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Iphofen

Auslandspraktikum: Iphofen trifft auf Irland

Vor Corona waren noch Praktika im Ausland möglich. Marie Wintzheimer war in Irland und weiß jetzt, warum ein dunkler Pullover im Büro nicht gerne gesehen wird.
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Am Wochende blieb Marie Zeit für Ausflüge ins Land. Hier steht sie am Cliff Walk in Howth. Foto: Caroline Münch
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Jetzt undenkbar, aber vor Lockdown und Grenzschließungen noch möglich: ein Auslandspraktikum. Marie Wintzheimer aus Iphofen hatte noch die Möglichkeit dazu. Sie hat in Irland gearbeitet. Nicht zum ersten Mal tauchte die 20-Jährige in eine andere Kultur ein. Schon in der zehnten Klasse wohnte sie drei Monate in Frankreich bei einer Gastfamilie und ging dort zur Schule. Marie lebt gerne über einen längeren Zeitraum im Ausland. "Nur dann kann man die fremde Kultur so richtig kennenlernen und entwickelt sich persönlich auch weiter." Mittlerweile studiert sie im fünften Semester Kulturwirtschaft an der Universität in Passau. Drei Monate arbeitete Wintzheimer bei der deutsch-irischen Außenhandelskammer in Dublin, der Hauptstadt Irlands. 

Einblicke in die irische Arbeitswelt

Wintzheimer war in der Buchhaltungsabteilung der Vertretung der deutschen Wirtschaft in Irland. Gleich am ersten Tag lernte sie, dass schicke Kleidung im Büro sehr wichtig ist. Das sei nicht ganz so locker wie ihn Deutschland: "Jeans und dunkler Pullover reichen nicht aus." Morgens um neun ging es los, bis abends um fünf. Sie konnte viel Theorie aus dem Studium anwenden, einiges mussten sich die Praktikanten aber auch selbst erarbeiten: "Mein Chef hat sehr viel Wert auf Eigenständigkeit gelegt und das war auch gut so." Die Hierarchie bei der Arbeit sei in Irland etwas ausgeprägter als in Deutschland. Rückfragen würden immer gerne beantwortet, aber nur vom richtigen Ansprechpartner.

Gut gefallen hat Marie, dass die Praktikanten Einblicke in alle Bereich bekamen: "Bei der großen Wirtschaftsprüfung der Kammer, die alle drei bis vier Jahre in einem anderen Land stattfindet, erklärte mir mein Chef beispielsweise wie alles abläuft und, was zu beachten ist." Dabei konnte sie wertvolle Erfahrungen für ihr späteres Berufsleben sammeln. Einmal in der Woche arbeitete jeder Praktikant an der Rezeption, pflegte Kontakt zu Kunden, telefonierte und empfing Besuch. Besonders dabei habe sich ihr Wirtschaftsenglisch verbessert.

In den Pubs sind alle willkommen

Nach der Arbeit ging es in den Pub mit den anderen Praktikanten. "Die Iren trinken wirklich viel Alkohol, das ist kein Vorurteil, vor allem Guinness. Das Bier muss jeder in Irland getrunken haben", bestätigt Marie. Irische Pubs sind nicht vergleichbar mit deutschen Bars. Viele Pubs haben schon am Mittag offen und verkaufen neben Getränken auch Essen. "Auch unter der Woche sind die Pubs meist gut gefüllt. Die Iren gehen dort oft nach der Arbeit hin. Man sieht Leute in Anzug, Jogginghose oder ganz schick. Im Pub ist jeder willkommen, ob jung oder alt", erzählt Marie.

Atemberaubende Wanderungen an Klippen in der Natur Irlands

Ihr gefällt besonders, dass in vielen Pubs eine Band oder ein Gitarrist live spielen. Wer in Dublin im Temple Bar Viertel von Pub zu Pub wandert, tauche jedes Mal in eine andere Musikwelt ein.  Musik spiele in Irland eine große Rolle, auch auf der Straße wird viel musiziert. Allgemein seien die Iren von Natur aus etwas gelassener und lockerer als die Deutschen.  "Wenn der Bus mal nicht wie geplant alle zehn Minuten kommt, sondern etwas später, ist das normal, da wundert sich keiner", hat Wintzheimer beobachtet.

Am Wochenende blieb Marie Zeit für Ausflüge ins Land. Sie besuchte kleine Fischerstädtchen wie Cobh mit steilen Straßen und bunten Häusern, die Künstlerstadt Galway, die bekannt für ihr Nachtleben mit zahlreichen Pubs ist, und Belfast. In Belfast hat sie gesehen, wie stark die Trennung zwischen Briten und Iren nach wie vor ist.  Vor allem beeindruckte sie die schöne Natur in Irland. Am Meer kann man über atemberaubend hohen Klippen stehen und dort entlangwandern. Eine schöne Erinnerung in Zeiten von Corona. 

Studiengang Kulturwirtschaft

Ein Auslandspraktikum oder -semester ist im Studiengang Kulturwirtschaft Pflicht. Der Studiengang selbst ist eine Mischung aus einem typischen BWL-Studiengang, in den Fächer für einen bestimmten Kulturraum sowie ein allgemeinbildender Teil integriert sind. Bei dem allgemeinbildenden Teil könne die Studierenden zum Beispiel zwischen Soziologie, Kunstgeschichte, Politik oder Geografie wählen. Dadurch bietet der Studiengang ein breites Angebot an Berufsmöglichkeiten.
Quelle: cmü