KITZINGEN

Das Stadtmuseum soll attraktiver werden.

Ideen gibt es schon. Einige Stadträte informieren sich vor Ort.
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Mitglieder des Kulturbeirates ließen sich von Museumsleitern Stephanie Falkenstein (dritte von rechts) durchs Städtische Museum führen. Für manche war es der erste Besuch in der Landwehrstraße. Foto: Ralf Dieter
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Handlungsbedarf ist da. Das haben alle erkannt. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, in welche Richtung sich das Städtische Museum in Kitzingen verändern wird. An Ideen mangelt es nicht.

„Ich bin noch nie hier gewesen“, gesteht Stefan Güntner und blickt sich um. Vor mittlerweile elf Jahren ist das Museum neu konzipiert und im ehemaligen Kastenhof eröffnet worden. In elf Jahren ist der Bürgermeister und CSU-Stadtrat kein einziges Mal im Museum gewesen. „Es hat mich nie erreicht“, sagt er. Güntner ist keine Ausnahme.

Die geringen Besucherzahlen haben den gesamten Stadtrat alarmiert. Im Juli fiel die Entscheidung: Ab Anfang September wird das Museum bis Ende Januar für die Öffentlichkeit geschlossen. Zeit für eine Neuausrichtung. Leiterin Stefanie Falkenstein wurde beauftragt, ein neues Konzept zu entwickeln und dem Stadtrat vorzulegen. Ende letzter Woche hatte sie den Kulturbeirat zu einer Besichtigung eingeladen. Stefan Güntner war nicht der Einzige, der staunte.

„Der Innenarchitekt war ein Ästhet.“
Ralph Hartner, Hauptamtsleiter

Der Eingangsbereich: unübersichtlich. Falkenstein sprach von einer Fehlkonstruktion. Keine Vitrine, kein Shop, nicht einmal eine Sichtachse zur Eingangstür. In den Ausstellungsräumen sind zwar moderne Vitrinen zu finden, die ihren Sinn und Zweck aber nur begrenzt erfüllen. Die Schriften viel zu klein, um gelesen zu werden, die Flächen hinter Glas teilweise zu klein. „Der Innenarchitekt war ein Ästhet“, erinnert sich Hauptamtsleiter Ralph Hartner. Ästhetik und Funktionalität passen nicht immer zusammen.

Im ersten Stock stapeln sich mittlerweile die Ausstellungsstücke. Ein Teil der Räume ist mehr Depot als Ausstellungsfläche. Die Schränke voll, die Wände voll. Falkenstein musste die auswärtigen Depots auf Geheiß des Stadtrates leeren. Doch wohin mit den vielen Dingen? „Die Traglast im Dachboden ist zu gering“, informierte sie. Und der Keller liegt im Hochwassergebiet. Schwere Gerätschaften können weder hier noch dort gelagert werden.

Genutzt werden könnten die Flächen trotzdem. Falkenstein hat sich Gedanken um die Zukunft des Museums gemacht, Ideen entwickelt, wie mehr Menschen – Touristen wie Einheimische – angelockt werden könnten. Das Foyer soll zur Begegnungsstätte werden, der Eingangsbereich umgebaut werden. Die vollständig erhaltene Rüdenhäuser Schlossapotheke aus dem 19. Jahrhundert mit ihren rund 700 Exponaten könnte hier aufgebaut werden. An den Wochenenden kann sie sich ein Literaturcafe oder ähnliche Angebote vorstellen.

Ein virtuelles Stadtmodell würde sie hier gerne an die Wand projizieren, die Situation im Jahr 1628 darstellen. Besucher könnten jedes Haus anklicken und dessen Geschichte nachverfolgen. Dafür ist Falkenstein natürlich auf Informationen angewiesen. Ihr Aufruf an alle Bewohner, die entsprechende Nachweise haben: melden und vorbeibringen.

Auf vier Bildschirmen könnten künftig historische Persönlichkeiten die Gäste begrüßen, an besonderen Tagen führen gewandete Persönlichkeiten der Stadtgeschichte wie Paul Eber die Gäste durchs Museum. Mit der Häckerbühne hat Falkenstein bereits Kontakt aufgenommen. „Die können sich das durchaus vorstellen.“

In den Ausstellungsräumen kann sie sich Hörstationen vorstellen. Die Stimmen von Armin Knab oder Olga Pöhlmann werden nachgesprochen und erklären den Besuchern Relikte aus der Stadtgeschichte. Überhaupt: Das Museum soll nach Falkensteins Vorstellungen virtueller werden, moderne Technologie soll Einzug halten.

„Es wäre ein Traum, mehr Kinder hierher zu locken.“
Stephanie Falkenstein, Museumsleiterin

Einen Raum würde sie gerne für die Museumspädagogik nutzen. „Es wäre ein Traum, mehr Kinder hierher zu locken“, sagt sie. An attraktivem Anschauungsmaterial soll es nicht scheitern. Ritterburgen, Puppenküchen, Zinnfiguren, eine umfangreiche Spielzeugautosammlung: Das Museum verfügt über eine vielfältige Sammlung aus Kitzingen und Umgebung. Die vielen Sonderausstellungen hätten dann aber keinen Platz mehr im Museum. Etwa vier waren es pro Jahr, was eine Menge Arbeit für Falkenstein und ihr Team bedeutete. Die Mitglieder des Kulturbeirates signalisierten ihre Bereitschaft, diese Ausstellungen künftig in der Rathaushalle stattfinden zu lassen. Eine Sonderausstellung pro Jahr sei ausreichend. Dafür lieber mehr Bildungsarbeit, mehr Museumspädagogik mit Schülern.

Zwei Konzepte will Falkenstein in den kommenden Wochen entwickeln. Ein Minimalkonzept und eines, in dem Dachboden und Keller integriert sind. Letzterer könnte sich beispielsweise den Themen Weinhandel und Kellereitechnik widmen. Falkenstein kann sich ein kleines Weinkontor vorstellen. Im Museumskeller Wein von den ansässigen Winzern probieren und größere Mengen vor Ort kaufen.

Auch eine Kleinkunstbühne oder Bankett-Veranstaltungen a la Alter Keller könnten hier entstehen. „Die Häckerbühne hat durchaus Interesse“, versichert sie.

Viele Ideen, die nun in ein Konzept gegossen werden müssen. Falkenstein betonte, dass sie nicht vollends freie Hand habe. Ein Städtisches Museum hätte schließlich auch den Auftrag, eine breite Palette der Stadtgeschichte darzustellen. „Wir sind kein Spartenmuseum und auch kein Liebhabermuseum“, erinnerte sie. Außerdem müsse sie Daten und Informationen zu Studienzwecken für Schulen und Universitäten vorhalten.

Klaus Heisel (SPD) freute sich über die vielen guten Ideen, warnte jedoch davor, sich in Details zu verlieren. „Wir brauchen ein Alleinstellungsmerkmal“, forderte er. Auch Stefan Güntner sieht das so. „Ein Stadtmuseum wird nie kostendeckend arbeiten können“, meinte er. „Das ist auch nicht unsere Erwartung.“

Die liege vielmehr darin, möglichst viele Menschen ins Museum zu locken. Güntner ermutigte Falkenstein, sich „auszutoben“, ihre Ideen und Vorstellungen in zwei Konzepte zu gießen, um sie dem Stadtrat vorzustellen. „Am Ende wird es dann eine politische Entscheidung sein, wie es mit dem Museum weitergeht.“

Je nachdem, wie diese Entscheidung ausfällt, wird er möglicherweise künftig öfters im Museum vorbeischauen. Den Weg kennt er – anders als viele Touristen. Dass es nach so vielen Jahren immer noch keine Beschilderung gibt, kann der Vorsitzende des Förderkreises und Ehemann von Stephanie Falkenstein, Prof. Dr. Frank Falkenstein jedenfalls nicht nachvollziehen.

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