LANDKREIS KT/MOSKAU

Auf jeden Fall ein Gewinner

Zwei Mexikaner über den ersten Gruppengegner der Deutschen und ihr Leben im Landkreis Kitzingen
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Daniel Rubalcado hat alle Termine der WM-Spiele in seinem Handy gespeichert. Am Sonntag, um 17 Uhr, steigt für den Mann, der in Kitzingen aufgewachsen ist und einen mexikanischen Vater hat, ein ganz besonderes Spiel. Foto: Foto: Ralf dieter
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Mexiko. Das klingt nach Urlaub, nach Stränden, nach Sombreros und nach Tequila. Aber Mexiko hat noch viel mehr zu bieten. Gute Fußballer beispielsweise. Am Sonntag wird die Deutsche Nationalmannschaft in ihrem Auftaktspiel auf die besten Fußballer Mexikos treffen. Wir haben zwei Männer gefragt, die eine ganz besondere Beziehung zu dem Land haben.

63 Jahre alt ist Efrain Ortega. Die meiste Zeit seines Lebens hat er in Deutschland verbracht. Mit 18 ist er von Guadalajara, der zweitgrößten Stadt Mexikos, in die USA aufgebrochen – wie so viele seiner Landsleute. Der Fußball hat ihn Zeit seines Lebens begleitet. In Chicago hat er gespielt und später, als er im Landkreis Kitzingen sesshaft wurde, beim SV Hoheim. „Erst war ich Stürmer und dann bin ich mit fortschreitendem Alter immer weiter nach hinten durchgereicht worden“, sagt er und muss lachen. „Zum Glück kam niemand auf die Idee, mich ins Tor zu stellen.“

Als Mitglied der US-Army ist Efrain Ortega in den 70er Jahren nach Kitzingen gekommen, hat seine Frau kennengelernt und ist in Tiefenstockheim heimisch geworden. Die Spiele der Mexikaner und der Deutschen will er sich auf jeden Fall allesamt anschauen. Entweder mit der Familie oder beim Public-Viewing in Obernbreit. Als Tipp für den Sonntag gibt er ein 2:1 für Mexiko ab. „Auch wenn ich die meisten Spieler gar nicht mehr kenne.“ Eines ist dem erfahrenen und leidenschaftlichen Fußball-Schauer aber auch klar: „Manchmal spielen die Deutschen nicht so gut und kommen doch ganz weit – während die Mexikaner ganz gut spielen, aber am Ende ausscheiden.“

Einen anderen Tipp für das Spiel hat Daniel Rubalcado, der in Kitzingen zur Welt kam und hier groß geworden ist. „Deutschland siegt mit 3:1“, meint der Mann, der einen mexikanischen Vater hat und als Jugendlicher und junger Mann selbst Fußball gespielt hat. Erst in Mainstockheim, dann in Mainbernheim und zum Schluss beim TSV Hohenfeld. Vor vier Jahren ist Daniel nach Würzburg gezogen, wo er einen ganz anderen Sport betreibt: American Football. „Macht richtig Spaß“, meint er und spricht von einem tollen Team-Spirit.

Bis nach München und Landshut fährt er mit seiner Mannschaft, den Würzburg Panthers, zu den Auswärtsspielen. Und als Kurierfahrer hat er unter der Woche auch mehr als genug zu tun. Kein Wunder, dass zum Fußball schauen kaum noch Zeit bleibt. „Die Spiele der Deutschen und der Mexikaner will ich mir aber auf jeden Fall anschauen.“ Eine mexikanische Fahne flattert schon vor seinem Wohnzimmerfenster, die Spieler der Mexikaner sind ihm geläufig. Die größten Stücke hält er auf Giovani dos Santos, auch Chicharito, der einst bei Bayer Leverkusen spielte, wird nach seiner Überzeugung eine gute WM spielen. Zum WM-Titel wird es für die Mexikaner allerdings nicht reichen. Da sieht Daniel Rubalcado die Deutsche Mannschaft durchaus vorne. „Die sind Titelverteidiger, haben genug Erfahrung“, meint er. Die schlechten Vorbereitungsspiele seien kein Problem. „Wenn es um Punkte geht, dann ist die Einstellung plötzlich eine ganz andere“, sagt er. „Das kenne ich vom American Football.“

Daniel Rubalcado freut sich auf das Spiel am Sonntag, er erwartet eine attraktive Begegnung, in die er, als Zuschauer, ganz entspannt hineingehen kann. „Gegenüber den allermeisten anderen Zuschauern habe ich einen großen Vorteil“, sagt er und muss lachen. „Egal, ob Deutschland oder Mexiko gewinnt. Ich werde mich auf jeden Fall freuen.“

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