IPHOFEN

Berufsliebe auf den ersten Blick

Wie ein junger Mann aus Münster zum renommierten Jungwinzer wurde - und welche Rolle Iphofen dabei spielt.
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Mathias Meimberg hat seinen eigenen Weg gefunden. Winzer ist sein Traumberuf. Foto: Fotos: Meimberg
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Reisen bildet. Nichts Neues. Und irgendwie doch immer wieder überraschend. Man muss sich nur einmal mit Mathias Meimberg unterhalten.

Meimberg ist einer der am höchsten prämierten Jungwinzer in Deutschland. Jede Menge Auszeichnungen hat er in jüngster Zeit erhalten: Deutschlands bester Jungwinzer 2018 (Selection), Schaumweinproduzent der Jahre 2018 und 2017 (Selection), Gold- und Silbermedaillengewinner beim Concours International de Lyon, Silber und Bronze bei der Wine-Challenge in London. Dabei steht auf seiner Visitenkarte Emsdetten/Münster. Und das liegt in Nordrhein-Westfalen – bis dato nicht gerade bekannt als Weinregion. Meimbergs Weinberge liegen auch nicht an der Ems, sondern mitten drin im Fränkischen Weinland.

Landschaftsbau hat Mathias Meimberg nach der Schulzeit gelernt, das Berufsleben schien vorgezeichnet, ein Vorvertrag als Geselle war bereits unterzeichnet. 180 Überstunden hatten sich in der Lehrlingszeit angehäuft, also kam ein Anruf von Freunden gerade recht. Ob er nicht Lust hätte, ein paar Wochen auf einem Weingut in Südafrika mitzuarbeiten. Der damals 19-Jährige hatte Lust. Und schickte nach zwei Wochen in Südafrika seine Kündigung nach Deutschland. „Der Weinbau war genau mein Ding“, erinnert er sich. Berufsliebe auf den ersten Blick.

Ein Jahr blieb Mathias Meimberg in Südafrika und bewarb sich parallel für eine Winzerausbildung in Deutschland. Sein bevorzugter Ausbildungsplatz: Franken. Mit diesem Landstrich verband Meimberg schöne Erinnerungen. Die Abschlussfahrt der Schule war nach Würzburg gegangen. „Wir hatten die großen Weingüter der Stadt besichtigt“, erinnert er sich.

Im Weingut Reiss hat er tatsächlich einen Ausbildungsplatz bekommen – und einen guten Lehrmeister mit dazu. Viel Wissen, aber auch viel Vertrauen hat er bekommen. „Ich war in alle Arbeitsschritte involviert.“ In dieser Zeit hat er auch Johannes Arnold kennengelernt, den Mann, bei dem er seine prämierten Weine ausbaut.

Arnold war und ist Berufsschullehrer für angehende Winzer in Ochsenfurt. Sein Weingut steht in Iphofen. An den jungen Schüler Meimberg kann er sich noch gut erinnern: Wissbegierig, aber eher still war er. Jetzt profitieren beide voneinander, der ehemalige Lehrer vom ehemaligen Schüler – und umgekehrt. „Es tut gut, einen jungen, wilden Kerl im Betrieb zu haben“, sagt Arnold. Dessen internationale Erfahrungen helfen, seine Experimentierfreude.

Fast zehn Jahre war Mathias Meimberg auf Weinwanderschaft. Er hat in so renommierten Weingütern wie Graf von Kanitz im Rheingau oder Schloss Proschwitz in Sachsen gearbeitet. Vier Jahre lang arbeitete er in Dänemark, half mit, das erste von der EU anerkannte Weingut Dänemarks aufzubauen. Im Bordeaux und in der Champagne sammelte er Erfahrungen, arbeitete bei Emmerich Knoll in der Wachau. In Veitshöchheim hat er seinen Techniker im Weinbau und Kellerwirtschaft bei der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau gemacht und irgendwann genug Erfahrungen gesammelt.

2011 hat er sich mit Johannes Arnold zusammengetan, ein Betriebskonzept entwickelt. Die Weingüter sind getrennt, aber Meimberg kann seine Weine in Iphofen ausbauen, Keller und Gerätschaften nutzen. Er suchte sich seine Lagen nach seinen Vorstellungen der Weinstilistik zusammen. Seine Weine kommen nun aus den Lagen in Escherndorf, Wiesenbronn und Iphofen. Fast ein Drittel davon nutzt er für das Weinhaus Boessneck – benannt nach seinem Großvater. Die anderen vermarktet er unter dem Namen Meimberg.

Filigrane Weine sind es, die Mathias Meimberg ausbaut, sortentypische. „Ich bin ein Sensoriker“, sagt er über sich selbst. Den Gärungsprozess überwacht er sehr streng, besonders viel Liebe hat er für die Sekt- und Schaumweinproduktion entwickelt. „Ich bin ein Bubble-freak“, meint er. Die Lehrjahre in Frankreich lassen grüßen.

Etwa 15 000 Flaschen produziert Mathias Meimberg inzwischen. Wer ein paar Flaschen erstehen will, der muss schnell sein. „Im Moment bin ich so gut wie ausverkauft“, erklärt er. „Und die Vorbestellungen für den neuen Jahrgang stapeln sich auch schon.“ Dennoch will er nicht mit aller Macht weiter wachsen, sondern ganz langsam, Stück für Stück. „Maßstab für das Wachstum ist immer die Qualität“, betont er. Zufrieden will er mit seinen Produkten sein. Und er setzt einen hohen Maßstab an die Zufriedenheit. Verbessern lasse sich immer etwas, versichert er. Auch als preisgekrönter Winzer.

Nur eines will Mathias Meimberg nicht mehr. Noch einmal ein paar Jahre ins Ausland gehen. Der 35-Jährige ist mittlerweile zweifacher Familienvater. Die Reisen zwischen seiner Heimat Emsdetten und seinen Arbeitsplatz in Iphofen reichen ihm allemal. Rund 60 000 Kilometer verbringt er Jahr für Jahr auf der Straße.

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