HELLMITZHEIM

Das Bürgerhaus als Flatterhaus

Mehr als 50 Leute sind zur Bürgerversammlung in Hellmitzheim gekommen. Bürgermeister Josef Mend geht neben wenigen Problemen auf das neue Flatterhaus ein.
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Der kleine Holzofen vorne in der Ecke bollert wie immer, mancher legt erst mal das Jackett ab, und Bürgermeister Josef Mend greift beherzt zur Johannisbeersaftschorle. Mollig warm ist es im Saal des Gasthauses Goldene Krone, dem Quartier der Bürgerversammlung, wo auch an diesem Mittwochabend wieder mehr als 50 Leute sitzen. Selten in den vergangenen Jahren ist es hitzig geworden bei dieser Gelegenheit. Die Hellmitzheimer sind ein friedliches Völkchen, immer noch stark geprägt von der Landwirtschaft. Das 380-Seelen-Dorf ist stolz auf seinen Kinderchor, hat eine Gaststätte, den Kindergarten und bald eine weitere Attraktion: das Flatterhaus.

Weil Hellmitzheim in der näheren Umgebung die „höchste Population an Fledermäusen“ hat, wie Stadtteilreferent und Vizebürgermeister Ludwig Weigand ausführt, wird im Bürgerhaus derzeit an einer interaktiven Dauerausstellung gearbeitet. Das Besondere: Sie zeigt in Echtzeit das Leben in einer Fledermauskolonie, aufgenommen im Dachstuhl des Gebäudes, wo die Tiere ein- und ausfliegen und in einer Wärmeglocke abhängen können.

Mit einem Festakt und prominenten Gästen soll das Projekt am 4. Mai gestartet werden; danach steht das Haus an vier Werktagen die Woche von 10 bis 18 Uhr für jeden offen. Weigand sagt: „Das Flatterhaus gäbe es nicht, wenn es den Bürgerhausverein nicht gäbe.“ Die Kosten von etwa 60 000 Euro teilen sich der bayerische Naturschutzfonds, die Stadt Iphofen, der Landesbund für Vogelschutz und Sponsoren. „Wir haben in Hellmitzheim keine großen Probleme“, sagt Bürgermeister Mend eingangs. Als „größeres Problem“ sieht er dann aber doch die drohenden Platzverhältnisse im Kindergarten. Aufgrund der „extrem hohen Nachfrage“ sei es „ein bisschen übervoll“. Vor allem in der Krippe, in der schon Kinder ab einem Jahr betreut werden, herrscht Raumnot.

Deshalb überlegen die Stadt als Eigentümerin des Hauses und die evangelische Kirchengemeinde als Trägerin, wie dem Engpass zu begegnen ist. „Wir prüfen mehrere Möglichkeiten“, sagt Mend. Auch eine Erweiterung steht auf der Agenda.

Sanieren will die Stadt das Gebäude in der Sportplatzstraße 5, im Dorf als Jägerhaus bekannt. „Ich weiß“, so sagt Mend, „dass manche hier es gerne abreißen würden.“ Die Stadt aber hat andere Pläne mit dem von ihr erworbenen Anwesen, das als eines der wenigen im Dorf den Zweiten Weltkrieg überstanden hat. Jetzt soll es als Heimstatt für anerkannte Flüchtlinge hergerichtet werden.

Für den Umbau erhält die Stadt 90 Prozent Zuschuss aus einem Sonderprogramm des Freistaats, gut 450 000 Euro. Sieben Jahre ist Iphofen dann an die Vereinbarung gebunden. Mend sagt: „Wir sanieren das Denkmal von Grund auf, aber wir werden nicht jeden Farbstrich nachpinseln.“

Um eine pragmatische Lösung bemüht sich die Stadt auch beim Umbau des Feuerwehrgerätehauses. „Wir wollen keinen Palast“, heißt es dazu aus Reihen der Wehr. Geplant ist, die Halle mit einem automatischen Tor auszustatten, Fußboden und Elektrik zu erneuern, Außen- und Innenwände herzurichten und die obere Decke zu dämmen. Im hinteren Teil sollen eine Toilette und eine Heizungsanlage eingebaut werden – und der Kommandant wird einen eigenen Raum erhalten.

Fragen zu all dem? Keine. Der Bürgermeister hat wie immer routiniert sein Pensum abgespult. Nach eineinhalb Stunden ist er durch mit seinen Themen.

Vor lauter Routine vergisst Mend an diesem Abend, was er noch immer gebracht hat am Ende; was als Schlusswort berühmt und berüchtigt ist; eine Art Ritual: der Hinweis, dass Hunde nicht von Jedermann geliebt würden und daher anzuleinen seien. Und das Bonmot, dass Hundekot im Sinne des Verursacherprinzips zu beseitigen sei. Manchmal ist eben doch nicht alles so, wie man es zu kennen glaubt.

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