KITZINGEN

Tiffany: "Man muss sich nur trauen"

Es war ein spannendes Jahr für Tiffany Kemp. Nicht so hektisch und so aufregend wie 2015, als sie bei „The Voice of Germany“ bis ins Finale kam. Aber ein Jahr voller Begegnungen und neuer Erfahrungen. 2017 will sie davon profitieren. Einige Tourneen sind fest eingeplant.
Artikel drucken Artikel einbetten
Kitzingen im Herzen, die Welt vor Augen: Tiffany Kemp will im nächsten Jahr richtig durchstarten und auf Tourneen gehen. Foto: Foto: Ralf Dieter

Es war ein spannendes Jahr für Tiffany Kemp. Nicht so hektisch und so aufregend wie 2015, als sie bei „The Voice of Germany“ bis ins Finale kam. Aber ein Jahr voller Begegnungen und neuer Erfahrungen. 2017 will sie davon profitieren. Einige Tourneen sind fest eingeplant.

Wie fällt Ihre Bilanz für das Jahr 2016 aus?

Nach dem sehr aufregenden Jahr 2015 war es beinahe entspannt. Mitte Januar endete die Tour mit den Finalisten von „The Voice“. Danach habe ich erst Mal ein paar Tage lang geschlafen (lacht).

Welche Lehren ziehen Sie aus dem Jahr 2016?

Ich habe vor allem viel über mich selbst gelernt, aber auch über andere Menschen. Ob sie es ernst meinen oder nicht. Ich weiß jetzt ganz genau, wer mir etwas Gutes tun möchte und wer nicht. Direkt nach der Tour wollten ein paar Leute mit mir arbeiten, die total ungeeignet waren für dieses Geschäft. Das musste ich erst lernen.

Was genau?

Auch mal Nein zu sagen. Es ist nicht so leicht, Menschen zu durchschauen, aber mittlerweile habe ich eine bessere Menschenkenntnis. Vor allen Dingen habe ich gelernt, dass manches auch ganz alleine funktioniert. Man muss sich nur trauen.

Haben Sie keinen Manager?

Nein, aber das wird sich im kommenden Jahr ändern. Wie gesagt, man muss sich in diesem speziellen Geschäft auskennen. Viele sind dafür einfach nicht geeignet.

Können Sie von der Musik leben?

Am Anfang war es sehr wackelig, aber mittlerweile läuft es gut. Ich habe meine Gage festgelegt, habe ein paar Auftritte pro Monat. Ohne die Show hätte das so nicht funktioniert.

Mitte Januar endete die The Voice-Show mit der gemeinsamen Tour. Sind Sie danach in ein Loch gefallen?

Nein, ich war so froh, ein paar Tage Ruhe zu haben. Wir sind ja mit einem Bus quer durch Deutschland gefahren. Die anderen wollten immer Party machen und ich konnte nirgendwohin flüchten. Damals habe ich mir geschworen: Wenn ich irgendwann selber auf Tour gehe, dann baue ich mir meinen eigenen Bus (lacht).

Die neue Staffel ist gerade zu Ende gegangen. Haben Sie die Sendungen verfolgt?

Schon, die vielen Änderungen haben mich aber nicht gerade begeistert. Die Coaches haben sich in den „blind auditions“ nicht mehr umgedreht, wenn es eine Kandidatin nicht geschafft hat. Das fand ich sehr schade. Man sollte wenigstens eine Kritik bekommen nach all dem Aufwand.

Einmal Singen ist doch kein großer Aufwand.

(lacht) Haben Sie eine Ahnung. Vor den „blind auditions“ gibt es drei Casting-Runden. Wer es in die Show geschafft hat, der hat schon einige Hürden genommen.

Denken Sie noch oft an die Show zurück?

Ich kann mich an jeden einzelnen Moment erinnern. Das war schon eine ganz wilde Zeit.

Wild im Sinne von Party bis früh um 5 Uhr?

Es gab tatsächlich Kollegen, die nachts Party gemacht haben und am nächsten Tag keine Stimme mehr hatten. Ich war immer gut vorbereitet. Vielleicht hat das etwas mit dem Alter zu tun.

Sie haben sich mit 37 Jahren bei „The Voice“ angemeldet. Relativ spät. Was war der ausschlaggebende Punkt?

