MARKTBREIT

Auf die Zukunft

Marktbreiter laden ein: Interessierte und Voll-Ökos, Zauberlehrlinge, Kino- und Musikbegeisterte und alle, die einfach schauen wollen, was ein Zukunftsfestival ist.
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Ein Herz fürs Leben: Wolf Demel, Susanne Ramsteiner, Achim Knöchel und ihre Vereinskollegen von „We for future“ wollen die positiven Beispiele für friedlichen Umwelt- und Naturschutz sowie gegen soziale Ungerechtigkeit bündeln – bei einem Festival am Main. DIANA FUCHS Foto: Fotos:
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„Future“, das englische Wort für Zukunft, ist in aller Munde – Greta Thunberg und die „Fridays for future“-Bewegung lassen grüßen. Schon Jahre vor den demonstrierenden jungen Leuten hat in Marktbreit eine Gruppe die Arbeit aufgenommen, die sich einer fairen, friedlichen und lebenswerten Zukunft verschrieben hat: „We for future“. Worum es sich dabei handelt und was es mit dem zweiten „We for future“-Festival Ende Juli am Alten Kranen in Marktbreit auf sich hat, erzählen Susanne Ramsteiner, Achim Knöchel und Wolf Demel von der Initiative im Interview.

Was ist „We for future“?

Susanne Ramsteiner: Wir sind eine Gruppe von engagierten Leuten, die sich Gedanken über die Welt, über das würdige Zusammenleben im Jetzt und über die Zukunft machen.

Achim Knöchel: Wir wollen Menschen dafür sensibilisieren und begeistern, sich für friedlichen Natur- und Umweltschutz und gegen soziale Ungerechtigkeit einzusetzen.

Seid Ihr eine politische Initiative?

Wolf Demel: Nein, wir sind überparteilich und überkonfessionell. Uns geht es um die Sache.

Wie ist Eure Initiative entstanden?

Knöchel: Zuerst gab es das Hilfsprojekt „You can help“, mit dem meine Frau und ich Hilfsprojekte auf den Philippinen verwirklich haben. Unsere Schwägerin Analou stammt von dort. Deshalb haben wir hautnah mitbekommen, wie die Menschen nach dem Supertaifun 2013 litten. Spontan haben Freunde und Verwandte gespendet. Daraus ist ein nachhaltiges Projekt entstanden: Wir unterstützen heute auf den Inseln Panay und Boracay die Malay Elementary School, die Manocmanoc Elementary School und den Kindergarten „Malabunot Day Care Center“, der auch behinderten Kindern eine Chance gibt.

Warum ist es nicht dabei geblieben?

Knöchel: Warum kriegen die Philippinen immer schlimmere Stürme ab? Wegen des Klimawandels, den wir Industrieländer mitverursacht haben. Wir können nun also nach jedem Sturm immer wieder die Dächer auf den „Philis“ reparieren – oder grundsätzlich etwas an unserem Tun ändern.

Ramsteiner: Unsere Freundesgruppe wollte breiter aufgestellt sein und auch in Franken etwas Sinnvolles auf die Beine stellen. Und nicht unseren Nachfahren die ganzen Probleme mit Klimawandel und Umweltzerstörung hinterlassen.

Knöchel: Deswegen haben wir „You can help“ überführt in eine umfassendere Organisation. Seit Mai 2018 sind wir der gemeinnützige Verein „We for future“. Wir führen die Hilfsprojekte auf den „Philis“ weiter, engagieren uns aber auch vor Ort.

Wie viele Mitglieder hat der Verein?

Demel: Derzeit sind wir 24, der harte Kern sind zehn Leute.

Was macht Euch aus?

Ramsteiner: Jeder von uns bringt ein, was ihm wichtig ist. Für den einen ist es nachhaltiger Konsum, für den anderen CO2-neutrale Mobilität, für den nächsten naturnahes Gärtnern oder der Einsatz für einen wertschätzenden Umgang miteinander. Jeder hat sein Steckenpferd, bei dem er sich auskennt und über das wir miteinander diskutieren. Wir sind knallhart ehrlich miteinander und wollen nicht nur reden, sondern etwas bewirken.

Knöchel: Es gibt schon viele positive Beispiele für eine lebenswerte Zukunft. Die wollen wir bündeln!

Und sie beim großen Festival zeigen?

