Kitzingen

Aufschrei in der Kita: Die Schmerzgrenze ist erreicht

Monika Maier will auf Probleme in Kindertagesstätten aufmerksam machen. Deshalb war die Erzieherin aus Kitzingen im Landtag in München. Und sie will noch nach Berlin.
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Monika Maier (rechts) und Doris Harder, Erzieherinnen der Kindertagesstätte Haus für Kinder St. Elisabeth, Kitzingen, trugen im bayerischen Landtag Probleme ihres Berufsstandes vor. Archivfoto: Monika Maier
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„Ich will einfach nach Berlin. Bevor ich in Rente gehe, schaff' ich das noch. Die Schmerzgrenze ist erreicht“, erklärt Monika Maier. Die Leiterin des Kitzinger „Hauses für Kinder St. Elisabeth“ hat genug. Genug davon, dass sie und ihre Kolleginnen mit ihren Problemen alleine gelassen werden. Vor kurzem war sie deshalb, gemeinsam mit ihrer Kollegin Doris Harder, im Landtag in München.

Möglich machte das der SPD-Abgeordnete Volkmar Halbleib, der Maier an ihrem Arbeitsplatz besuchte. Schließlich lud er sie zu einem SPD-Empfang in den Landtag. Rund 450 Mitarbeiter aus Kindertagesstätten in ganz Bayern sprachen über Wünsche und Sorgen ihrer täglichen Arbeit.

Die Anforderungen steigen

Maier sorgt sich wegen des Mangels an Personal und Nachwuchs und weil immer mehr Aufgaben der Eltern an Kitas und Schulen abgegeben werden. Und ihr fehlt eine Wertschätzung ihres Berufs. Die sei in Bayern so gering wie in kaum einem anderen Bundesland, findet Maier.

Der Bedarf an Förderung und Bildung der Kinder steige stetig. „Wir haben so viele Kinder mit Defiziten im sprachlichen Bereich“, erklärt Maier. 70 Prozent der Kinder in St. Elisabeth haben einen Migrationshintergrund, sagt sie über die Kita in der Kitzinger Altstadt. Häufig gestaltet sich die Kommunikation mit den Eltern noch schwieriger. Maier würde oft einen Dolmetscher benötigen, aber den kann sich ihre Kita nicht leisten. Deshalb bleibt meist nur die Verständigung mit Händen und Füßen.

Verantwortung wird abgewälzt

Auch in anderen Fällen wird immer mehr Verantwortung auf die Erzieherinnen abgewälzt: „Wir sind ergänzend und unterstützend tätig“, schildert Maier, „aber wenn sie es könnten, würden manche Eltern Zäpfchen und Hustensaft mitschicken“. Dabei verschärfen Eltern, die kranke Kinder in die Kita bringen, ein weiteres Problem: die chronische Unterbesetzung. Maier sagt, das Problem wird „schöngerechnet“.

Der geringe Nachwuchs an Erzieherinnen könne den Bedarf nicht decken. „Es ist erschreckend, wie wenige sich dafür interessieren“, meint Maier. Wundern tut es sie aber nicht. Die Ausbildung dauert fünf Jahre, der Arbeitsaufwand ist hoch, und das Gehalt nennt sie „echt lächerlich“. Zwar hat das „Haus für Kinder“ momentan zwei Praktikantinnen, generell sei das Interesse aber minimal. Männlicher Nachwuchs ist gar eine Rarität: „Berufsbild Erzieher kann sich heute niemand vorstellen. Wenn, dann Heilpädagoge, da gibt es Schichtarbeit und Nachtzulage“, verrät Maier.

Maier will für den Beruf trommeln

Dennoch wird sie weiter für ihren Beruf trommeln. Sie liebt ihren Job, nennt ihn ihre Berufung. „Es war mein Traumberuf, Kindern auf ihrem Weg zu helfen. Ein Erfolgserlebnis macht vieles wett“. Und sie möchte noch nach Berlin, um auch dort von ihren Erfahrungen zu berichten. Volkmar Halbleib will sie dabei unterstützen: „Unsere Kinder sind das Wertvollste, was wir haben.“

 

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