KLEINLANGHEIM/WÜRZBURG

Bierig nach Mehr

Christoph Vasicek nähert sich seinem ganz persönlichen Lebenstraum
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Benjamin Stix und Christoph Vasicek in ihrem Würzburger Bierfachhandel. Etwa 250 verschiedene Biersorten warten dort auf ihre Käufer. Foto: Fotos: Ralf Dieter
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Christoph Vasicek hat es geschafft. „Ich wollte immer Brauer lernen“, sagt der 28-Jährige. Den Ausbildungsplatz hat er in der Tasche. Und mehr noch: Mit seinem Kumpel Benjamin Stix hat er einen eigenen Bierladen in Würzburg aufgemacht. Fehlt eigentlich nur noch ein Traum, der Realität werden muss.

Christoph Vasicek ist in Kleinlangheim aufgewachsen. Das Geräusch von Bier, das sich aus Zapfhähnen in Biergläser ergießt, hat ihn nicht gerade durch die Kindheit begleitet. Dann schon eher das Wimmern von Kreissägen. Vasiceks' Eltern besitzen ein Sägewerk. Nach der Schulzeit war er dort fast acht Jahre lang tätig. Im Hinterkopf immer die Hoffnung, dass sein Traum vom Brauer-Beruf doch noch in Erfüllung geht. „Bis zu meinem 30. Geburtstag habe ich mir Zeit gegeben“, erzählt der Kleinlangheimer. Spätestens bis dahin wollte er einen Ausbildungsvertrag zum Brauer in der Tasche haben. Oft hat er sich beworben, immer gab es Absagen. „Es gibt halt nicht allzu viele Ausbildungsplätze in diesem Beruf“, sagt er.

Fränkische Biervielfalt

Jetzt hat es doch noch geklappt. Gerade noch rechtzeitig. Am 6. Dezember wird Christoph Vasicek 29. Seit kurzem arbeitet er als Lehrling im Brauhaus Bergmann in Glattbach bei Aschaffenburg. Er dürfte einer der überqualifiziertesten Lehrlinge sein, die es in der Bierbranche gibt.

„Ich war schon immer ein leidenschaftlicher Biertrinker und habe gerne die fränkische Vielfalt erkundet“, sagt Vasicek. Als dann ein guter Freund von Castell nach Schottland zog, um dort als Brauer zu arbeiten, hat er noch einmal eine ganz neue Welt der Biere für sich entdeckt. Mit Hilfe von Fachzeitschriften und auf Biermessen bildete er sich fort. Doch das war dem Kleinlangheimer nicht genug. An der Doemens-Academy in Gräfelfing und im Bierkulturhaus in Obertrum im Salzburger Land hat er sich zum Biersommelier ausbilden lassen. Zwei Wochen geballte Theorie. Montag bis Samstag, immer von früh um 8 bis abends um 23 Uhr. Danach fünf Prüfungen. Seither ist Christoph Vasicek einer von rund 40 fränkischen Biersommeliers.

Galerist und Maler

Was ein Biersommelier können muss? Vasicek hat einen Vergleich mit der Kunstszene. „Als Sommelier bist du eine Art Galerist, präsentierst die Kunstwerke in einem möglichst ansprechenden Rahmen.“ Der Brauer ist dagegen der Maler, derjenige, der das Kunstwerk herstellt – und sich dabei möglichst kreativ zeigen soll. Vasicek möchte in der Bierwelt beides sein. Galerist und Maler.

Miteigentümer eines Fachladens ist er eher zufällig geworden. Der eigentliche Partner ist kurzfristig abgesprungen, Christoph Vasicek hat die Chance ergriffen. An Wissen mangelt es dem 28-Jährigen nicht. Seit Jahren ist er Gast auf einschlägigen Biermessen, hat Kontakt zu kleinen und großen Brauereien aufgenommen, kennt nicht selten den Chef persönlich.

Etwa 250 verschiedene Biersorten bieten Vasicek und Stix in ihrer „Bierothek“ in der Würzburger Innenstadt an. „Die allermeisten habe ich probiert“, sagt er und schmunzelt. Die wenigen, die er noch nicht getrunken hat, kann er trotzdem anpreisen. Eine Geschichte kennt er zu jedem Brauer und zu jeder Brauidee allemal. Und das muss auch so sein. Die Kunden sind neugieriger geworden, anspruchsvoller. Viele Frauen sind darunter und auch etliche Senioren. „Die freuen sich, dass es endlich eine größere Vielfalt an Biersorten und Geschmack gibt“, weiß der 28-Jährige aus vielen Kundengesprächen. Und die Frauen? „Die sind in Sachen Bier von jeher viel offener als Männer“, versichert er.

Wein und Bier. Warum nicht?

Der Hype um kleine Brauereien und Craft-Biere freut ihn. Die scheinbar übermächtige Konkurrenz der Weine in Franken schreckt ihn gar nicht. „Ein gutes Bier braucht sich vor einem guten Wein nicht zu verstecken“, ist er überzeugt. Zumal es mittlerweile viele kreative Herangehensweisen gibt. Bei Fortbildungen testet er auch schon mal beides im Wechsel – Bier und Wein. „Dazu verschiedene Käsesorten. Ein Traum.“ Vasicek kennt Bier mit Schokoladegeschmack, Bier, das nach Lakritze oder Kaffee duftet. Längst reifen Biere in Weinfässern, es gibt Brauer, die einen Silvaner- oder Müller-Thurgau-Bock anbieten. Die Kunden wissen diese Vielfalt zu schätzen.

Christoph Vasicek ist auf einem guten Weg, sich seinen beruflichen Traum zu erfüllen. Hat er seine Brauerlehre erst einmal abgeschlossen, will er seinem Lebenstraum noch einen beträchtlichen Schritt näher kommen. „Ich will irgendwann einmal dort leben, wo es richtig schön ist“, sagt er. Tagsüber brauen und den Abend am Strand verbringen, auf Hawaii beispielsweise oder in der Südsee. So stellt sich Christoph Vasicek sein Leben vor. Es gibt schlimmere Lebensentwürfe.

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