Knöchel: Genau. Zu unserem ersten derartigen Festival vor zwei Jahren kamen schon ein paar hundert Leute, obwohl sich damals noch nicht so viele Menschen für den Klimawandel interessiert haben wie heute. Jetzt ist er allgegenwärtig. Auch unser Programm ist jetzt viel größer als noch vor zwei Jahren. Wir haben zahlreiche Aussteller aus der Region, es gibt Infostände, Bühnengespräche und Workshops.

Was sind das für Aussteller?

Knöchel: Das sind Initiativen und Organisationen, die ihre Ideen für eine sauberere, nachhaltigere Lebensweise präsentieren. Zum Beispiel kommt ein Anbieter von Öko-Kleidung, einer, der TinyHouses baut, eine Trinkwasser-Initiative, eine Frau, die plastikfrei lebt, und viele mehr. Es gibt aber auch eine Registrierungsaktion für Stammzellspende gegen Blutkrebs, einen Kinoabend und Live-Musik. Und ein Zauberer kommt ebenfalls zu Besuch. Damit wollen wir auch diejenigen erreichen, die sonst nichts mit Klimaschutz am Hut haben.

Kann jeder bei „We for future“ mitarbeiten?

Demel: Im Prinzip schon. Jedem, der interessiert ist, rate ich: Einfach mal vorbeikommen und schauen, ob das was für einen ist.

Knöchel: Alle zwei Monate, jeweils am zweiten Donnerstag im Monat, treffen wir uns zum Brainstorming. Die aktuellen Termine stehen immer auf der Homepage.

Ihr steckt viel Zeit in „We for future“. Woher nehmt Ihr Eure Motivation?

Knöchel: Zwischendurch hat man freilich immer mal Durchhänger. Aber meine Frau und ich verbringen unseren privaten Urlaub bei den Verwandten auf den Philippinen und besuchen dann natürlich auch mal die Schulen, die „We for future“ unterstützt. Wenn man dort die Menschen erlebt, die Erwachsenen und die Kinder, die ihre Schule lieben und schon eine gute Stunde vor Schulbeginn darauf warten, dass endlich die Tür aufgeschlossen wird – dann weiß man genau: Es ist jede Stunde Engagement wert!

„We for future“-Festival und Sommernachtskino:

Ort: Alter Kranen und Lagerhaus Marktbreit (bei Regen)

Titel: Für eine Welt mit Zukunft

Verpflegung: Stände mit Essen und Trinken, das nachhaltig erzeugt wurde.

Freitag, 26. Juli: Ab 19.30 Uhr Sommernachts-Openair-Kino-Abend. 21.30 Uhr: Filmstart von „Der Junge muss an die frische Luft“ (bei Regen im Lagerhaus).

Samstag, 27. Juli:

• Bühnen-Talk: 12.30 Uhr: Werner Müller (Markt Einersheim) stellt sein Waisenhaus-Projekt vor. 13 Uhr: Juliane Amend präsentiert ihre „Gemüse-Ackerdemie: Ackern schafft Wissen“. 13.30 Uhr: Bruder Julian (Kloster Münsterschwarzach) und Dr. Christian Loos sprechen über „Mobilitäts-Alternativen in der Region“. 14 Uhr: Jonas Gampe stellt artenreiche Kreislaufgärten vor. 16 Uhr: Lothar Pfeuffer und seine private Gruppe „E-Auto Kitzingen“ haben E-Mobilität im Alltag getestet. 17 Uhr: Klimaschutz-Talk „Einfach jetzt machen“ mit dem Bergwaldprojekt Würzburg. 18 Uhr: Nadine Schubert referiert über „Besser leben ohne Plastik“. 19.30 Uhr: Sebastian Becker von der Firma Deetory spricht über „fair fashion“.

20 Uhr: Achim Knöchel („We for future“) steckt erreichbare Zukunftsziele ab.

• Mitmach-Programm: Von 13 bis 19 Uhr Workshops: Permakultur im Hausgarten, Insektenhotel, Speisepilzzucht, Seedbombs, Solar-Copter, Klimaquiz.

• Zauberei: 15 Uhr: Umweltzauberei für Kinder: „ZaPPaloTT – und die Mülltonne“.

• Live-Musik: 19.30 Uhr bis 21 Uhr: Die Marktbreiter Kultband „Monday Socks“ spielt Rock- und Popsongs.

• Sommernachtskino: 21 Uhr: Vorprogramm, 21.30 Uhr: „Zeit für Utopien – wir machen es anders“. Tickets: Tourist-Info Marktbreit, Hotline: 09332/ 591595, Casablanca-Kino Ochsenfurt.

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