Markt Einersheim
Fußball

Champions-League: Aus Brüdern werden Gegner

Bayern oder Dortmund? Die Frage, wer die Champions League gewinnt, entzweit die Nation und manchmal auch ganze Familien. Zwei Brüder gehen sich am Samstagabend eher aus dem Weg. Und ein Buchbrunner hat am Vatertag das Ticket für Wembley gelöst.
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Johannes Volkamer (links) und sein Bruder Tom fiebern am Samstag mit ihren Teams. Zwei Tage lang wollen sie sich danach aus dem Weg gehen..
Johannes Volkamer (links) und sein Bruder Tom fiebern am Samstag mit ihren Teams. Zwei Tage lang wollen sie sich danach aus dem Weg gehen..
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Einer wie er hat im eigenen Auto kein profanes Duftbäumchen unter dem Spiegel. Stattdessen verströmt ein kleines Dortmund-Trikot Stadionluft im Auto. Bei einem wie ihm ist man verleitet, sogar die österreichische Autobahnvignette auf der Windschutzscheibe - sie ist BVB-gelb - noch für einen Dortmunder Fanartikel zu halten. Vieles im Leben von Johannes Volkamer hat mit der Borussia zu tun. Vieles, aber eben nicht alles. Sein Bruder zum Beispiel. Der denkt in sportlichen Angelegenheit anders. Ganz anders. Er sieht rot, wenn er an Borussia Dortmund denkt. Tom Volkamer ist Bayern-Fan. Die Brüder aus Markt Einersheim sind glühende Anhänger ihrer Mannschaften. Am kommenden Samstag ist die Bruderliebe daher reichlich strapaziert.

Brüder schauen getrennt
Zum Finale der Champions League am Samstag gehen sich die Brüder aus dem Weg. "Das ist auch besser so", sagt Johannes. Zuletzt waren sie 2009 zusammen in Dortmund. Bayern bescherte den Borussen damals mit 5:1 die höchste Heimniederlage. "Im Auto war es danach von Dortmund bis nach Hause mucksmäuschenstill", gesteht Tom Volkamer. Der 5:2-Erfolg der Dortmunder im letztjährigen DFB-Pokalfinale über den FC Bayern entschädigte Johannes für die damals erlittene Schmach. "Da wollte ich ihn zwei Tage nicht mehr sehen", frozzelt sein roter Bruder. Diesmal wird es ähnlich werden. Einer wird jubeln, der andere abtauchen.

"Das wird eines der umkämpftesten Spiele des Jahres", prophezeit Johannes Volkamer. "Aber Dortmund wird 2:1 gewinnen." Sein Bruder hält dagegen. "Ich denke, es geht ins Elfmeterschießen. Da hat dann Bayern die Nase vorn." Wer oder was wird das Spiel entscheiden? "Bayern hat das Drama aus dem letzten Jahr noch vor Augen. Die dürfen einfach nicht verlieren", sagt Tom. Sein Bruder lächelt verschmitzt. "Genau das macht den Unterschied aus", sagt er ganz entspannt. "Außerdem ist der Trainer Jürgen Klopp der bessere Motivator."

Geschenk der Extraklasse
Um Karten hatte sich der Dortmund-Fan beworben, war aber nicht zum Zug gekommen. Ralf Kerbaum hatte da mehr Glück. Der 44-jährige Buchbrunner ist ebenfalls Borussen-Fan im Bayern- oder muss man sagen Feindes-Land. Vor seinem Haus weht demonstrativ die Dortmund-Fahne. Sein Auto trägt das BVB-Logo. Im Hausgang hängen an den Wänden hinter Glas Borussen-Trikots vergangener Jahre. Kerbaum hatte sich gleich nach dem Halbfinal-Erfolg um Karten bemüht. "Am Morgen des Vatertags kam dann die E-Mail mit der wunderbaren Nachricht", erzählt der gebürtige Münsteraner stolz. "An diesem Tag bin ich nur noch geschwebt". Mit seinem Freund Harald Ziegler wird Kerbaum am Samstagmittag von Nürnberg aus nach London fliegen. Sonntagabend geht es dann zurück. Selbst die Trikots für den Flug liegen schon bereit. "Für den Hinflug tragen wir die BVB-Retro-Shirts". Das aktuelle Trikot wird im Stadion übergezogen. Und das Sieger-Shirt wollen sich die beiden Freunde nach dem Spiel im Stadion kaufen. Auf dem Papier schiebt Kerbaum allerdings den Roten die Favoritenrolle zu.

"Die Chancen stehen 60 zu 40 für Bayern. Die haben die besseren Einzelspieler", sagt der Dortmund-Fan. Dennoch wirkt auch er wie Johannes Volkamer aus Bayern-Sicht irgendwie unheimlich gelassen. "Aber wir haben das bessere Kollektiv. Und deshalb gewinnen wir 3 zu 1."

Bayern holt das "Triple"
Entscheidend ist auch aus Kerbaums Sicht der Trainer. "Klopp kann ein Spiel besser lesen", schätzt der Borussen-Fan. Und dann geht beim ihm doch kurz die Diplomatie flöten: "Die Bayern wollen das Triple", sagt er lächelnd, wobei er nicht auf die zu gewinnenden Titel der aktuellen Saison anspielt, sondern auf die zwei vorangegangenen Final-Pleiten in der Champions-League. "Das kriegen sie jetzt auch."

Bei aller Rivalität sind sich alle in einem Punkt einig. "Zwei deutsche Mannschaften im Champions-League-Finale! Das hatten wir noch nie", schwärmt Tom Volkamer. Ähnlich sehen das die Dortmunder. "So oft kommen wir nicht ins Champions-League-Finale. Das muss man einfach genießen", sagt Ralf Kerbaum voller Vorfreude. Ein gutes Spiel und ein friedliches Fußball-Fest, das erhoffen sich die Fans vor dem Fernseher und im Stadion.

Zahlen rund ums große Finale:
86 000 Karten
wurden fürs Finale verkauft. Jeweils 25 000 gingen an den FC Bayern und den BVB.

200 000 Grashalme wachsen auf einem Quadratmeter des Finalrasens.

107 Stufen muss der Sieger zur königlichen Loge hoch steigen, um den Pokal entgegenzunehmen. Im alten Wembley-Stadion waren es nur 39 Stufen.

54 Kilometer lang wäre die Sitzreihe, würden alle Sitze aneinander gereiht.

Zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien wird das neue Wembley-Stadion betrieben.

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