschnittlich fünf Prozent sowie Haushaltssatzung und Wirtschaftsplan 2019 – der Stadtrat Dettelbach befasste sich in seiner Sitzung ausführlich und teils kontrovers mit der Lage des Alten- und Pflegeheims der Hornschen Spitalstiftung.
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Jahresabschluss 2017, Anhebung der Pflegesätze ab 1. Mai um durchschnittlich fünf Prozent sowie Haushaltssatzung und Wirtschaftsplan 2019 – der Stadtrat Dettelbach befasste sich in seiner Sitzung ausführlich und teils kontrovers mit der Lage des Alten- und Pflegeheims der Hornschen Spitalstiftung.

Am Ende jedoch stimmte das Gremium fast einstimmig dem vorgelegten Zahlenwerk zu, auch wenn der Wermutstropfen bleibt, dass 2017 ein Fehlbetrag von knapp 200 000 Euro zu Buche schlägt, der von der Stadt getragen werden muss. Und in den Folgejahren sieht es nicht besser aus. Im Gegenteil. Heimleiter Dominik Graber rechnet für 2018 und 2019 jeweils mit über 300 000 Euro Defizit.

Das schmeckte etlichen Stadträten gar nicht, auch wenn sich das Gremium in der Vergangenheit einig war, dass die Einrichtung erhalten werden soll. Allerdings, so Manfred Berger (SPD), sei der Stadtrat gefragt, wenn es um die Frage gehe, was mit dem Haus geschehen soll. "Der ursprüngliche Stiftungsgedanke ist lange weg", monierte er und fragte, ob es vernünftig ist, das Heim zu erhalten. Marcel Hannweber (CSU) empfahl, "dringend über eine Umstrukturierung" nachzudenken und die Rechtsform zu ändern, um Tätigkeiten zum Beispiel an einen Steuerberater auslagern zu können.

Doch in eine echte Grundsatzdiskussion wollte niemand einsteigen. Vielmehr ging es um die Frage, welche Berechnungen vorliegen müssen, um gut gewappnet in die anstehenden Pflegesatzverhandlungen zu gehen. Hannweber fragte in diesem Zusammenhang dezidiert nach dem Jahresabschluss für 2018, der noch nicht vorliegt. Der CSU-Fraktionsvorsitzende: "So wie hier könnte das in keiner Firma laufen." Bürgermeisterin Christine Konrad bezeichnete die Vorstellung Hannwebers hinsichtlich des Jahresabschlusses 2018 als "Wunschdenken". Sie verwies zudem darauf, dass Heimleiter Graber derzeit zwei Funktionen gleichzeitig ausübe und erst seit einigen Monaten im Amt sei. Auch Graber selbst nannte den Zeitrahmen von einem halben Jahr, den er benötige, um alles auf den aktuellen Stand zu bringen.

Doch damit war der Stadtrat nur bedingt zufrieden. So forderte Ralph Peckmann (FW) ein "vierteljährliches Monitoring" und erklärte weiter: "Wenn das so weiter geht, dann nimmt das kein gutes Ende". Auch Eva-Maria Deppisch (SPD) bemängelte, dass es vom Stadtrat die Vorgabe gebe, dass vierteljährlich Berichte vorzulegen seien. Und Siegfried Voltz (Ortssprecher Schernau, CSU) machte deutlich, dass "man so nicht wirtschaften kann. Ohne Zahlen geht es nicht".

Anders beurteilte Roland Hardörfer (FW) die Lage. Die Zahlen seien dem Stadtrat lange bekannt gewesen, "bis auf ein paar Kröten rauf oder runter". Der Vorwurf an die Verwaltung sei daher "unfair", auch in anderen Heimen sei die Situation ähnlich problematisch. Auch verwies er darauf, dass der Anstieg des Defizits der Tatsache geschuldet sei, dass bestimmte Arbeiten von Verwaltung oder Bauhof jetzt dem Spital in Rechnung gestellt werden.

Dabei konnte Heimleiter Dominik Graber durchaus auch mit Positivem aufwarten. Die 31 Plätze des Alten- und Pflegeheims waren 2016 und 2017 je nach Kalkulationsbasis zwischen 93,74 und 98,11 Prozent ausgelastet. Es gibt aufgrund fehlender Räumlichkeiten keine Tagespflege, aber Kurzzeitpflege werde nach Lage der Dinge "eingestreut". Graber: "Auch bei der Personalausstattung im Betreuungsbereich gab es Verbesserungen. Der Schlüssel für die zusätzlichen Betreuungskräfte (bisher 1:40 nur für Menschen mit Demenz) wurde auf 1:20 verbessert und auf alle Pflegebedürftigen ausgeweitet." Die Heimbewohner selbst geben der Einrichtung eine durchweg sehr positive Bewertung (1,1). auch der medizinische Dienst bewertet das Haus gut mit 1,8, wobei die Pflege und medizinische Versorgung mit 2,5 etwas abfällt, während die anderen drei Bereiche (Umgang mit demenzkranken Bewohnern, Betreuung und Alltagsgestaltung sowie Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene) jeweils mit einer glatten 1,0 glänzen.

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