KITZINGEN

Bernd Käfer hat einen guten Draht zu Leoni

Seit 50 Jahren werden bei Leoni in Kitzingen Bordnetze hergestellt. Bernd Käfer ist auf dem Werksgelände aufgewachsen - und hat dort sein berufliches Glück gefunden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Treckerfahrer Willy Käfer mit Sohn Bernd auf Werkstour. Foto: Leoni
+1 Bild

Wenn Bernd Käfer von Leoni erzählt, dann beginnt die Geschichte auch familiär betrachtet weit vor seiner Geburt: Schon Großvater Wilhelm war bei den „Leonischen Drahtwerken“ in Mühlhof beschäftigt, seit 1922 ein Nürnberger Ortsteil. Bernds Vater Willy startete seine berufliche Laufbahn ebenfalls am Stammsitz in Nürnberg, ehe er 1965 nach Kitzingen versetzt wurde. Damals begann in einer ehemaligen Bonbonfabrik die Kabelsatz-Fertigung.

1967 wurde das Werk in Kitzingen eröffnet, und die Käfers zogen in eine der beiden Werkswohnungen. Damals war Bernd gerade mal zwei Jahre alt und hatte fortan einen riesigen Abenteuerspielplatz. „Mein Vater war Fertigungs-Meister. Nebenbei übernahm er noch sämtliche Hausmeister-Tätigkeiten: Rasen mähen und Schnee schippen, Lampen und Sicherungen auswechseln, abends nach dem Rechten sehen und vieles mehr.“

1500 Beschäftigte

Mit ihm sei er oft unterwegs gewesen, aber auch alleine. „Mich kannte ja jeder.“ Aus der Zeit stammt das Foto mit Papa Willy auf dem Trecker und Sohn Bernd auf einem der Anhänger. „Mit zehn bin ich den Trecker dann schon selbst gefahren.“ Zu der Zeit gab es in Kitzingen rund 1500 Beschäftigte, davon 1400 Frauen. In Handarbeit wurde Kabel um Kabel zu einem Kabelsatz montiert, Heimarbeit war damals üblich. „Im Werk wurde dann alles zusammengeführt, kontrolliert, verpackt und schließlich verschickt.“

Schon 1977 lagerte Leoni einen Teil der Produktion nach Tunesien aus. Fortan hallten immer wieder schrille Aufschreie durch die Kitzinger Fertigungshalle, wenn Lieferungen aus Afrika geöffnet wurden: Oft sprang dann ein Gecko aus den Kartons und erschreckte die Arbeiterinnen. „In Tunesien sind Geckos überall, dagegen ist nichts zu machen. Für mich war es ein Riesenspaß, die Tierchen einzufangen. Teilweise lebten sechs oder sieben Geckos in meinem Terrarium.“

Ziel: Mehr Automation

1983 begann Bernd Käfer seine Lehre als Betriebsschlosser. Schon damals gab es die Idee, mehr Automation in die Fertigung zu bringen. Kunde Ford wollte Leoni mit einem Entwicklungs-Auftrag für einen kompletten Kabelsatz ködern – vergeblich. Doch als Porsche 1987 mit einem ähnlichen Ansinnen vorstellig wurde, schlug die Geburtsstunde einer neuen Bordnetz-Generation: Ab 1989 wurden nach zwei Jahren Entwicklungs- und Testzeit die ersten so genannten „formstabilen Kabelsätze“ im Porsche 964 verbaut.

Bernd Käfer muss lachen, als er sich an einen Schaumversuch aus dieser Zeit erinnert. „Eigentlich sollten nur Kabel formstabil verbunden werden. Dann hat sich das Material extrem vergrößert, bis wir einen riesigen Schaumpilz im Raum hatten.“

Viel gelacht und gefeiert

Es wurde viel gelacht damals, und viel gefeiert sowieso. „Wir hatten ein kleines Grillhäuschen. Dort haben legendäre Feste stattgefunden.“ Die unbeschwerten Tage waren nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 in Kitzingen jedoch bald vorbei: Nach der Öffnung des Ostens baute Leoni Werke in Ungarn und der Slowakei auf.

