Dürrnbuch

Christbäume fangen klein an - und manche Gärtner auch

Die "Europa Minigärtner Wiesentheid" besuchen die Weihnachtsbaum-Pflanzungen der Familie Alt in Dürrnbuch.
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Rainer Alt aus Dürrnbuch erklärt Chiara, Alina, Leopold, Ludwig, Marvin, Lukas, Marit und Hendrik, worauf sie beim Pflanzen von Weihnachtsbäumen achten müssen.
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Handgemalte Schilder weisen den Weg, ungewöhnlich viele Autos folgen ihnen an diesem stillen Vormittag. Es ist der zweite von 20 Terminen, den die „Europa Minigärtner Wiesentheid“ wahrnehmen. Sie wollen an diesem Tag Experten in Sachen Christbäume werden.

Strahlende Herbstsonne, warme Temperaturen und das farbenfrohe Leuchten der Buchen, die dem Ort den Namen geben, lassen noch gar nicht an Weihnachten denken. Aber was mal ein Weihnachtsbaum werden will, das fängt klein an. Aus dem Samen gezogen, dauert es nahezu drei Jahre, bis so ein Baum ausgepflanzt wird. Und dann vergehen noch einmal vier oder gar mehr Jahre, ehe er gefällt und als Baum für das Fest verkauft wird. Doch das ist nicht das Einzige, was die Kinder heute lernen.

Begleitet werden sie von Margot Burger von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau, die das Minigärtner-Projekt im Landkreis Kitzingen betreut, das auf eine Initiative der Gräfin Bernadotte in Mainau zurückgeht. Sie bedankt sich herzlich bei den Eltern, die ihre Sprösslinge hergefahren haben und organisiert die quirlige, fröhliche Gruppe. An der Anbaufläche warten bereits Kathrin und Rainer Alt sowie der Senior des Betriebes, Fritz Alt, auf die jungen Besucher. Liebevoll haben sie alles für die Gäste vorbereitet, ein Sitzkreis aus Strohballen wartet zwischen den kleinen Tännchen, dazu Tee und Muffins. Doch zuvor gilt es, anzupacken und auf Entdeckungsreise zu gehen. Die ersten beiden der drei Gruppen, die eingeteilt werden, dürfen neue Bäumchen anpflanzen. Was da im Hänger in zwei Eimern wartet, scheinen auf den ersten Blick gerade einmal ganze zwei junge Bäume zu sein. Doch tatsächlich sind es 50 Pflanzen. Jetzt gilt es, eine Schnur zu spannen und die Abstände abzumessen, damit auf dem Hang eine exakte Pflanzreihe entsteht, die jedem Baum genug Abstand zum Nachbarn lässt. 1,25 m sollen es sein. Leuchtend rote Stäbe zeigen an, wo eine Pflanze hingehört.

Dann muss die schwere Hacke gehandhabt werden – für die Jüngeren gar nicht so einfach. Hier und da muss Rainer Alt ein bisschen nachhelfen. Die zierliche Marit schafft es gleich als erste. Und nach und nach setzt jeder seinen Baum, hakt, gräbt, drückt die Erde fest mit vollem Einsatz.

Wach und aktiv sind alle dabei. „Boah, sind da Wurzeln!“, stellt Lukas fest. „Ja, von den alten Bäumen“, erklärt Rainer Alt. Und Leopold fällt auf, dass ein Baum unten rot-vertrocknete Nadeln hat. Tja, da hat der Senior beim Mähen wohl nicht aufgepasst. Oder eines der Schafe, die als lebende Rasenmäher fungieren, hat sich zu fest am Baum gerieben. Es sind tolle Viecher, diese Schafe: Shropshire-Schafe, eine besondere Rasse, die die Bäume nicht verbeißt. Ihre Ausscheidungen dienen als Dünger. Und sie können noch etwas: Mit ihrem Gewicht treten sie die Erde fest, so dass Wühlmäuse weniger Chancen haben.

