KITZINGEN

Bauernverband dreht den Spieß um

Angesicht von Tiefstpreisen haben die Milchbauern Sorgen genug. Sie werden nicht weniger. Der Discounter Lidl hat jetzt ein neues Fass aufgemacht.
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Gar nicht witzig finden BBV-Obmann Alois Krauß, Kreisbäuerin Anette vom Berg-Erbar und BBV-Geschäftsführer Rudolf Bender (von links) die Liste mit zusätzlichen und ihrer Meinung nach unsinnigen Grundanforderungen an die Milchviehalter, die Lidl an Molkereien verschickt hat. Der Bauernverband hat jetzt mit eigenen Grundanforderungen an den Discounter reagiert. Die BBV-Vertreter haben das Papier an die Kitzinger Filialleiter des Discounters übergeben. Aufs Foto wollte der allerdings nicht. FOTO: Siegfried Sebelka Foto: Sebelka
„Die Spirale der Forderungen nach oben muss gestoppt werden.“
Anette vom Berg-Erbar Kreisbäuerin

Angesicht von Tiefstpreisen haben die Milchbauern Sorgen genug. Sie werden nicht weniger. Lidl hat jetzt die Molkereien informiert, dass ihre Milchbauern künftig eine Vielzahl zusätzlicher Anforderungen erfüllen müssen. Die sind für den Bayerischen Bauernverband (BBV) so überzogen, dass der mit Ironie und Galgenhumor reagiert und auch Lidl einen Forderungskatalog zur Nachhaltigkeit kommen lässt.

Fragenkatalog übergeben

Den Fragekatalog mit dem Titel „Grundanforderung an Verkaufsstellen den Lebensmitteeinzelhandels, die hochwertige Nahrungsmittel an Verbraucher verkaufen“ haben die BBV-Oberen im Landkreis, Obmann Alois Krauß, Kreisbäuerin Anette vom Berg-Erbar und Geschäftsführer Rudolf Bender in Kitzingen übergeben. Der Filialleiter (kein Bild, kein Name) wusste zwar nicht genau, wie und was ihm gerade geschieht. Er nahm das Schreiben aber an und sagte zu, es an die zuständigen Stellen weiter zu leiten.

Bayernweite Aktion

Die wissen um was es geht, denn die BBV-Aktion läuft nicht nur in Kitzingen. Bayernweit machten die Milchbauern gegen die Lidl-Forderungen Front. Die Meinung ist eindeutig: Blödsinn oder Quatsch sind nicht die deutlichsten Worte, die die Kitzinger BBV-Leute zur Lidl-Aktion sagen. „Milch ist eines der best kontrollierten Lebensmittel“, so vom Berg-Erbar „Alles wird jetzt schon dokumentiert“, so Bender: Und Krauß sagt: „Die zusätzlichen Forderungen bringen gar nichts, weder bei der Qualität, noch beim Tierwohl noch sonst irgendwo.“

Spirale nach oben

Die Discounter setzten im Wettbewerb immer noch eins drauf, ist die Kreisbäuerin sicher. Jeder will noch besser sein. „Die Spirale der Forderungen nach oben muss endlich gestoppt werden“, so vom Berg-Erbar. „Deshalb wird jetzt der Spieß umgedreht“, sagte Bender. Ob die BBV-Grundanforderung zum Bremsen der Spirale beitragen, wird sich zeigen. Jedenfalls sind sie provokant und sogar ein bisschen witzig. Wenn gefragt wird, ob beim Bau des Marktes zur Verbesserung es Ortsbild ein Architektenwettbewerb durchgeführt wurde, dann dürfte das eher nicht ernst gemeint sein.

Das gilt auch für die Frage, ob die Mitarbeiter freien Zugang zum Tageslicht haben. Auch die Frage, die Geschäftsführung ehrenamtlich bei Feuerwehr oder wenigstens beim Reservistenverein tätig ist, hat durchaus was.

Absurde Forderungen

Unterm Strich soll die Liste deutlich machen, wie absurd die Lidlschen „Grundanforderungen für Lieferanten bei der Herstellung von Molkereiprodukten und Käse sind“. Der Haken an der Sache. Im Gegensatz zur BBV-Liste, scheint die von Lidl ernst gemeint zu sein.

Bürokratie wächst weiter

Darin werden Landwirte über die Molkereien mit einem fünfseitigen Fragebogen zur Nachhaltigkeit konfrontiert. Darin wird gefragt, ob sich der Milchviehhalter mit der Fütterung von Kühen auskennt oder ob regelmäßig die Klauen gepflegt werden. Es geht es um Selbstverständlichkeiten, die jeder Milchbauer aufgrund der gesetzlichen Standards oder/und aus Eigeninteresse berücksichtigt, so die Kitzinger BBV-Leute. Klar ist denen: Bleibt die Liste wächst die Bürokratie weiter. „Dann kommen wir aus dem Dokumentieren nicht mehr heraus“, so Krauß.

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