Kitzingen
Aufklärung

Ausstellung soll über rechte Szene aufklären

Nico und Lucas gehören als Jugendliche zur Zielgruppe rechtsradikaler Propaganda. Ein Projekt am AKG soll verhindern, dass die Szene weitere Anhänger findet - und Widerstand fördern.
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Nico und Lucas betrachten die Stellwände der Ausstellung "Demokratie stärken - Rechtsradikalismus bekämpfen" in der Aula des Armin-Knab-Gymnasiums.  Fotos: Brock
Nico und Lucas betrachten die Stellwände der Ausstellung "Demokratie stärken - Rechtsradikalismus bekämpfen" in der Aula des Armin-Knab-Gymnasiums. Fotos: Brock
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Nico ist erschüttert. "Ich wusste nicht, dass es so viele rechtsradikale Gruppen und Organisationen gibt." Bislang kannte der 15-Jährige nur die NPD als Partei und seit der Aufdeckung der Mordserie vor einem Jahr die Gruppierung der NSU. Auch dass solche Organisationen nicht nur weit weg operieren, sondern zum Teil direkt vor unserer Haustür, war ihm nicht klar. Jetzt ist er schlauer - und damit gewappneter: Am Armin-Knab-Gymnasium wurde gestern eine Ausstellung zum Thema "Demokratie stärken - Rechtsradikalismus bekämpfen" eröffnet. Alle 10. Klassen informieren sich zudem in einem Workshop über Hintergründe, Netzwerke und Aktivitäten der rechten Szene in Deutschland.
"Man muss schließlich wissen, was vor sich geht, um dagegen anzugehen - oder zumindest nicht mitzumachen", findet Nico.

Informieren und animieren

Genau das wollen Christoph Wolf, Dozent an der Akademie Frankenwarte in Würzburg, und Sozialwissenschaftlerin Doris Zimmermann mit ihrem Projekt erreichen: Seit 2006 sind sie damit an Schulen und Hochschulen, in öffentlichen Einrichtungen und Gebäuden unterwegs, um aufzuklären, zu informieren, aufzurütteln und zum Engagement gegen Rechts zu animieren. "Unserer Demokratie drohen viele Gefahren, darum muss jede Generation aufs Neue die demokratischen Grundrechte verinnerlichen und lernen, sie zu verteidigen", sagte Wolf. Ausstellung und Workshops wollen einen Beitrag dazu leisten, indem sie sich intensiv mit allen Auswüchsen der Szene auseinandersetzen: Parteien und Untergruppierungen, Jugendpropaganda und Musikszene, Aktivitäten und Symbole, die intellektuelle und die Frauenszene, Internet und Tarnorganisationen. Sie beschäftigen sich aber auch mit den Opfern und - ganz wichtig - damit, was man gegen Rechtsradikalismus tun kann.

"Die Jugendlichen müssen merken, wie schnell man da reinrutschen kann - auch ungewollt über Internetforen, unterwanderte Vereine oder Musik", findet Alexander Kurz-Zimmermann. Der Geschichtslehrer hat sich darum bemüht, das Projekt ans AKG zu holen. Gerade das Internet sei ein heißes Pflaster, weshalb man den Blick der Jugendlichen schärfen und ihre Medienkompetenz stärken müsse. "Denn man hat keinen Einfluss darauf, was sie im Netz machen - und vor allem, was die Szene im Netz macht."

Offen agieren Rechtsradikale im Landkreis bisher glücklicherweise nicht, sagt Harald Hofmann, Dienststellenleiter der Kitzinger Polizei. "Politisch motivierte Straftaten spielen bei uns kaum eine Rolle." Am ehesten kämen Hakenkreuz-Schmierereien oder ähnliches vor, die aber nicht unbedingt aus dieser Richtung stammen müssen. "Das können auch jugendliche Dummheiten sein." Allerdings wird bei so etwas grundsätzlich von einer rechtsextremistischen Motivation ausgegangen.

Ein großes rechtes Spektakel sollte jedoch vor zwölf Jahren im Landkreis stattfinden.

Eine Kundgebung in Iphofen zum Todestag von Rudolph Hess - gegen die dann der ganze Ort mobil machte. Doris Berthold vom damals gegründeten Arbeitskreis "Gehwissen" berichtete bei der Ausstellungseröffnung davon. "Wir haben das Fest der letzten Fuhre reaktiviert und den ganzen Marktplatz mit Fuhrwerken vollgestellt, damit kein Platz mehr war für eine Kundgebung." Die Veranstaltung der Rechten wurde zwar kurzfristig verboten, die letzte Fuhre als Mahnung und Erinnerung an das Engagement gibt es aber heute noch. Genauso wie den Arbeitskreis, der sich aktiv gegen Rechts einsetzt.
Nico war erstaunt, als er das erfuhr. Ebenso sein Klassenkamerad Lukas, die beide aus Iphofen stammen. "Wir gehen klar zu dem Fest - den Hintergrund kannten wir aber nicht." Vielleicht bekommt der Arbeitskreis bald neue, junge Mitglieder, wenn sich Nico und Lucas von Doris Bertholds Aufruf anstecken lassen: "Ihr seid die, die den Mund aufmachen müssen, wenn es nötig ist. Ihr müsst mitdenken, mitreden und nachfragen." Und wenn die jetzt von dem Projekt gefesselten Jugendlichen das Erfahrene nur so verinnerlichen, dass sie selbst davor gefeit sind, in den braunen Sumpf abzurutschen, hat sich alles schon gelohnt.



Kommentar von Ralf Dieter
Die Aufklärung ist so wichtig wie eh und je - nie mehr Drittes Reich













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