Kehrtwende nach dem Fall des Eisernen Vorhangs

In Kitzingen ging es von 1550 Beschäftigten auf 700 und schließlich auf 250 herunter. „Es gab die Befürchtung, dass der Standort geschlossen werden könnte.“

Doch schon bald erfolgte der Umbau in ein Kompetenzzentrum, auch begünstigt durch einen großen Entwicklungsauftrag von Mercedes. Kitzingen ist inzwischen unangefochtener Hauptsitz der Bordnetzsparte, ist Forschungs- und Entwicklungszentrum. „Wir haben jetzt wieder über 900 Beschäftigte.“

Kein Vergleich zu damals

Mit dem einstigen Produktionsstandort sei das heutige Werk nicht mehr zu vergleichen. „Es ist eine ganz andere Art von Arbeit, ein ganz anderes Klima.“ Wo früher Fräsmaschinen standen und produziert wurde, sind heute Büros, in denen Ingenieure arbeiten.

Bernd Käfer ist durch die internationale Ausrichtung von Leoni viel in der Welt herumgekommen: Er war in Osteuropa, Afrika, den USA und Mexiko. „Meine Frau Mara habe ich in Rumänien kennengelernt. Unsere Tochter Sophia wurde in Amerika geboren.“ Auf Reisen seien die Grenzbeamten immer wieder erstaunt, wenn die Drei Pässe aus Deutschland, Amerika und Rumänien zur Kontrolle vorlegen.

Im Ausland den Blick verändert

Von 2007 bis 2012 war Bernd Käfer in Columbus tätig, einer Stadt im US-Bundesstaat Indiana, nahe bei Indianapolis. Dort ging es um Bordnetze für DAF-Trucks. „Jeder sollte mal im Ausland leben. Das würde helfen, den Blick zu verändern“, findet Käfer. Für ihn seien die fünf Jahre in Amerika die schönste Zeit des Lebens gewesen: Arbeit und Leute hätten gut gepasst und er wurde in Euro bezahlt, der günstig zum Dollar stand.

Käfer war zu der Zeit auch oft in Mexiko, wo die Produktion war – bei bis zu 48 Grad am Tag. „Dort war ich als Werkzeugmacher gefragt.“ Unvergessen ist für ihn aber vor allem der Einsatz am Stammsitz von Harley Davidson in Milwaukee (Wisconsin). Zwei Wochen war Bernd Käfer im 325 Meilen nördlich von Columbus gelegenen Werk tätig – ein Traum.

Ein Traum für einen Harley-Fan

„Ich bin mein ganzes Leben Harley-Fan, habe eine Softail. Wir haben damals die Kabelsätze für eine Baureihe geliefert.“ Zwar hat er seinerzeit Chef Keith Wendall nicht angetroffen, weil der Urlaub hatte, aber vom Harley-Werk war Käfer von A bis Z begeistert. „Da war zum Beispiel die irrsinnig große amerikanische Flagge im Eingangsbereich. Oder der Dresscode, der selbst bei den höchsten Managern lautete: Jeans und Weste.“

Mitarbeiterfest zum 50. Jubiläum

Aus familiären Gründen zog es die Käfers 2012 zurück nach Franken. „Die Frage hieß: Für immer USA, oder heim nach Kitzingen?“ Bernd Käfer ist längst wieder angekommen und freut sich sehr auf seine Rolle als „Zeitzeuge“ bei der Leoni-Geburtstagsfeier: Denn wer könnte am Samstag (8. Juli) den 2500 Gästen aus 15 Ländern ein halbes Jahrhundert Werksgeschichte besser näher bringen als er? Und umgekehrt dürfte es bei den vielen internationalen Gästen auch Gelegenheit geben, sich mit dem ein oder anderen über frühere Einsatzorte auszutauschen.

Verwandte Artikel

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.