HANDTHAL/KREIS KITZINGEN

Ausgefuchste Ideen mit Holz umgesetzt

Jakob Stärk hätte sich bei der Freisprechungsfeier der Schreinerinnung Kitzingen gar nicht setzen müssen. Gleich viermal wurde der junge Mann ausgezeichnet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die 13 Jung-Gesellen, begleitet von Obermeister Frank Ackermann (links) und Alfred Hörr, Fachlehrer des Beruflichen Schulzentrums Kitzingen-Ochsenfurt (rechts). Sieger des Wettbewerbs „Gute Form“ ist Jakob Stärk (Vierter von links mit Brille), der Zweitplatzierte Maximilian Völker (links neben ihm) und Drittplatzierter Renee Bischof (mit Krawatte). Foto: Foto: Guido Chuleck

Jakob Stärk hätte sich bei der Freisprechungsfeier der Schreinerinnung Kitzingen gar nicht setzen müssen. Gleich viermal wurde der junge Mann vom Obermeister der Innung, Frank Ackermann, nach vorne gerufen und ausgezeichnet: Einmal wie alle zwölf anderen „Jung-Gesellen“ auch für den Gesellenbrief, einmal als bester Prüfling, ein drittes Mal als Gewinner des Wettbewerbs „Gute Form“ und zu guter Letzt für sein CNC-Zertifikat (CNC = Computerized Numerical Control, computergesteuerte Werkzeugmaschinen für hohe Präzision und komplexe Formen).

Da strahlte sein Lehrherr, eben jener Frank Ackermann (von der Georg Ackermann GmbH Wiesenbronn) gleich viermal. Und weil dessen neuer Jung-Geselle Maximilian Völker bei der „Guten Form“ auf Platz zwei kam, durfte Ackermann auch für ihn eine Urkunde in Empfang nehmen.

Insgesamt wurden 13 „Jung-Gesellen“ bei der Feier im Steigerwaldzentrum Handthal freigesprochen. Eigentlich wären es 14 gewesen, die hätten geprüft werden sollen, aber einer fehlte aus gesundheitlichen Gründen. Die Noten der neuen Jung-Gesellen waren bei der Feier sekundär. Wichtiger waren die Gesellenbriefe und der Wettbewerb „Gute Form“.

Alle Gesellenstücke sind im Steigerwaldzentrum ausgestellt und dessen Leiter Andreas Leyrer nutzte die Gunst der Stunde, um sich bei einer vorhergegangenen Führung „mit fremden Federn“ zu schmücken, wie er schmunzelnd zugab. „Die Besucher haben für diese Stücke sehr viel Lob gespendet“, so Leyrer.

Und eigentlich hätte es nicht nur einen, sondern 13 Sieger der „Guten Form“ geben müssen, sagte Christine Käppner-Siegert, als sie die Ergebnisse der Jury bekannt gab. Der Sieger, Jakob Stärk, hatte einen Schuhschrank mit einem ausgefuchsten Öffnungsmechanismus gebaut: per „Fußtritt“ wird ein Hebel unterhalb des wandhohen Schuhschranks betätigt. Der Zweitplatzierte, Maximilian Völker, glänzte mit einem raffinierten Couchtisch; der Drittplatzierte Renee Bischof überzeugte mit einem detaillierten Fernsehschrank.

Einen Sonderpreis gab es für die Tür von Paul Örtel. Er hatte die Eingangstür aus massivem Eichenholz eines denkmalgeschützten Hauses auf Vordermann gebracht. Mehrere Jurymitglieder hätten das Stück am liebsten gleich mit nach Hause genommen. Der Schöpfer des Schuhschranks denkt sogar über eine mögliche Serienfertigung nach.

In seinem Grußwort sprach Tobias Hahner, stellvertretender Leiter des Steigerwaldzentrums, von der „großen Tradition der Freisprechungsfeiern“. Eugen Hain von der Agentur für Arbeit sah die Probleme des Fachkräftemangels und dass viele Lehrstellen frei geblieben seien, weil es zu wenig Bewerber gegeben habe. Auch sei der Versuch, Jugendliche aus Portugal oder Spanien hier auszubilden, an den fehlenden Deutschkenntnissen der Auszubildenden gescheitert. Er ermahnte die Jung-Gesellen, weiterhin lebenslang zu lernen und sich fortzubilden.

Alfred Veeth, Vizepräsident der Handwerkskammer Unterfranken, gab den Jung-Gesellen einen fünfteiligen Wegweiser mit: Selbstbewusst und mit Selbstvertrauen in die Zukunft schauen, Mut zur Verantwortung haben, Mensch bleiben, optimistisch sein und hinsichtlich Fortbildung am Ball zu bleiben.

Walter Heußlein, ebenfalls Vizepräsident der Handwerkskammer Unterfranken (und Bezirksobermeister der Schreinerinnung), hofft, dass die Jung-Gesellen diesem Beruf treu bleiben werden.

Folgende Jung-Gesellen (in Klammern: Ausbildungsbetrieb) wurden freigesprochen: Rene Bischoff (Schmitt Ladenbau GmbH, Würzburg); Adrian Bosch (Willi Wehr GmbH, Kaltensondheim); Florian Hanf (Reinhold Müller, Dettelbach); Rudi Kraus (Dieter Meinert, Obervolkach); Paul Oertel (Hubert Labisch, Unterpleichfeld); Jan Saueracker (Wolfgang Mägerlein, Aub); Franz Schäbler (Holzwerkstatt Rhein GbR, Giebelstadt-Sulzdorf); Tino Schirrschmitt (Würzburger Interieur Manufaktur, Würzburg); Felix Stang (Willi Wehr GmbH, Kaltensondheim); Jakob Stärk (Georg Ackermann GmbH, Wiesenbronn); Maximilian Völker (Georg Ackermann GmbH, Wiesenbronn); Andreas Wirth (Georg Ackermann GmbH, Wiesenbronn); Roman Zehner (Udo Haas, Eichfeld);

Beste Gesellenprüfung; 1. Platz: Jakob Stärk; 2. Platz: Franz Schäbler; 3. Platz: Paul Oertel: Sonderpreis: Herrichten einer historischen Eingangstür: Paul Oertel.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.