Castell

Castell trägt Schwarz

Beisetzung von Albrecht Fürst zu Castell-Castell: Eine Trauerfeier mit friedlich-familiärem Charakter und Gedanken zu Auferstehung und Vergebung.
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Beisetzung Albrecht Fürst zu Castell-Castell
Fürbitten beim Gottesdienst in der St. Johannes-Kirche: Am Altar der Casteller Dekan Günther Klöss-Schuster und eine Enkelin von Albrecht Fürst zu Castell-Castell.

Das ewige Leben, die Auferstehung – zwei Tage vor Pfingsten war diese Verheißung der zentrale Gedanke bei der Trauerfeier für Albrecht Fürst zu Castell-Castell. Der 90-Jährige war am Montag nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben, „nach einem langen, erfüllten Leben“, wie der Casteller Dekan Günther Klöss-Schuster beim Gottesdienst in der St. Johannes-Kirche in Castell sagte.

„Wer den Weg zum Friedhof als letzten Gang betrachtet, macht Gott klein“, führte er weiter aus. „Das wäre der Sieg des Todes, ein Leben ohne Ostern. Dabei spricht Gott: Ich mache alles neu.“ Der katholische Beichtvater des Verstorbenen, Alt-Abt Fidelis aus dem nahen Kloster Münsterschwarzach, erinnerte an das Sehnsuchtslied der Benediktiner mit der Zeile: „Herr, enttäusche mich nicht in meinem Vertrauen.“ Das werde bei der Profess – dem Eintritt ins Kloster – und dem Tod eines Mitbruders gesungen.

Albrecht Fürst zu Castell-Castell sei in seinen letzten Stunden die Bitte um Vergebung „Herzensanliegen“ gewesen, so Dekan Klöss-Schuster weiter. Es gehörte zu den bewegendsten Momenten der Trauerfeier, als eine der acht Enkelinnen, die am Altar Fürbitten vortrugen, sagte: „In seinem Namen bitte ich alle um Vergebung, die er verletzt, zu wenig beachtet, denen er wehgetan hat – auch durch seine Ansichten.“

Enkelinnen sprechen Fürbitten

Eine andere Enkelin bat um Gesundheit für erkrankte Familienmitglieder, vergaß dabei auch einen früheren Mitarbeiter nicht. Und eine Dritte wünschte ihrer Oma „für diesen jetzt vor dir liegenden, ganz neuen Abschnitt“ Gottes Segen. Das passte zum friedlich-familiären Charakter von Trauerfeier und Beerdigung, „ganz ohne Pomp“, wie Castells Bürgermeister Jochen Kramer treffend bemerkte.

In der Kirche hatten 500 Trauernde, im Schlosspark weitere 600 den Gottesdienst im Zelt mit Videoübertragung verfolgt. Anschließend zog der vereinte Trauermarsch am Schloss vorbei zum fürstlichen Friedhof. Mit dem 13-Uhr-Läuten der Glocken wurde der Sarg („Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“) ins Grab gelassen. An diesem bewölkten Tag mit vielen Schauern waren fast alle Adelshäuser aus der fränkischen Umgebung vertreten.

Viele Gäste kamen von weit her angereist. Per Post waren in den Tagen nach dem Tod des Fürsten weit über 1000 Briefe und Karten als Beileidsbekundungen eingegangen, so Jesko Graf zu Dohna, ein Neffe des Verstorbenen und Archivar der Castells. Zu den Trauergästen gehörten auch Geistliche und Vertreter von Religionsgemeinschaften, wie etwa der Würzburger Weihbischof Ulrich Boom und Josef Schuster als Präsident des Zentralrats der Juden.

Oscar-Gewinner unter den Trauergästen

Gekommen war auch Florian Henckel von Donnersmark: Der Filmregisseur entstammt einer alten deutschen Adelsfamilie. Donnersmark erhielt 2007 einen Oscar für sein Werk „Das Leben der Anderen.“ Der 43-Jährige besitzt bereits durch seine Vorfahren gute Verbindungen zum Haus Castell, wohnte sein Vater doch nach dem Krieg fünf Jahre lang im Rüdenhäuser Schloss. Er fungierte dort als Berater und führte in der Zeit auch die Geschäfte beider Fürstenhäuser.

Zur Beerdigung war auch der frühere FDP-Fraktionschef im Bundestag, Hermann Otto Solms, gekommen, der wie die Witwe, Marie-Louise Fürstin zu Castell-Castell, aus Lich (Hessen) stammt. „Ich habe an dem Verstorbenen immer den Drang zur Versöhnung bewundert“, sagte der 75-Jährige beim Empfang in der Reithalle. „Es freut mich, dass er nicht lange leiden musste, auch das Ende wie so vieles gut hinbekommen hat.“

Viele der Trauergäste verbanden sehr persönliche Erinnerungen mit dem Verstorbenen – etwa Prichsenstadts Pfarrer Erich Eyßelein: „Der Fürst war ein Bekenner, was er sagte, hat er auch so gelebt. Er gab mir Tipps, etwa als ich einmal als Pfarrer bei der Casteller Kirchweih eine Rede halten sollte. ,Machen Sie das wie immer: kurz und spritzig‘, sagte er.“

Sehr gut kannte den Verstorbenen auch Rudolf Falkenstein, seit vielen Jahren Leiter der Fürstlichen Landwirtschaft. „Sehr akkurat und stets interessiert an der Landwirtschaft“, sagt er über Albrecht Fürst zu Castell-Castell. „Einmal im Jahr machten wir eine Rundfahrt über die Felder, auf der er schauen wollte, wie es dort aussieht. Er ist sogar Mähdrescher gefahren.“ Harald Brügel, Vorstand des Casteller Weinbauvereins, wird die „ruhige, besonnene Art“ in Erinnerung bleiben, was heute selten sei. „Und er war verlässlich.“

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