Iphofen

"Wenig Fläche, großes Glück"

Inge und Walter Böhm sind in ihren eigenen Prototyp vom Holzhaus auf Modulbauweise gezogen.
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Walter Böhm überwacht die Arbeiten am Bau seines Modulhauses.
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Zentimeter für Zentimeter schwebt das hölzerne Bauteil Richtung Boden. Dort warten schon einige Hände, um es in Empfang zu nehmen und auf die Schienen zu setzen. Darauf wird es an seine Endposition geschoben. Inge Böhm-Rudolph hält den Atem an, Ehemann und Architekt Walter Böhm schleicht nervös um den Bauplatz herum, beobachtet aus verschiedenen Blickwinkeln, ob auch alles passt. „Das war natürlich die spannende Frage“, sagt er später. „Manche Dinge sind einfach nicht bis ins letzte Detail auszurechnen.“

Zum Beispiel der Transport der 14 Quadratmeter großen Holzbaumodule. Sechs dieser „Zimmer“ müssen von der Zimmerei Böhm in Markt Einersheim die fünf Kilometer nach Iphofen gefahren werden, bei jedem Verladen steigt erneut die Spannung. Stimmen die Berechnungen, ist alles richtig austariert, sind die Halterungen an der richtigen Stelle? Einen Sturz aus zehn Metern Höhe wird kein Modul unbeschadet überstehen – doch die Sorgen sind umsonst. Stück für Stück nimmt der einstöckige, L-förmige Bau auf dem Grundstück Am Hündlein 62 Gestalt an. In nur einem Tag steht das komplette Haus, vier weitere braucht es, um die Installationsarbeiten abzuschließen. Am vergangenen Samstag ist das Ehepaar Böhm eingezogen und wahrscheinlich gerade damit beschäftigt, Bilder aufzuhängen und die passenden Kissen zu den Vorhängen auszusuchen.

Selbstversuch

Sogar die waren nämlich in den Vorplanungen enthalten. Ein Jahr lang tüftelte Walter Böhm an seinem Holzhaus auf Modulbauweise, haderte mit Anschlüssen, Schnittstellen und anderen Details. „Jetzt steht das Grundkonzept, das ganz schnell individuell angepasst werden kann.“ Die Grundidee kam dem architektonisch innovativen Ehepaar während der ersten Flüchtlingswelle. Wohnraum wurde knapp, und die Containerlösung hielten beide nicht für die schlechteste – also müsste eine solche doch auch auf komfortable Weise übertragbar sein?! „Wir haben beschlossen, einen Selbstversuch zu starten“, erklärt Inge Böhm-Rudolph. „Wir wollten uns selbst verkleinern. Warum also nicht in unseren eigenen Prototyp ziehen?“

Drei Monate Fertigung

Gesagt, getan. Unter dem Motto „Wenig Fläche, großes Glück“ stürzten sich die beiden in das Planungs- und Umsetzungsabenteuer. Drei Monate dauerte die Fertigung in der Werkstatt, ehe es nach den Pfingstfeiertagen endlich losgehen konnte. Die Handwerker aus der Region arbeiteten Hand in Hand und hielten ihre Zeitpläne jeweils ein, bis Ende der Woche sollen auch die Fassadenoberflächen angebracht und das erste „Architektenhaus in Modulbauweise“ der Region und darüber hinaus fix und fertig sein.

Die relativ kurze Planungs-, Fertigungs- und Bauzeit sind aber nicht die einzigen Kriterien, die nach Ansicht des Ehepaares Böhm die Modulbauweise als besonders zukunftsträchtig einstufen. Vor allem die hohe Individualität, die Anpassungsfähigkeit an verschiedene Lebenslagen und nicht zuletzt die Mobilität sprechen für ein Modulhaus. „Theoretisch können die Kinder mit 18 ausziehen und ihr Zimmer einfach mitnehmen“, lacht Inge Böhm-Rudolph. Ob erweitern oder verkleinern, stapeln oder anderweitig versetzen – das alles ist mit den Bauteilen des Böhmschen Modulhauses möglich. Eines davon kostet übrigens zwischen 20 000 und 25 000 Euro. Je nach Platz- und Designanspruch kann ein solches Haus also für alle Altersstufen interessant sein.

Mehr Infos unter Tel. 09323/875511.



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