Laden...
Nordheim

Brandbekämpfung aus der Luft: Bundeswehr löscht mit Bambi

Die Wälder sind schon wieder gefährlich trocken. Auch deswegen übte die Bundeswehr bei Nordheim die Löschung aus der Luft. Der Pilot bewies dabei sein ganzes Können.
Artikel drucken Artikel einbetten
Übung zur Brandbekämpfung: Unterhalb der Vogelsburg ist der Hubschrauber der Bundeswehr im Anflug, um im Main den Behälter mit Wasser zu befüllen. Foto: Bundeswehr/P. Straub
+3 Bilder

Ganz knapp für dem Wasser schwebt ein Hubschrauber über dem Altmain bei Nordheim – wie ein riesiges Insekt das von Büschen und Bäumen versteckt wird. An einem langen Seil zieht der Helikopter einen riesigen Sack hinter sich her. Die Seitentür ist geöffnet, ein Soldat im Kampfanzug und Helm beugt sich heraus. Plötzlich, auf Höhe des Bundeswehr-Wasserübungsplatzes, steigt der Hubschrauber wieder hoch, der Sack hängt in der Luft. Prall gefüllt mit Mainwasser.

Mit 300 Stundenkilometer zum Feuer

"Wir üben hier die Brandbekämpfung aus der Luft, so zum Beispiel bei Waldbränden", erklärt Oberstleutnant Peter Straub vom Transport Hubschrauberregiment 30 in Niederstetten (Main-Tauber-Kreis). In Volkach im Einsatz: der neue Bundeswehr-Hubschraubertyp NH 90. Der Standort hat 22 Helikopter, die in allen Klimazonen fliegen können und ausschließlich Menschen oder Material transportieren. "Wir sind reine Transportflieger. Das ist unser Geschäft!", sagt der Offizier stolz. Der Feuerlöscheinsatz ist nur ein Punkt in der umfassenden Ausbildung der Besatzungen, und "er hat keinen militärischen Hintergrund. Er wird im Rahmen der zivilen Nothilfe angewendet". Geübt wird mit dem neuen Löschbehälter "Bambi Bucket", der bis zu 2000 Liter Wasser aufnehmen kann. Da er faltbar ist, kann er im Hubschrauber transportiert werden. Kurz vor der Einsatzstelle landet der Hubschrauber, die Besatzung macht den Sack einsatzklar und hängt ihn an einem speziellen Ladehaken.

"Die früheren Wasserbehälter waren starr und hatten nur ein Fassungsvermögen von 900 Liter. Sie mussten erst durch andere Einheiten zum Brand gebracht werden", erklärt Straub die Vorteile. Die neue Lösung sei ein wesentlicher Leistungssprung. "Man fliegt mit fast 300 Stundenkilometer zum Einsatz, baut dort auf und ist sofort fertig zur Brandbekämpfung." Auch dieses Manöver wird auf einer Wiese am Wasserübungsplatz mehrfach geübt. Landen, Behälter ausladen und entfalten, anhängen und sofort wieder starten. Zwei Mann der Besatzung schaffen das in wenigen Minuten.

Rotorblätter gefährlich nah an den Bäumen

Dann sucht der Pilot eine geeignete Wasserentnahmestelle. Dort, wo der Altmain ziemlich gerade verläuft, nähert er sich im Schwebeflug langsam der Wasseroberfläche. Der Sack setzt auf. Jetzt ist der Bordmechaniker dran: Weit lehnt er sich aus der Schiebetür heraus und versucht den aufrecht schwimmenden Behälter zum Kippen zu bringen. Gurte schützen ihn vom Herausfallen.  Über den Bordfunk ist er mit dem Piloten verbunden. Kippt der Behälter muss der Hubschrauber schneller fliegen, um ihn zu befüllen  – die schwierigste Phase des Fluges. Der Pilot muss ständig das Umfeld des Flusses im Auge behalten und die Flughöhe exakt einhalten. Die Rotorblätter nähern sich gefährlich den Baumwipfeln. Dann gibt der Mechaniker das Signal: "Voll!" – und der Heli steigt hoch. Einige Kilometer weiter wird das Wasser über dem Fluss an einer fiktiven Brandstelle im Schwall abgelassen. "Mittlerweile haben wir vier Besatzungen als Multiplikatoren für die anderen Besatzungen ausgebildet. Eine Besatzung besteht aus zwei Piloten und dem Bordmechaniker", erklärt Peter Straub die Übung.

Die hügelige Umgebung am Übungsplatz sei deal für solche Manöver. Straub betont, dass die Übungen, die an verschiedenen Orten stattfinden, vorher bei den entsprechenden Behörden angemeldet und genehmigt werden müssen. Natürlich auch nachts: "Wir sind 24 Stunden, also rund um die Uhr, mit den nachtflugtauglichen Maschinen einsatzbereit", sagt Straub. Bei einem echten Einsatz stimmt sich die Bundeswehr mit der Feuerwehr vor Ort ab. Sie klären zum Beispiel, wo Tanklöschfahrzeuge mit dem Wasser aus dem Sack gefüllt werden können. Dazu der Oberstleutnant: "Gerade Bayern ist führend im Feuerlöschwesen aus der Luft. Speziell an der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg werden sogenannte Flughelfer ausgebildet, die solche Landeplätze errichten und betreiben und mit denen wir eng zusammenarbeiten."

Der Hubschrauber NH 90

Der NH 90 (NATO-Helikopter 90) ist ein militärischer Transporthubschrauber der 10-Tonnen-Klasse. Er erstand als in multinationales Vorhaben der NATO mit dem Ziel, eine neue Hubschraubergeneration der neun bis elf Tonnen Klasse zu entwickeln. Die Gründernationen waren Frankreich, Italien, die Niederlande und Deutschland. Neben einer maritimen Variante entstand noch der NH 90 TTH (Taktischer Transport Hubschrauber) für landgestützte Operationen. Der ausschließlich vom Heer benutzte Helikopter kann 4,2 Tonnen laden beziehungsweise bis zu 14 Soldaten aufnehmen. Er hat ein Leergewicht von 6,2 Tonnen, ist 19,30 Meter lang und 4,65 Meter breit. Der Rotor hat einen Durchmesser von 16,30 Meter. Er kann bis zu 300 Stundenkilometer schnell fliegen. Der Stückpreis liegt bei etwa 50 Millionen Euro.
Quelle: Bundeswehr