KITZINGEN

CSU hat doppelten Grund zum Feiern

Der CSU-Kreisverband hat seinen Neujahrsempfang in der Kitzinger Rathaushalle gefeiert. Vor 70 Jahre wurde der Kreisverband Kitzingen der Christlich Sozialen Union gegründet.
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Viele Besucher hatte der Neujahrsempfang der CSU in Kitzingen. Die Ehrengäste Heinrich Schmalz, Ruth Bauer und Michael Glos (vorne von links) standen beim Polittalk mit dem Landtagsabgeordeneten Otto Hünnerkopf Rede und Antwort Foto: Fotos: ROBERT HAAS
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Am Sonntagabend feierte der CSU-Kreisverband seinen Neujahrsempfang in der Kitzinger Rathaushalle. Wohl auf den Tag genau 70 Jahre zuvor wurde der Kreisverband Kitzingen der Christlich Sozialen Union gegründet. Doppelter Grund zum Feiern also für die Partei, die mit Alexander Dobrindt dazu einen Bundesminister als Festredner geladen hatte.

Wahlplakate stehen in einer kleinen Ausstellung am Rande der Versammlung und geben einen interessanten Einblick, nicht nur in die Frisuren der vergangenen dreißig, vierzig Jahre. Da werden Gesichter wieder lebendig, die längst in der Versenkung der politischen Wirklichkeit versunken sind, von denen heute keiner mehr redet. Aber auch Erfolgsgeschichten, etwa Michael Glos, der Bundeswirtschaftsminister wurde.

Glos selber spielt in der Versammlung später noch eine Rolle, als er, moderiert von Otto Hünnerkopf, zusammen mit Ruth Bauer und Heinrich Schmalz in einer Talkrunde über vergangene Zeiten in der Partei redet.

Heinrich Schmalz, ehemaliger Kreisvorsitzender, ehemaliger Chef der Kreistagsfraktion und ehemaliger Bezirksrat ist ein Urgestein: Seit 65 Jahren ist er Parteimitglied, hat sie im Kreis mit geprägt und erfolgreich durch die Unbilden der Gebietsreform geführt.

Aus seiner Erfahrung der Kriegs- und Nachkriegszeit heraus sagt er: „Nur eine Partei, das kann nicht das Heil sein, es muss mehrere geben.“ Für ihn ist es wichtig, Position zu beziehen, sich zu bekennen. Denn was für die Politik gar nicht gilt ist: Der Klügere gibt nach. Denn dann kommt der Dümmere dran. Parteien werden nur dann reizvoll, wenn sie Profil zeigen, um dem Wähler ein Angebot zu bieten.

Ein Urgestein ist auch Ruth Bauer. Auch sie ist geprägt von der Nachkriegszeit, erinnert sich, wie die junge Bundesrepublik wieder in die Gemeinschaft der Nationen aufgenommen wird, wie Botschaften im Land eröffnet werden. „Politik braucht die Menschen, die mitmachen“, sagt sie und das war auch ihre Motivation sich einzumischen. Denn auch Frauen, was bei ihrem Parteieintritt vor 50 Jahren noch alles andere als selbstverständlich war, sind wichtig für die Gestaltung des Lebens.

Und so war sie in vielen Bereich die Erste: Kreisvorsitzende in Unterfranken etwa. Und hat dann auch entsprechend Karriere gemacht, bis hin zur stellvertretenden Landesvorsitzenden der Frauenunion. Eine „wunderbare Zeit“ mit Kontakten ins ganze europäische Ausland. Für sie ist die Freundschaft und die Solidarität, die sie in der Partei gefunden hat, eine wichtige Motivation – und so ruft sie dazu auf, diese Freundschaften zu pflegen. Eher Zufälle, oder vielleicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, so sieht Michael Glos seinen Aufstieg: Der fast an der Gebietsreform zerbrochene Ortsverband bietet ihm als Kreisdelegierter die Möglichkeit, für den Kreistag zu kandidieren. Vom schlechten Listenplatz aus wird er um 19 Plätze nach vorne gewählt – sein persönliches Engagement macht dies möglich – und auch die Tatsache, dass er ein Auto hat und so die Delegierten seines Ortsverbands zur Versammlung fahren kann.

Zum Bundestagskandidaten wird er später mit nur einer Stimme Mehrheit gewählt. Für ihn sind es prägende Persönlichkeiten, in seinem Fall Franz-Josef Strauß, die zur Politik führen können. Seiner Partei rät er, die Eigenständigkeit in der Union mit der CDU zu bewahren: „Getrennt marschieren, geeint schlagen“, so Glos.

Davor gab es die Festrede des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt, der die Aufbauarbeit der Gründergeneration lobt, deren Engagement heute kaum noch vorstellbar ist. Natürlich geht er auf die Flüchtlingskrise ein, stellt fest, dass es ebenso wie für die Belastbarkeit der Sozialsysteme, der Integrationsfähigkeit, des Arbeits- und Wohnungsmarktes Obergrenzen gibt, dies auch für die Zahl der Flüchtlinge gelten müsse. Wie diese aussehen, lässt er aber offen und zeigt sich enttäuscht über die mangelnde Solidarität Europas in dieser Frage. Die Zeit für andere Lösungen wird knapp, so Dobrindt, auf Dauer müsse es nationale Maßnahmen geben.

Ein wahres Füllhorn an Investitionen schüttet sein Ministerium über die Region, das sich vor allem im sechsspurigen Ausbau der A 3 zwischen Biebelried und Fürth zeigt, und nur durch die unermüdliche Arbeit der Abgeordneten vor Ort möglich wurde. Viel Geld gibt es auch für die digitale Infrastruktur: „Schnelles Internet entscheidet heute über die Zukunft einer Region.“

Ins Schwärmen gerät er beim autonomen Fahren. Er selbst hat dies auf einer Autobahnstrecke testen können – Technik, die viele noch erleben werden und bei der es gelte, schon allein der Wertschöpfung wegen, vorne mit dabei zu sein. Und klar: „Wir wollen, dass diejenigen, die heute kostenlos über unsere Autobahnen fahren, bezahlen“, so verteidigt er die Autobahnmaut, die nur für Ausländer gelten soll und erteilt Vorstößen der Europäischen Kommission einer generellen Maut eine klare Absage.

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