Die zweite Gruppe hat gleich das genaue Hinsehen als Aufgabe. Gemeinsam mit Kathrin Alt und einem Fragebogen machen sich die Kinder auf, verschiedene Nadelbäume zu identifizieren. Da wird getastet und gerochen, gerieben und gemessen. „Sticht es oder nicht? Denn: Die Fichte sticht, die Tanne nicht.“ „Das hatten wir schon mal in der Grundschule“, erinnert sich Alina. Ein lautes, theatralisches „Ah“ ertönt und zeigt an, dass wohl jemand eine Tanne gefunden hat. Aber nun gilt es, die Nadeln zu zerreiben und zu entscheiden: Riechen sie eher nach Zitrone oder nach Weihnachten? Dann ist die Farbe wichtig, die Höhe, die Länge der Nadeln. Nach und nach finden die Kinder so Nordmanntanne, die Blaufichte und die Fichte mit den raspeligen Zweigen, dann die Colorado-, die Küsten- und die Edeltanne. Alles, was es zu lernen gibt, wird selbst mit allen Sinnen erfahren. Erzählt wird nur, was es nicht zu sehen gibt, etwa, dass die Sorte Nordmanntanne, die man aus Rußland bezieht, dort „Waldfee“ genannt wird. Auch, wie man Weihnachtsbäume bearbeitet, ist ein Kapitel für sich. Sie wachsen nämlich nicht alle vorbildlich in idealer Pyramidenform. „Genau wie bei den Menschen“, sagt die Seniorin Marianne Alt, die später dazukommt. „Jeder ist anders und hat seine Eigenarten. Und wir wollen auch gar nicht, dass sie alle gleich und genormt aussehen.“ Aber ein paar Schönheitseingriffe nehmen die Alts doch vor. Zu sehr nach oben wachsende Äste werden beschwert. Und eine Top-Stop-Zange kerbt den Stamm und sorgt dafür, dass er nicht allzu weit nackt und ohne Seitenzweige in die Höhe schießt. Kathrin Alt führt es an Ort und Stelle vor. Die Kinder kennen die Narben und ertasten sie an vielen Bäumen. Sie streichen immer wieder versonnen darüber, wie auch über Äste und Nadeln. Es werden die bestgestreicheltsten Christbäume sein, die die Familie Alt je verkauft hat. Wenn es ein Ziel war, den Kindern einen liebevollen Umgang mit der Natur nahezulegen, dann wurde er an diesem Tag erreicht. Die Kinder sind so beschäftigt, dass die Zeit kaum für das zweite Frühstück reicht. Alle nehmen am Ende eine kleine Tanne als Geschenk mit nach Hause. Zoe hat außerdem eine Mini-Eiche entdeckt, der sie im heimischen Garten eine Chance geben will. Ihre Mutter packt den Schößling sorgsam ein. Eine andere Mutter ordert schon einmal den Baum für Weihnachten. Sie wird wiederkommen, wenn bei Familie Alt der Baum-Verkauf beginnt und die Weihnachtsscheune öffnet, im Advent.

Steigerwaldtannen Alt Dürrnbuch

Tannenbaumverkauf Alt: Die Gründung des Tannenbaumverkaufs der Familie Alt im Geiselwinder Ortsteil Dürrnbuch geht auf das Ende der 1980er-Jahre zurück. Die ersten Bäume wurden 1988 gepflanzt. In dem Familienbetrieb im Steigerwald werden Nordmanntannen, Blaufichten, Küstentannen, Coloradotannen, Nobilistannen und Engelmannstannen angeboten. Der Verkauf erfolgt ab Hof.

Wissenswertes: Kathrin Alt und Projektleiterin Margot Burger (LGW) hatten für die Minigärtner viele Informationen über die verschiedenen Baumarten sowie Wissenswertes rund um Weihnachtsbäume zusammengestellt. In Deutschland werden jedes Jahr über 25 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. 90 Prozent davon wachsen auch in Deutschland. Viele Weihnachtsbäume, die auf einer Kulturfläche gepflanzt werden, sind bereits zwei bis vier Jahre alt. Im Alter von acht bis zwölf Jahren werden die Weihnachtsbäume geerntet. 80 Prozent der in Deutschland verkauften Weihnachtsbäume sind Nordmanntannen. In einer 2006 ausgestrahlten Folge der Sendung „Frag doch mal die Maus“ wurden an einer 1,63 Meter hohen Nordmann-Tanne 187 333 Nadeln gezählt. red



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