Ich hatte vorher einfach nicht das Selbstvertrauen. Eines Tages habe ich eine Wette mit mir selbst im Spiegel abgeschlossen. Ich habe mir vorgenommen, nicht mehr für jemand anderen zu arbeiten, selbstständig zu sein. Und das am liebsten auf der Bühne. Es ist alles wahr geworden.

Sie haben Ihre Wette gewonnen?

Ich bin freiberufliche Sängerin, werde immer wieder gebucht und unterrichte jetzt auch noch am Armin-Knab-Gymnasium Schüler.

Warum das?

Ich bin ein Einzelkind und habe viel erlebt in meinen jungen Jahren. Ich bin ganz normal in Marktsteft aufgewachsen mit Eltern, die leider heute nicht mehr zusammen sind. Das ganze Drumherum war mir manchmal zu viel. Ich möchte jungen Menschen etwas geben, ihnen Mut machen.

Wie waren Sie in der Schule?

Eine Streberin.

Und danach?

Habe ich lange nicht gewusst, was ich tun könnte. Ich habe als Erzieherin gearbeitet, Psychologie studiert. Dabei wollte ich immer singen, aber ich hatte eine Höllenangst vor der Bühne. Dann kam das Gespräch mit meinem Spiegelbild, endlich habe ich mich getraut.

Und die Angst war weg? Bei „The Voice“ muss man doch dauernd Leistung bringen?

Schon, aber man wird dort gut behandelt, ab dem Halbfinale gibt es sogar einen Psychologen, der sich um die Kandidaten kümmert.

Es heißt, das Musikbusiness sei knallhart.

Es ist definitiv ein hartes Geschäft. Immer unterwegs sein und auf der Bühne immer Leistung bringen müssen. Das ist nicht einfach. Was mich allerdings am meisten genervt hat, das war die Kamera. 30 bis 40 Minuten Interview. Das war zu viel für mich. Und vorher die Maske, die falschen Wimpern. Ich bin in Marktsteft aufgewachsen, da riecht es nach Kuhmist und auch mal nach Schwein. Das ganze Drumherum war mir irgendwann zu viel.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren Kollegen von damals?

Gelegentlich, per Facebook oder Whatsapp.

Wie ist es denen ergangen?

Manche sind in ein Loch gefallen. Das Musikbusiness ist letztendlich auch sehr oberflächlich und schnell. Es ist meistens so, dass von den Siegern nicht mehr viel zu sehen ist.

Wie ist das mit Ihnen? Welche Ziele verfolgen Sie?

Ich möchte eine Platte aufnehmen, auf Tour gehen und jungen Menschen etwas zurückgeben, von dem, was ich erfahren haben. Und persönlich will ich 80 Kilo abnehmen. Es ist wichtig, dass weniger von mir herumläuft (lacht). Das ist für meine Gesundheit und Ausdauer ganz wichtig. Ich kann eine Tour sonst nicht genießen.

Haben Sie schon Pläne für eine Tour?

Ja, ich bin im Frühjahr für eine Tournee durch Südafrika vorgesehen. Das ist wahnsinnig aufregend, ich war ja noch nie in Afrika. Ich habe überhaupt keine Vorstellung, wie es dort aussieht.

Was werden Sie dort singen?

Eigene Lieder.

Sie schreiben Ihre Lieder selbst?

Ja. Ich habe in diesem Jahr drei Alben geschrieben, auf Deutsch und auf Englisch. Die Texte sind fertig, jetzt müssen die Lieder noch komponiert werden. Da bin ich gerade dabei.

Wovon handeln Ihre Texte?

Von Erfahrungen der letzten Jahre, von der Liebe, von Begegnungen. Ich führe ein Tagebuch seit meinem fünften Lebensjahr. Die Themen gehen mir nicht aus.

Die Zeit bei „The Voice“ werden Sie wahrscheinlich auch in einem Lied verarbeiten?

Habe ich schon. Ich habe einige Lieder für meine Coaches geschrieben. Ich bin Andreas Bourani unendlich dankbar, dass er in mir etwas gesehen hat, das ich zu der Zeit selbst nicht sehen konnte. Gott sei Dank ist es heute anders und ich kann diesen Mut weitergeben.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren