Kitzingen

Da wächst etwas zusammen

In den "Internationalen Gärten" in Kitzingen gedeihen nicht nur seltene Pflanzen.
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Auch Topanimbur gedeiht im Garten von Hassan Abdolzahra. Die Knollen lassen sich so ähnlich zubereiten wie Kartoffeln.
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Hassan Abdolzahra ist sichtlich zufrieden. Stolz blickt er über sein kleines Reich nahe des Mainufers in Etwashausen. Die Tomaten sind reif, der Luffa blüht und es duftet überall nach frischen Kräutern.

Vor fünf Jahren ist das Projekt „Internationale Gärten“ in Kitzingen gestartet. Nach dem Ende der Kleinen Landesgartenschau im Jahr 2011 stand die Frage im Raum, was mit den Flächen hinter dem Winterhafendamm geschehen soll. Astrid Glos hatte die Idee, 40 Parzellen an interessierte Hobbygärtner aus dem Raum Kitzingen zu vergeben. Ihr Ziel: Die Gärten würden gepflegt, ein Miteinander würde entstehen – über kulturelle und nationale Grenzen hinweg. Die Hoffnung hat sich erfüllt. „Das Projekt läuft super“, freut sich Glos.

„Das Projekt läuft super.“
Astrid Glos, Organisatorin

31 Familien aus neun verschiedenen Nationalitäten beackern die Parzellen, bauen sowohl fränkisches Gemüse an als auch Pflanzen aus ihrer jeweiligen Heimat. Natürlich gibt es auch einen fränkischen Bauerngarten, der von Anni Neeser betreut und gepflegt wird.

Hassan Abdolzahra ist im fünften Jahr bei den Internationalen Gärtnern dabei. „Das macht viel Freude“, sagt und schiebt sich die Mütze tiefer ins Gesicht. „Ich mag die frische Luft hier, die Natur und den Austausch mit den anderen Gärtnern.“

Hassan ist im Irak geboren worden, in El-Huwayder. Die Ähnlichkeiten mit Kitzingen sind unverkennbar. Etwa 15 000 Einwohner hat die Stadt, liegt direkt an einer Flusschleife. In der Umgebung gedeihen Datteln und Orangen, Gärtner bauen Gemüse an, Imker pflegen ihre Bienen. Manchmal lässt sich Hassan Samen per Post kommen. Bei der Hitze in diesem Jahr sind die klimatischen Bedingungen von Kitzingen gar nicht so weit entfernt von denen im El-Huwayder.

Deutscher und arabischer Basilikum wachsen nebeneinander in seiner Parzelle, Kichererbsen hat Hassan angebaut. Stangenbohnen, Buschbohnen, Zuckermais: In der kleinen Parzelle wird jede Fläche ausgenutzt. Drei verschiedene Zucchini hat der Hobbygärtner angepflanzt, drei verschiedene Tomatensorten. An einem Strauch macht Hassan Halt, schaut sich die roten Blüten an. „Schade“, sagt er. Der Luffa findet hier wohl doch nicht die gleichen Bedingungen wie im Irak.

Zwar blüht der Schwammkürbis schön, aber die Früchte, die als Massage- und Badeschwamm Verwendung finden, sind doch sehr klein ausgebildet. Die Pflanze kennt Hassan aus seiner Heimat, hat ein paar Samen hier einfach mal in den Boden gesteckt. „Wahrscheinlich muss es noch länger warm bleiben“, meint er. Der Herbst hält in Kitzingen halt doch früher Einzug als in El-Huwayder. „Jeder kann anbauen, was er möchte“, erklärt Astrid Glos das Prozedere in den Internationalen Gärten. Nur Bäume sind nicht erlaubt. Manche Nutzer haben in diesem Jahr Zäune um ihre Parzelle errichtet. Die müssen im Herbst wieder abgebaut werden. Bei Hochwasser stellen sie eine unzulässige Barriere dar.

„Das hier ist mein Lieblingsort.“
Hassan Abdolzahra, Hobbygärtner

Vor kurzem haben sich Vertreter einer integrativen Initiative aus Schweinfurt die Kitzinger Einrichtung angesehen und waren ganz begeistert. Möglich, dass das Projekt, das 2014 von der Regierung von Unterfranken ausgezeichnet wurde, bald in Schweinfurt einen Nachahmer findet.

Im April werden Jahr für Jahr die Anteile neu vergeben. Interessenten gibt es in Kitzingen und Umgebung genug. Hassan Abdolzahra lacht bei der Frage, ob er sich wieder um eine Bewirtschaftung seiner kleinen Parzelle bewerben wird. „Natürlich“, meint er. „Das hier ist mein Lieblingsort.“

Namen: Das Projekt nennt sich „KuM-Hortas-Integrative Gärten.“ „KuM“ heißt auf Jabim, der Sprache Neu-Guineas „Garten“ und auf fränkisch „komm mit.“ „Hortas“ ist das spanische Wort für Gärten.



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