BUCHBRUNN/KITZINGEN

Aufblühende Zusammenarbeit

Mit einer gemeinsamen Aktion wollen die Licht-, Kraft- und Wasserwerke Kitzingen und die Landwirte die Biodiversität fördern.
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Ein Bild für die Nachwelt: Katharina Geißendörfer fotografiert die Landwirte Günther und Gertrud Schwab, ihren Vater Harald Geißendörfer, den Prokuristen der LKW, Roger Lindholz sowie die Mitarbeiter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen, Thomas Karl und Anton Lesch. Dank einer gemeinsamen Aktion werden in diesem Jahr drei Hektar landwirtschaftlicher Fläche mit Blühstreifen angelegt. Foto: Foto: Ralf Dieter
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Mit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hat diese Aktion nichts zu tun. Das betonen fast alle Teilnehmer des Pressetermins bei Harald Geißendörfer in Buchbrunn. Die hiesige Landwirtschaft hat schon viel früher auf Biodiversität geachtet, soll das heißen. In Zusammenarbeit mit den Licht-, Kraft- und Wasserwerken (LKW) sind viele Projekte umgesetzt worden. Jetzt wird ein neues gestartet. Drei Hektar Blühstreifen werden angelegt.

„Wir können die Probleme nur gemeinsam lösen“, sagt Roger Lindholz und alle Köpfe am Tisch nicken. Der Prokurist der LKW erinnert an die gemeinsamen Erfolge von LKW und Landwirten im Raum Kitzingen. Die nahmen ihren Anfang vor rund 30 Jahren. Ende der 80er Jahre gab es in und um Kitzingen ein „massives Nitratproblem“, berichtet Lindholz. Die LKW nahmen eine Denitrifikationsanlage in Betrieb und starteten parallel weitere Maßnahmen in enger Abstimmung mit der örtlichen Landwirtschaft.

Kostenlose Bodenproben

Im Lauf der Jahre konnten beispielsweise rund 20 Hektar ehemals bewirtschafteter Flächen in unmittelbarer Nähe der Trinkwasserschutzzonen aufgekauft und in Dauergrünland umgewandelt werden. „Die Nitratwerte sind seither kontinuierlich gesunken“, berichtet Lindholz. Derzeit liegen sie im Durchschnitt bei 30 bis 35 Milligramm pro Liter. Der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm.

Die Zusammenarbeit ist ausgeweitet worden. Die LKW bieten beispielsweise jährlich kostenlose Bodenproben an. Die Landwirte wissen so, wie viele Nährstoffe sich in ihren Böden befinden und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten kann gezielte Düngeempfehlungen abgeben. Mindestens zweimal im Jahr kommen Vertreter der LKW und der Landwirte zusammen, um sich auszutauschen. Im Frühsommer findet eine gemeinsame Begehung der Felder statt, kurz vor Weihnachten beraten die Partner über neue Projekte.

Zehn Betriebe machen mit

„Das Wetter haben wir aber auch nicht im Griff“, gibt Thomas Karl vom Amt für Landwirtschaft zu bedenken. In Trockenjahren wie 2018 ist nicht nur die aktuelle Ernte gefährdet, auch die Böden werden belastet. „Wenn es nicht regnet, geht kein Samen auf“, erinnert Harald Geißendörfer.

Und die Düngemittel ziehen ohne Regenfälle unverdünnt in den Boden Richtung Grundwasserbereich ein. „Aber niemand von uns düngt absichtlich zu viel“, betont Landwirtin Gertrud Schwab.

Der Schutz der Natur liege den Landwirten schließlich selbst am Herzen. Circa 100 Hektar bewirtschaftet Familie Geißendörfer rund um Buchbrunn. Hinzu kommen die Weinberge und die Obstanlagen. Die Vielfalt der Produkte ist groß. Weizen, Zuckerrüben, Sojabohnen und vieles mehr bauen die Buchbrunner an.

Die Artenvielfalt ist ihnen seit vielen Jahren ein Anliegen. Seit etwa zehn Jahren säen sie in den Zeilen ihrer rund acht Hektar großen Weinberge Blühmischungen an. Etwa drei Hektar der landwirtschaftlichen Fläche sind Jahr für Jahr als Blühflächen reserviert. Heuer kommt – dank der Zusammenarbeit mit der LKW – ein Hektar hinzu. Insgesamt zehn Betriebe nehmen das Angebot des Wasserversorgers an, rund 1000 Euro stellt die LKW für die nötigen Blühmischungen zur Verfügung.

Im nächsten Jahr wird das Projekt auf jeden Fall wiederholt, kündigt Roger Lindholz an. „Vielleicht nehmen dann noch mehr Betriebe teil.“ Eines ist ihm und allen Beteiligten am Pressegespräch klar. Für eine Verbesserung der Biodiversität braucht es einen langen Atem – und viele Mitstreiter.

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