LANDKREIS KITZINGEN

Banken droht ein Datenfriedhof

Eigentlich hätten die Spitzen der vier Genossenschaftsbanken die positiven Geschäftszahlen in den Mittelpunkt stellen können. Stattdessen sprach man über Sorgen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Genossenschaftsbanken ziehen Bilanz
Fünf Vorstandsmitglieder der vier Genossenschaftsbanken im Landkreis Kitzingen bei der Bilnazpressekonferent (von links) Dirk Deppisch, Martin Weber, Roland Köppel, Peter Siegel und Rouven Lewandowski. Foto: Harald Meyer

Trotz Niedrigst-Zinsen ein gesundes Wachstum: Eigentlich hätten die Spitzen der vier Genossenschaftsbanken im Landkreis die positiven Geschäftszahlen in den Mittelpunkt ihrer jährlichen Bilanzpressekonferenz stellen können. Stattdessen sprach Vorstand Roland Köppel über Sorgen, die die Geldinstitute umtreiben – die geplante europäische Einlagensicherung und ein drohender „Datenfriedhof“ bei Krediten.

Eine „völlige Katastrophe“ für Köppel ist die europäische Einlagensicherung. Bei den Plänen der EU-Kommission stecke der Fehler schon in der Finanzierung. Von den 6,8 Millionen Euro im Sicherungstopf kämen zwei Millionen von deutschen Banken. Damit hafteten diese und ihre Kunden für Geldinstitute anderer Länder mit, deren Risikomanagement deutlich niedriger sei.

Die Einmischung der EU in ein eigentlich gesundes System werde den Sparerschutz auf Dauer gefährden, so Köppel. Angesichts der riesigen Sicherungsrücklagen könnten sich manche Banken „auf der Jagd nach Rendite“ auf hohe Risiken einlassen, frei nach dem Motto: Wenn's schief geht, müssen die anderen mit haften.

Prinzip der Eigenverantwortung

Was damit außer Kraft gesetzt werde, sei das Prinzip der Eigenverantwortung. Dies sei ein Fundament der Institutssicherung der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Hier seien nicht nur große Summen angespart, um den Kunden den „größtmöglichen Einlagenschutz“ zu gewährleisten. Ziel sei es auch, Risiken in einzelnen Genossenschaftsbanken rechtzeitig zu erkennen und im Vorfeld Fehlentwicklungen zu begegnen. Es gehe bei diesem Schutzsystem vor allem darum, Vertrauen zu schaffen, betonte Köppel: „Vertrauen ist die Grundlage für das Bankengeschäft.“

Eine zweite Fehlentwicklung sieht der Vorstand der VR Bank Kitzingen in einem geplanten Datensammler der Europäischen Zentralbank. Die wolle künftig eine Meldung bei allen Krediten über 25 000 Euro und ebenso bei sogenannten „faulen“ Krediten (zu denen auch ein ein überzogenes Konto gehören würde) ab 100 Euro.

Diese Datensammelwut mit bis zu 100 Kreditmerkmalen bedeute einen enormen Personalaufwand und dementsprechend teuer. Schon jetzt seien die Regulierungskosten – der Aufwand für die Erfüllung der Auflagen der Bankenaufsicht – enorm hoch. Köppel bezifferte sie für den Landkreis auf rund 430 000 Euro. Belastungen, die irgendwann einmal zu Lasten der Qualität gehen könnten, meinte der Vorstand.

Da scheint es derzeit keine Probleme zu geben. Die VR Bank Kitzingen, die Raiffeisenbank Fränkisches Weinland Nordheim, die Raiffeisenbank Volkach-Wiesentheid und die Raiffeisenbank Kitzinger Land haben die Zahl ihre Mitglieder weiter erhöht. 36 900 Kreisbürger (plus 2,5 Prozent) sind Miteigentümer. Mit einer ganzen Menge Geld: 1,17 Milliarden Euro (plus 2,2 Prozent) stecken in Konten und Depots..

Kreditvolumen steigt

Kräftig im Aufwind der vier Banken – laut Pressemitteilung – ist das Volumen der Kredite. Gut 643 Millionen Euro haben die vier Genossenschaftsbanken an ihre Kunden vergeben, ein Plus von 6,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Angesichts eines zunehmend schwieriger werdenden Umfelds treten die Banken auch auf die Sparbremse. Die Kosten fielen im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent auf 21,3 Millionen Euro. Fast auf die Hälfte schrumpften die Investitionen, die bei knapp 600 000 Euro lagen.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.